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"Nicht bei
Trost" a never-ending Haiku 66ff.: Vgl. Gedicht von Edward Estlin Cummings: Yes is a pleasant country. 134: Kerberos, der Höllenhund, bewacht den Eingang zur Unterwelt in der griechischen Mythologie. 163: Laozi, Daodejing: das Weiche ist stärker als das Harte (z.B. Kp.76). 169: Motiv aus Graf Öderland von Max Frisch. 174: Vgl. Wadi Natrun, Ägypten; Natron wurde in der Antike bei der Mumifizierung verwendet. 189: Zur Thematik des (agressiven, rationalen?) Blicks vgl. das Werk von Rudolf Steiner, Biel (besonders die Werke, die unter dem Titel "Skeet & Trap" in der gleichnamigen Ausstellung im Kunstraum Kreuzlingen 2002 gezeigt wurden. [Bild] 210: Monaden: Gottfried Wilhelm Lebniz (Das Individuum hat "überhaupt keine Fenster, durch welches etwas in sie [d.h. die Monade] eintreten oder herausgehen könnte". Monadologie § 7) 213: Das Thema "der Andere" (als das grundsätzlich Fremde; das Göttlicheoder der andere Mensch) vgl. das Werk von Emmanuel Lévinas. 225: Kalk-Gebirge entsteht aus Ablagerungen v.a. von Schalentieren 242: Zen-Meister schlafend über einen Tiger gelehnt ist ein bekanntes Zen-Motiv. [Bild] 263f.: Den andern für ein Wesen zu halten, das dasselbe ist wie ich, heisst Gewalt an ihm auszuüben; E. Lévinas. 282: year / ear 314: vgl. Bemerkung zu Z.213 (E.Lévinas) 318: Alberto Giacometti 1962 im Gespräch mit André Parinaud: "Haben Sie bemerkt, dass ein Werk, je wahrer es ist, desto mehr 'Stil' hat? Das ist zwar seltsam, denn Stil entspricht ja nicht der Wirklichkeit der Erscheinung, und doch: Die Köpfe, die am ehesten dem Kopf von irgend jemandem, den ich auf der Strasse sehe, gleichen, sind jene, die am wenigsten naturalistisch sind: die Skulpturen der Ägypter [Bild], Chinesen, der archaischen Griechen und der Sumerer." [Bild] Z.330: Yün-men (Ummon), chinesischer Zenmeister (864-949): "Jeder Tag ist ein guter Tag." Vgl.: Yunmen Wenyan, Zen-Worte vom Wolkentor-Berg. Darlegungen und Gespräche des Zen-Meisters Yunmen Wenyan, aus dem Chines. übers. und hrsg. von Urs App, Bern etc. 1994, S. 220 (Nr. 243). Vgl. auch Z. 00330. 424: Auf der Insel La Gomera sind die Täler so tief zerklüftet, dass sich die einheimische Bevölkerung bei Bedarf einer Pfeifsprache bedient, die die Wortsprache (Spanisch) perfekt imitiert. 462: Mt 26,36-46 (Garten Getsemani Szene). 474: bezieht sich auf eine Zen Geschichte. 482f.: jap. Ästhetik-Prinzip: wabi-sabi. 500: Marcel Proust, A la recherche du temps perdu 515: (Gemeint ist der Anfang dieses Textes.) 578: Diogenes von Sinope (gr. Kyniker, 412-323). 607f.: L. Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus §1: "Die Welt ist alles, was der Fall ist." 625-637: "Passstücke": Bezeichnung einer Serie von Skulpturen, die Franz West an der Biennale (Venedig) 1990 zeigte. Der Begriff stammt aus einem Text von Reinhard Priessnitz. [Pssstück 1, Passstück 2, Stühle] 630: Mk 3,29. 635-643: Begriffe (Wolke, Süsses, Gebete kauen = Mantra) aus der christlichen Mystik, z.B. bei Isaac von Ninive (Hom. 12). 646: Zucker auf Zucker: Bild für die Liebenden aus der arabischen Tradition 652: "Ich glaube, eine Sache ausdrücken heisst ihre Kraft bewahren und ihr den Schrecken nehmen." Fernando Pessoa. 666: "Die Kraft zur Angst und die zum Glück sind das gleiche, das schrankenlose, bis zur Selbstpreisgabe gesteigerte Aufgeschlossensein für Erfahrung, in der der Erliegende sich wiederfindet. Was wäre Glück, das sich nicht mässe an der unmessbaren Trauer dessen was ist? Denn verstört ist der Weltlauf." Theodor W. Adorno: Minima Moralia (1951), Frankfurt a.M. 1969, S.266. 903: Gottfried Benn: "Keiner auch der grossen Lyriker unserer Zeit hat mehr als sechs bis acht vollendete Gedichte hinterlassen ..." 944f.: "... because aesthetics is for me like ornithology must be for birds." (... denn Ästhetik bedeutet für mich soviel, wie Ornithologie für die Vögel bedeutet.) Barnett Newman, Selected writings and interviews, ed. by John P O'Neill, New York (Alfred A. Knopf), 1990, S.304. 962-988: Maestro dei santi Severino e Sessio: Nascita di sant' Eligio di Noyon. 15.Jh. In: Museo Amadeo Lia, La Spezia (I) [Bild] 990: Marcel Proust, A la recherche du temps perdu; Combray ist der Ort, an welchem der Autor sich als Knabe oft aufhielt und an den er sich später immer wieder zu erinnern versucht. Hier findet auch die berühmte Szene mit den in Tee getauchten Madeleines statt. * 1009: Hans-Georg Gadamer: "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache." 1160f.: Friedrich Hölderlin, Patmos (in den Ansätzen zur letzten Fassung) 1178
Emmaus-Episode (Lk 24,13ff.) Z.1183f.: vgl. orthodoxe Auferstehungsikonen
("Christi Höllenfahrt") [Bild] 1192-94: Der Begriff "Symbol" als der zentraler Zugangsbegriff zum Religiösen kommt vom gr. Wort "symballein" (zusammenwerfen; urspr. zwei zerbrochene Teilstücke, deren Zusammenfügen Empfänger und Überbringer als autorisiert auswiesen). 1213f.: Giacomo Leopardi (1798-1837), ital. Dichter, der die Nichtigkeit des Jetzt nüchtern als Faktum der Existenz erkennt. 1236: Psalm 121. 1246: Das philosophische Problem der Identität von Erkennendem und Erkanntem (Bild - Landschaft, Wort - Objekt; adaequatio rei et intellectus). 1303-08: die jüdische Gotteserfahrung: Gott als der immer zukünftige, der sein Antlitz nie zeigt (Ex 33,23) und sein Volk aus der Gegenwart in eine nie zu erreichende Zukunft lockt. Vgl. auch Gregor von Nyssa (Der Aufstieg des Moses, Freiburg i.Br. 1963, S. 117): "Du sollst den Führer nicht von Angesicht zu Angesicht sehen. Denn sonst würdest du in die entgegengesetzte Richtung gehen ..." 1349f.: Claude Monet: "Das Motiv ist für mich zweitrangig; was ich widergeben möchte ist, was sich zwischen mir und dem Motiv abspielt." 1353-68: Agnes Martin (1912-2004): "My interest is in experience that is wordless and silent, and in the fact that this experince can be expressed for me in art work which is also wordless and silent." (from "The Still and Silent in Art"). Vgl. auch 13870-13877. [Bild] 1422-25: Vgl. Meret Oppenheim: Le déjeuner en fourroure (Frühstück im Pelz), 1936 [Bild], und Das Frühlingsfest (le festin), 1959 [Festessen auf einer nackten Frau]. 1497-1501:
Haiku aus dem Reisetagebuch des japanischen Dichters Matsuo Bashô
(1644-1694): Nichts als Flöhe und Läuse! / Und nah meinem Kopfkissen
/ pisst auch noch ein Pferd! (Kp.31) 1509-11: "Dass das Selbst sich selbst und alle Dinge praktiziert und bestätigt, ist Illusion. Dass alle Dinge herbeikommen und das Selbst praktizieren und es bestätigen, ist Erleuchtung." Dogen Zenji , 1200-1253. (Vgl. Keiji Nishitani: Was ist Religion? Frankfurt 1982, S.259.) 1520: "Ort" bezeichnete ursprünglich die Spitze einer Waffe. 1627f: "Hier ruhen meine Hunde / .... / Unter der Erde benagen sie / In der Finsternis ohne Ende / Benagen die Knochen, ihre Knochen, / Sie hören nicht auf , ihre Knochen zu benagen ...." Gabriele d'Annunzio, Oktober 1935 1665-68: Li Po (699-762), im Vorspann zu der berühmten Dichtung: "Frühlingsnachtgelage unter Pflaumen- und Pfirsichblüten". 1723-25: Vgl. die Entmannung des Uranus durch seinen Sohn Zeus. 1775-78: Elias Canetti: "Ich kannte ihn noch, wie er aus lauter schönen Tieren bestand. Jetzt ist er zum Schachtelhalm herangewachsen." (Aufzeichnungen 1954/56) 1790f.: Legende vom Ursprung der Zeichnung bei Plinius, Naturalis Historiae (XXXV, 67). 1812-14: Vgl. Friedrich Hölderlin, Patmos: "Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch." 1866ff: Fledermäuse und z.T. auch Vögel erreichen ein vergelichsweise weit überdruchschnittliches Alter. (Wellensittiche, Fledermäuse können bis 18 Jahre alt werden, Papageien leben mit etwas Glück wesentlich länger als der Mensch.) 1904-1908: Mumonkan, Die Schranke ohne Tor, Meister Wu-men's Sammlung der achtundvierzig Koan, hg. von H. Dumoulin, Mainz (Grünewald), 1975: Drittes Beispiel: Chü-chih hebt den Finger, S.45. 1916f.: "Leib und Geist ablegen" ist eine Forderung, die in der Praxis des Zen-Buddhismus immer wieder erhoben wird. (Z.B. von Dogen in Shobogenzo Zuimonki.I/20, II/1.) 1998: Immer wieder taucht das kurze Thema aus der Sonate von Vinteuil, das für die Beziehung von Swann und Odette so bedeutsam war, in Prousts Roman auf. Die kurze Melodie erinnert ihn an die Kirchtürme von Martinville, an die Bäume an der Landstrasse in Balbec und vor allem an die in Tee getauchten Madeleines, übertrifft aber als "fruchtbarer Rausch" alle andern Empfindungen. * 2021f: Dogen Zenji (in Tenzo Kyokun) vergleicht unsern Geist mit wilden Pferden und unsere Gefühle mit Affen, die sich in den Bäumen tummeln. 2074-77: Matsuo Bashô (1644-1694), Auf schmalen Pfaden durchs Hinterland, Kp. 54 (Landpartie nach Iro na hama): "Zwischen zwei Wellen / mischen sich rote Muschelchen / mit welken Buschkleeblüten ..." (Mainz 1985, S.273) 2080-84: Im Werk von Georges Bataille (1897-1962), sind Verausgabung (la dépense) und der Verlust (la perte) positive Erfahrungen von zentraler Bedeutung. 2127-46: Anspielung auf einen Brauch in der Innerschweiz: Durch einen Holztrichter wird abends in eigenartig monotoner Melodie hoch über dem Tal der Alpsegen gesungen. Vgl. 10346-10356 und 13878-13886. 2207-09: Tom Friedman (1000 hours of staring, 1992-97). 2240-53: Vgl. anonyme Darstellung im Luccheser Codex des "Liber Divinorum" der Hildegard von Bingen, um 1230, Lucca, Biblioteca Governativa, Ms 1942, fol 88v. 2281f.: Performance (in verschiedenen Städten Europas, in Bern am 18.06.2002) des Künstlers Christian Schmidt-Chemnitzer. 2299f.: Paul Cézanne, Über die Kunst, Gespräche mit Gasquet und Briefe, hrsg. von Walter Hess, Hamburg 1957, S. 10: "Die Landschaft spiegelt sich, vermenschlicht sich, denkt sich in mir." 2374-2379: Dogen Zenji (1200-1253), Shobogezo Zuimonki IV/3. 2386-2391: James Lee Byars, Come and stand on this stone and blow your soul. Performance, Bern 1987. 2395f. und 2403: "Bambusstange", "Pfisrsichblüte": bezieht sich auf die Erleuchtung zweier chinesischer Zenmeister im 9. Jh., Reiun Shigon und Kyogen Shikan, beide Schüler des berühmten Meisters Isan Reiyu (erwähnt u.a. in: Eihei Dogen, Shobogenzo Zuimonki II/26 und IV/5). 2452f.: Vgl. die Stühle und Bettgestelle die der Künstler Franz West herstellt. (s.Z.625ff.) 2479-81: Friedrich Hölderlin: aus dem hymnischen Entwurf Vom Abgrund nämlich ... 2485-87: Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe. 2479-87: Vgl. auch Z.3470f. 2493-95: Dogen Zenji, Shobogenzo Zuimonki IV 6, VI 8. "Knochen aus Gold" = Metapher für "hervorragend" (bes. auf die Gesundheit bezogen). 2501-12:
Marcel Proust, A la recherche du temps perdu (Bd V: Die Gefangene):
Das Werk "Ansicht von Delft" von Vermeer, 1660/61 entstanden, befindet
sich im Mauritshuis in Den Haag. Proust hat das Museum 1902 besucht,
um "das schönste Bild der Welt" zu sehen. 1921 kurz vor seinem Tod
begab er sich ins Musée du Jeu de Paume in Paris, um das Bild dort
noch einmal zu sehen und fügte die Sterbeszene mit Bergotte (Anatol
France? Proust selbst?) in seinen Roman ein. Angesichts der kleinen
gelben Mauerecke ("le pan jaune"), gelangt Bergotte sterbend zur Einsicht:
"So hätte ich schreiben sollen." 2583-86: "Es ist aber unmöglich, dass ein Bildwerk, ein Musikstück, wenn sie uns eine innere Bewegung schenken, die wir als etwas Höheres, Reineres, Wahreres empfinden, nicht einer bestimmten spirituellen Wirklichkeit entsprechen, sonst hätte das Leben jedenfalls keinen Sinn." Marcel Proust: A la recherche du temps perdu (Bd V: Die Gefangene). Vgl. auch die einige Seiten später geäusserten Zweifel diesbezüglich. 2635-38: Sogar Brehm (Brehms Tierleben, 3.Bd. Die Vögel, Leipzig 1913, S.20) stellt fest, dass man über das seltene Auffinden von toten Vögeln nur staunen kann. 2663: Douarnenez ist ein Fischereihafen in der Bretagne, Ende des 19. Jh. mit 32 Fischfabriken der grösste Sardindenhafen Europas. 2683f.: ClaudeDebussy, La cathédrale engloutie (1910, Prélude 10, 1er Livre) . 2686: voile (fr.): (le v.) = Schleier, (la v.) = Segel(-boot) 2691-2700: Gespräch zwischen Marcel Duchamp, Constantin Brancusi und Fernand Léger beim gemeinsamen Besuch des Luftfahrtsalons im Pariser Grand Palais, 1912. In: Uwe M. Schneede, Die Geschichte der Kunst im 20. Jahrhundert, München 2001, S. 52. 2915-17: Vgl. das Bild von Helmut Federle Death of a Black Snake, 1999, Dispersion auf Leinwand, 320 x 480cm 2928-34: Mimbres-Keramiken, ca.950-1150, aus dem Südwesten der USA (Mogollon-Kultur): Auf der Innenseite mit schwarz-weissen Ornamenten reich verzierte Schalen, die den Toten als Grabbeigabe aufs Gesicht gelegt wurden. Das angebrachte Loch im Boden steht vielleicht im Zusammenhang mit der Vorstellung einer entweichenden Seele. [Bild] 2989-97: „La vérité et la vie sont bien ardues, et il me restait d’elles, sans qu’en somme je les connusses, une impression où la tristesse était peut-être encore dominée par la fatigue.“ Marcel Proust, À la recherche du temps perdu, (III: La Fugitive), Paris 1954, S. 623. („Die Wahrheit und das Leben sind beide schwer zu bewältigen, und ich behielt von ihnen, ohne dass ich sie wirklich kennengelernt hätte, einen Eindruck zurück, bei dem vielleicht die Erschöfung die Trauer noch überwog.“ Ders., Auf der Suche nach der verlorenen Zeit [Bd. VI: Die Flüchtige], Frankfurt a. M. 2004, S. 309.). * 3017-19: Vgl. Das monumentale Werk von Gerhard Merz: Fragment Grande Galerie I-XIV, Düsseldorf 2002. 3021: Röm 13,12 (Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.) 3022:
Vgl. Mt 27,46 (Um die neunte Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lema
sabachtani, das heisst: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?)
Diese Stelle aus dem Neuen Testament hat auch Barnett Newman sehr
beschäftigt und zu dem Werk "The Stations of the Cross" (1958-66)
inspiriert. (Harold Rosenberg: "In der Summe sind Newmans Gemälde
ein Abkürzungsweg zum Unerreichbaren." In: NZZ Nr. 243 19./20.10.2002,
S. 71; Franz Meyer: Barnett Newman - The Stations of the Cross: Lema
Sabachthani. Richter Verlag, Düsseldorf 2003.) 3030: "Frau und Kuh", s. Bild. 3097: Vgl. die Arbeit von Rudolf Steiner: "flattery flickery plates", 1999, Colorprints D 37cm, Serie 7 Expl., die ausgeht von den Untersuchungen Jan E. Purkinjes (1787-1869), der beschreibt, welche Bilder sich zeigen bei entsprechendem manuell ausgelöstem Druck auf den Augapfel (Johann Purkinje, Beiträge zur Kenntnis des Sehens in subjectiver Hinsicht, Prag 1819). 3198-3205: Caravaggio [Michelangelo Merisi] (ca.1570-1610): Die Wahrsagerin, ca. 1594 (Louvre, Paris und Pinacoteca Capitolina, Rom. [Bilder] 3205-14: Andrej Rubljew: Dreifaltigkeit, 1411, Tretjakow-Galerie, Moskau; vgl. AT Gen 18: Gott besucht Abraham in der Gestalt von drei Engeln. [Bild] 3221-34:
Vgl. die spätmittelalterliche Tradition der Reliquiengärten. Diese
entstanden in Bezug auf den Topos des "stirb und werde", der sich
sowohl in biblischen Texten (Ps 92,13; Jes 66,14: "Eure Gebeine werden
wie Pflanzen sprossen / et ossa vestra quasi herba germinabunt"; Sir
46,12; Mt 3,7-10 par; Mk 8,35; Lk 9,24; Mt 10,39; Joh 12,24f.; 1 Kor
15,36-38), wie auch in vielen antiken Quellen thematisiert wird. Diese
Vegetationsmetaphorik verbindet sich hier mit der Verehrung und Wunderwirkung
von Reliquien. Dabei wurden grössere und kleiner Teilstücke von Reliquien
in kostbare Stoffe eingenäht, reich verziert vor allem mit pflanzlichen
Elementen und in einem grossen Schrein zur Schau gestellt. Der jüngere
Reliquienkasten des Klosters Bentlage (um 1520) enthält 132 Reliquien.
(Für weiterführende Lit. s.: Arnold ANGENENDT: "Eure Gebeine werden
wie Pflanzen sprossen". Zum religionsgeschichtlichen und theologischen
Hintergrund der Reliquiengärten, in: Westfalen, Hefte für Geschichte,
Kunst und Volkskunde, 77. Bd.(1999), S. 6-22. Hier auch weitere Aufsätze
zum Thema.) 3237-39: Vgl. Ernst Mach: Die Analyse der Empfindungen, Jena 1922 (9. Aufl.), S. 1f. Hier (1.Kp.: "Antimetaphysische Vorbemerkung") tauchen diese Begriffe im folgenden Zusammenhang auf: "Farben, Töne, Wärmen, Drücke, Räume; Zeiten u.s.w. sind in mannigfaltiger Weise miteinander verknüpft, und an dieselben sind Stimmungen, Gefühle und Willen gebunden. Aus diesem Gewebe tritt das relativ Festere und Beständigere hervor, es prägt sich dem Gedächtnisse ein, und drückt sich in der Sprache aus. Als relativ beständigere zeigen sich zunächst räumlich und zeitlich (funktional) verknüpfte Komplexe von Farben, Tönen, Drücken u.s.w., die deshalb besondere Namen erhalten, und als Körper bezeichnet werden. Absolut beständig sind solche Komplexe keineswegs." 3265-87: Brief (vom 28.11.02) an die Firma LIPO Möbelposten AG, Reinach [Text] 3326: Gunter Lorenz: Mit Lösungsmitteln rechnen, Hamburg 1998. 3370: Vgl. Anmerkung zu Z.2501-12 (Vermeer: Ansicht von Delft) 3372: Vgl. die Arbeiten aus Blütenstaub des Künstlers Wolfgang Laib. [Bild] 3428-33: Vgl. Dogen Zenji, Shobogenzo, Kp. 71 Hotsu Bodai-Shin (Bd.3, S.117). Seit Buddhas berühmten vier Ausfahrten ist die Meditation der Vergänglichkeit der zentrale Ausgangspunkt in der buddhistischen Lehre. 3436-3445: Friedrich Hölderlin, Griechenland: [aus der zweiten Fassung:] "..... Wo aber allzu sehr sich / Das Ungebundene zum Tode sehnet, / Himmlisches einschläft, und die Treue Gottes, / Das Verständige fehlt. / Aber wie der Reigen / Zur Hochzeit, / Zu Geringem auch kann kommen / Grosser Anfang. .... - [aus der dritten Fassung:] ... Viele sind Erinnerungen. Wo darauf / Tönend, wie des Kalbs Haut, / Die Erde, von Verwüstungen her, ..." 3456-63: Jeremy Bentham: Tract of Poor Laws and Pauper Management, in: John Bowring (Hg.), The Works of Jeremy Bentham (Erstauflage 1838-43), 11 Bde., New York. Die Textstelle lautet: "... die Hand, die handelt und schlägt sorgfältig versteckt werden sollte, statt dessen muss man die Menge konzentrieren auf ein Bild der Vorstellung, eine allseits verehrte Abstraktion ...." 3470f.: Johannes vom Kreuz (1542-1591): "Para venir a serlo todo ..."(Um dahin zu gelangen, alles zu sein); Friedrich Hölderlin: "Allda bin ich alles miteinander. Wunderbar ..." (Vom Abgrund nämlich ..., Hymn. Entwürfe); Fernando Pessoa: "Ah, dass ich nicht alle Menschen und überall bin!" (Das Buch der Unruhe); Virginia Woolf: "Aber sie sagte oben auf dem durch die Shaftesbury Avenue fahrenden Bus, sie fühle sich selbst überall; ..." (Mrs. Dalloway [1925], Berlin 1955, S.189); Georges Batailles: "Am Extrem des Möglichen verlangt die Erfahrung nichtsdestotrotz einen Verzicht: aufzuhören, alles sein zu wollen." (Die innere Erfahrung, München 1999, S.39). Vgl. auch Z.2479-87. 3495-3503: Marcel Proust: A la recherche du temps perdu (Bd. VII: Die wiedergefundene Zeit, S.3942) 3544-46 "Nel mezzo del cammin di nostra vita / mi ritrovai per una selva oscura ... Tant'è amara che poco è piu morte", Dante Alighieri, Divina Commedia (Hölle, 1. Gesang). 3548-50: "E chi avesse voluto conoscere Amore, fare lo potea mirando lo tremare de li occhi miei", Dante Alighieri, Vita Nova, Kp.11. 3560: "Keineswegs zufällig steht das Portrait im Mittelpunkt der frühen Photographie. Im Kult der Erinnerung an die fernen oder abgestorbenen Lieben hat der Kultwert des Bildes die letzte Zuflucht. Im flüchtigen Ausdruck eines Menschengesichts winkt aus den frühen Photographien die Aura zum letzten Mal. Das ist es, was deren schwermutvolle und mit nichts zu vergleichende Schönheit ausmacht." Walter Benjamin, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (1934/35), c. VI 3563f.: Heraklit: "Die Wachen haben eine gemeinsame Welt." (Fragment 89) 3566: Nicht-Ort = gr. ou topos, davon abgeleitet das dt. Wort "Utopie". 3566-70: Simonides von Keos (556-468 v.Chr.): "(...) ihm flogen auch unzählige / Vögel über dem Haupt, / hinauf schnellten die Fische, senkrecht, / aus dem tiefblauen Wasser, / im Einklang mit dem schönen Gesang." (Fragment) 3572f.: Boethius ("Consolatio Philosophiae", 524 n.Chr.): "Wer möchte Liebenden ein Gesetz geben? Ein grösseres Gesetz ist die Liebe sich selbst. Wehe, nahe der Grenze der Nacht sah Orpheus seine Euridike: Er sah [sie], verlor [sie], ging [selber] zugrunde (vidit, perdidit, occidit)." 3574: "Fürst": urspr. "der Vorderste, erste", vgl. engl first. 3579: Nochmals Mt 27,46 (Um die neunte Stunde aber schrie Jesus laut auf: Eli, Eli, lema sabachtani? Das heisst: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?) 3580: vgl. Installation von Wolfgang Laib: You Will Go Somewhere Else, 1995; Bienenwachs, Holz (Gesamtgrösse: 400 x 80 x 1300cm) [Bild] 3596: "Liebe ist Raum und Zeit, dem Herzen fühlbar gemacht." (Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Die Gefangene, S.3280) 3602f.: "Der Umgang mit guten Menschen ist wie Gehen durch Nebel und Tau; man wird zwar nicht nass, aber die Kleider werden immer feuchter." Kuei-shan Ling-yu [Isan Reiyu, 771-853]; in: Dogen Zenji: Shobogezo Zuimonki, IV,4. 3622-25: Die Mittagszeit galt im frühen christlichen Mönchtum als eine Zeit besonderer Gefährdung; die Akedía (Überdruss, Nachlässigkeit) gefährdete die spirituelle Achtsamkeit als Mittagsdämon. (Vgl. Evagrius Pontikus, 346-399, Praktkós c.12: "Der Dämon der Akedia, den man auch Mittagsdämon nennt, ist der gefährlichste ..." - Johannes Cassianus, ca.360-435, De institutis, c.10,1: "Sie [die Akedia] ... tritt für die in der Wüste Lebenden als ein ziemlich heftiger und häufiger Feind auf, der besonders um die sechste Stunde [= Mittag] den Mönch beunruhigt ..." 3630f.: "Wenden des Sinns" lehnt sich an den ebenfalls aus der christlichen Spiritualität bekannten Begriff Metánoia (Umkehr, Busse). 3634: "Ich möchte gemäss der Nuance leben." Roland Barthes. (In NZZ, Nr.20/2003/S.74) 3645-47: Buddhistische Mönche kleiden sich in ein Tuch, das aus erbettelten Stoffresten zusammengenäht wird (jap. kesa; Sanskr. kasaya). Dogen zählt (in Shobogenzo, Bd.3, Den'e) Arten von schmutzigen Lumpen auf, die benutzt werden dürfen. 3659-74: Felsenzeichnung aus den Cuevas de Arana bei Bicorp, Valencia (Spanien): Eine Steinzeitfrau klettert an einer Felswand hinauf und holt sich dort - von Bienen umschwärmt - die Honigwaben. [Bild] 3696-3702: Mt 21,1-9 par (Einzug in Jerusalem). Vgl. dazu Manfred Stumpf: Der Einzug in Jerusalem (Yokohama Version), 1992. [Bild] 3712-19: pairi-dae-za (awestisch; mittelpersisch: pardez) = umzäunter Garten, davon unser Wort Paradies. 3741: "Nie treff ich, wie ich wünsche, das Mass ..." Friedrich Hölderlin, Der Einzige (1. Fassung). Vgl. auch Rolf Iseli, Hommage à Hölderlin. 3758: Roland Barthes: "Ich habe eine Krankheit: Ich sehe die Sprache." (Autobiogr. Fragmente) 3768-72: "Denn nicht die Gleichgültigkeit hebt das Gewicht des Bildes auf ... sondern die Liebe, die grosse Liebe." (Roland Barthes: Die helle Kammer. Bemerkung zur Photographie. Frankfurt/M, 1989, S.20) - "Und es grünen / Tief an den Bergen auch lebendige Bilder ..." (Friedrich Hölderlin: Patmos) 3779f.: "Als Abbas Makarios [im 4.Jh.] in Ägypten lebte, traf er einen Mann mit einem Lasttier, der ihm seine Habe raubte. Er trat wie ein Fremder neben den Räuber und half ihm das Tier beladen. In aller Ruhe (hesychia) entliess er ihn, indem er sagte: 'Wir haben nichts in die Welt mitgebracht, und wir können auch nichts aus ihr mitnehmen.' (1 Tim 6,7) ..." Vgl.: Bonifaz Miller: Weisung der Väter, Trier, 1998, (Nr.471 und 493). 3782f.: Vgl. den Begriff compunctio/katanyxis aus der christlichen Spirtualität. (Ein 'Stich', ein Betroffensein, das uns zutiefst ergreift und bewegt.) - Roland Barthes unterscheidet in seinen Bemerkungen zur Fotografie zwischen dem studium und dem punctum einer Fotografie; das Erstere ist ein allgemeines, interessiertes Wahrnehmen dessen, was in der Absicht des Bildes liegt, das Zweite ist ein plötzliches Ergriffensein, "jenes Zufällige an ihr, das mich besticht (mich aber auch verwundet, trifft)." (R.B.: Die helle Kammer, Frankfurt 1980, S. 35ff.) 3788f.: Vgl. Walter Benjamins Definition des Begriffs "Aura" als "einmalige Erscheinung einer Ferne, so nah sie sein mag." (In: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, c.3; 1934/35) 3826-30: Giotto di Bondone (1276?-1337): Aus dem Freskenzyklus in Padua: "Der Traum Joachims" und "Das Treffen am Goldenen Tor". - Vgl. dazu die Legenden um Joachim und Anna, die Eltern Marias. (z.B. Protevangelium des Jakobus, nach 150 n.Chr.) [Bild] 3857f.: Dogen Zenji: Shobogezo Zuimonki, V,8. 3863-68: Papst Gregor der Grosse (um 540-604): Ezechiel-Homilien II,3,1 (in dt. Übersetzung: Gregor der Grosse, Homilien zu Ezechiel. Hg. Georg Bürke [Christliche Meister 21] Einsiedeln 1983; betr. Ez 40,6-8). 3874: Das gr. Wort epoche, von dem unser Wort "Epoche" stammt, bedeutet wörtlich: das Anhalten, Hemmen, die Unterbrechung oder (philos.) das Zurückhalten eines Urteils. 3901-06: Plotin (bedeutender Neuplatoniker in Rom, um 205-270), Sextus Empiricus (Skeptiker, um 200 n.Chr., lebte in Alexandria und Athen.) Vgl. dazu: Werner Beierwaltes: Das wahre Selbst, Frankfurt 2001, S.88-94. 3921: "finster" erinnert lautlich an "finis terrae" ("Ende der Welt"; Finistère ist die westlichste Region der Bretagne). 3930-48: Zitate aus: Theodor Fontane: Effi Briest (Schluss). 3950-55: Zeichnung eines 6 jährigen: Das Brautkleid, das er sich für seine Mutter wünscht, falls diese ihren Freund vielleicht heiratet. [Bild] 3957-59: "Steigern Sie die Augenblicke, das Ganze ist nicht mehr zu retten." Gottfried Benn. 3962-65: Wenigstens würde ich, wenn mir noch Kraft genug bliebe, um eine Werk zu vollenden, in ihm die Menschen (und wenn sie daraufhin auch wahren Monstren glichen) als Wesen beschreiben, die neben dem so beschränkten Anteil an Raum, der für sie ausgespart ist, einen im Gegensatz dazu unermesslich ausgedehnten Platz ...... einnehmen in der ZEIT. (Marcel Proust: A la recherche du temps perdu; Bd. VII: Die wiedergefundene Zeit, S.4195, Schluss des Romanwerks.) 3972-74: "... unempfänglich für jene Poesie des Unbegreiflichen, die eine Wirkung der Zeit ist, ..." (Marcel Proust: A la recherche du temps perdu; Bd. VII: Die wiedergefundene Zeit, S.4142) 3975-89: Die Idee des Todes nistete sich endgültig in mir ein wie eine Liebe. Nicht dass ich den Tod etwa liebte, ich hasste ihn vielmehr. Aber nachdem ich zweifellos von Zeit zu Zeit an ihn gedacht hatte wie an eine Frau, die man noch nicht liebt, haftete das Denken an ihn jetzt so vollständig in der tiefsten Schicht meines Gehirns, dass ich mich mit keiner Sache beschäftigen konnte, ohne dass diese erst durch die Idee des Todes hindurchgegangen wäre, und selbst wenn ich mich mit nichts beschäftigte und mich völliger Ruhe hingab, leistete mir die Idee des Todes so unaufhörlich Gesellschaft wie die Vorstellung von meinem Ich. (Marcel Proust: A la recherche du temps perdu; Bd. VII: Die wiedergefundene Zeit, S.4187f.) 3993-96: Dadurch erklärte sich, dass meine Sorgen um meinen Tod in dem Augenblick ein Ende gefunden hatten, in dem ich unbewusst den Geschmack der kleinen Madeleine wiedererkannte, weil in diesem Augenblick das Wesen, das ich zuvor gewesen war, ausserzeitlich wurde und daher den Wechselfällen der Zukunft unbesorgt gegenüberstand. (Marcel Proust: A la recherche du temps perdu; Bd. VII: Die wiedergefundene Zeit, S.3951) * 4004-08: Nicht-Ich, die Illusion eines festgefügten Ich-Kerns, der die physische Existenz in irgendeiner Weise überdauern könnte, ist einer der zentralen Lehrsätze Buddhas. - Zu ähnlichen Schlüssen kommt von neurowissenschaftlicher Seite her der Philosoph Thomas Metzinger. (Vgl. z.B. sein Beitrag in: Bewusstsein. Beiträge aus der Gegenwartsphilosophie. Paderborn, 1995) 4019f.: "Schon als Tier hat der Mensch Sprache." Johann Gottfried von Herder (1744-1803) im 1. Satz seiner "Abhandlung über den Ursprung der Sprache". 4024-29: ".... wenn sie sich erst verschiedentlich gewaschen und gereinigt haben, den Rüssel, wie die Arme heben, die aufgehende Sonne steif ansehen, und gewisse Stunden des Tages gleichsam nachdenkend und betrachtend stehen." Michel de Montaigne (1533-1592), Essais, Zürich (Diogenes), 1992, S.66. Auch Claudius Aelianus, De natura animalium (2.Jh.n.Chr.) berichtet von der Frömmigkeit der Elefanten (IV,10: Neumondritual, VII,44 Begrüssung der Sonne). 4032-35: Dogen Zenji: Shobogezo Zuimonki, V/20: "Bleib nicht, wo der Buddha ist und renn schnell weg, wo Nicht-Buddha ist." (Dogen bezieht sich auf einen gleichlautenden Ausspruch vom Chao-chou Ts'ung-shen, jap. Joshu.) 4040: Der Mythos des Menschen als "Mängelwesen" im Vergleich zum Tier: s. Platon, Protagoras, 320b-d. Dieser Topos gelangte über Herder in die Philosophische Anthropologie des 20. Jahrhunderts, s. z.Bsp. Arnold Gehlen, Der Mensch (1940). 4139-50: Vgl. Janet Cardiff, Ittingen Walk, 2002 (Audia-Installation in der Karthause Ittingen) 4198-4204:
Nikolaj Gogol: Der Mantel 4241-4246:
"Gesunde Menschen sollten stets gewissermassen etwas riskieren. Wozu,
heilandhagelnochmal, ist man denn gesund? Bloss um eines Tages so
aus der Gesundheit heraus zu sterben? Eine verflucht trostlose Bestimmung
... " (Robert Walser: Der Räuber) 4298-4301: Arthur Cravan (eigentl. Fabian Lloyd, Neffe von Oscar Wild, geb.1884 in Lausanne, verschwunden 1918? in einem Ruderboot im Golf von Mexiko.), Dichter, Boxer, Anarchist. 4356-4361: Judith enthauptet Holofernes. (Bild: Artemisia Gentileschi, 1597-1653: Die Tötung des Holofernes, um 1620. Die Malerin, die die Enthauptung des Holofernes in selten dramatischer Weise mehrmals dargestellt hat, wurde laut ihrem eigenen Bericht 15jährig von einem Freund ihres Vaters vergewaltigt. Es wird vermutet, dass das Bild auch eine Art Verarbeitung dieses Traumas darstellt.) 4380-4385: aus: William Collins (1721-1759): Ode to Evening ("Und still die Luft nun, bis auf da wo die schwachsichtige Fledermaus / Vorbei mit schrillem Schrei auf Lederschwingen huscht / Und wo der Käfer bläst / Sein kleines, mürrischs Horn"; übersetzt von Wolfgang Schlüter.) 4398f.: Es gibt eine Oper von Luciano Berio: Un Re ascolto (1984) 4421-25: Vgl. W.G. Sebald: Die Ausgewanderten. Vier lange Erzählungen. (Dr. Henry Selwyn) Frankfurt a/M 2002. 4446f.: Ilja Repin: Der unerwartete Besucher (1884-88), Tretjakov Galerie Moskau. [Bild] 4450: Vgl. die von Alfred Yarbus aufgezeichneten Augenbewegungen von Betrachtern eines Bildes. (Alfred L. Yarbus: Eye Movements and Vision, New York 1967). [Bild] 4491-94: "Es ist immer der Aufenthalt, der eine Erklärung verlangt, und nicht die Bewegung." Henri Bergson, in: Die beiden Quellen der Moral und der Religion (1932), Materie und Gedächtnis und andere Schriften, Frankfurt/Main 1965, S.485. 4496-4504: Vgl. Marcel Proust: A la recherche du temps perdu (Bd. I: In Swanns Welt, S.12). 4537-4548: Vgl. W.G. Sebald: Die Ausgewanderten. Vier lange Erzählungen. Frankfurt 2002 (8.Aufl.) S.226-228. 4572-4577: George Orwell: Politics and the English Language, 1946. 4592-4601: Titel eines Gedichts von John Gay (1685-1732). In: My Second Self When I Am Gone, englische Gedichte übers. von Wolfgang Schlüter, Urs Engeler Editor, Weil am Rhien 2003, Nr. 131. 4638f.: Karl Jaspers: "Denn als die Grenzen der Wissenschaft methodisch bewusst wurden, wiederholte sich die alte Erfahrung, dass wissenschaftliche Erkenntnis nicht das Leben zu führen vermag, dass sie nicht einmal ihren eigenen Sinn, nämlich dass sie da sein soll, begründen kann, dass sie vom Standpunkt der Philosophie her gesehen Zerstreutheit ist." In: Philosohie. Erster Band: Philosophische Weltorientierung (1931), Berlin 1956, XXV. 4640-43: Karl Jaspers: "Niemand weiss, was die Welt im Ganzen ist, wohin sie geht. Die Reinheit dieses Nichtwissens ermöglicht erst, was wir Wahrheit nennen oder Vernunft oder Gottesdienst." In: Wahrheit und Leben. Ausgewählte Schriften, Zürich 1965, S. 533. 4664: Gabriel Marcel im Tagebucheintrag vom 8.März 1929. In: Sein und Haben (1935), 2. Aufl., Paderborn 1968, S.22. 4698f.: Diese menschliche Grunderfahrung wird zum Thema in den Tragödien Aischylos' ("durch Leid lerne"; Agamemnon). 4744-46: "Hoc [initium] ergo ut esset, creatus est homo, ante quem nullus fuit." (Damit dieser [Anfang] sei, wurde der Mensch geschaffen, vor dem es keinen andern gab). Augustinus: De civitate Dei, XII, 21.4 4747f.: "Der Neubeginn, der mit jeder Geburt in die Welt kommt, kann sich in der Welt nur darum zur Geltung bringen,weil dem Neuankömmling die Fähigkeit zukommt, selbst einen neuen Anfang zu machen, d.h. zu handeln." Hannah Arendt: Vita activa oder Vom tätigen Leben, München 1992. 4752: Adlerfarn (pteridium aquilinum), sehr stark giftig; toxische Dosis: 2-3 kg pro Tag, länger als 1 Monat (für ein Pferd).[Bild] 4760f.: "Schlaf ist Seelenverdauung; der Körper verdaut die Seele - ... - Wachen ist Einwirkungsstand des Seelenreitzes - der Körper geniesst die Seele." Novalis: Das allgemeine Brouillon (1798/99), Nr. 211, in: Werke, Tagebücher und Briefe, hg. von Hans-Joachim Mähl und Richard Samuel, Bd. 2, Darmstadt 1978, S.510 4773: "Das Auge vollbringt das Wunder, der Seele das zu öffnen, was nicht Seele ist, die glückliche Welt der Dinge und ihren Gott, die Sonne." Maurice Merleau-Ponty: Das Auge und der Geist (1961), Hamburg 1984, S.39. 4810-12: Leviátan und Behemot sind die Urtiere des Anfangs. Vgl. Ps 104,26 ("... dort ziehen die Schiffe dahin, / auch der Leviátan, den du geformt hast, um mit ihm zu spielen."). S. auch Ps 74,14 und Jes 27,1. Zu Behemot (=Nilpferd) vgl. Ijob 40,15ff. und ApcBar (Die syrische Baruch Apokalypse) 29,4: "Und Behemot wird sich offenbaren aus seinem Ort, und Livjatan wird aus dem Meere kommen, zwei grosse Ungeheuer, die ich schuf am fünften Tag der Schöpfung, die ich geschaffen habe und bewahrt bis hin auf jene Zeit. Die werden Nahrung sein für alle dann, die übrig sind." [Bild] 4826-4840: Ijob 40,15-24 (in Anlehnung an die Übersetzung von Martin Buber). 4844f.: Der Offizier zum Reisenden bei der Beschreibung der Exekutionsmaschine; in: Franz Kafka, Strafkolonie. (Erzählungen, Frankfurt 1953, S.104) 4896: Titel eines berühmten Werkes von Marcel Duchamp: "Étant donnés: 1. la chute d'eau / 2. le gaz d'éclairage" (Gegeben sei: 1. Der Wasserfall / 2. Das Leuchtgas), 1946-66, Philadelphia, Museum of Art. 4900: Claude Monet: "Impression, Soleil levant", 1872. Dieses Gemälde, in der ersten Impressionistenausstellung vom 15. April 1874 in Paris gezeigt, gab der neuen, revolutionären Malrichtung den Namen. [Bild] 4901f.: "Er sieht Flecken, er malt einen Flecken ..." Der Kunsttheoretiker Georges Guéroult deutet 1881die impressionistische Malweise als eine Art undeutliches Sehen. 4904-4911: Francis Quarles (1592-1644): Man is a tennis-court; in: My Second Self When I Am Gone, englische Gedichte übers. von Wolfgang Schlüter, Urs Engeler Editor, Weil am Rhien 2003, Nr. 102 4911-4920: Abu l-Ala' al-Ma'arri (973-1057). 4947-55: Johann von Pomuk (später Nepomuk), Beichtvater der Königin Sophia Johanna, 1393 zu Tode gefoltert und von der Karlsbrücke in die Moldau gestürzt, weil er das Beichtgeheimnis nicht brechen wollte, als König Wenzel IV. seine Gemahlin des Ehebruchs verdächtigte. Als 1719 das Grab geöffnet wurde, war der Leichnam verwest, die Zunge jedoch lebensfrisch und als sie eingeschnitten wurde, floss Blut heraus. 4964: Siqt az-zand ("Funken des Feuerbohrgeräts") ist der Titel der ersten Gedichtsammlung von Abu l-Ala al-Ma'arri (973-1058). 4990-5000: Vgl. Marcel Proust: A la recherche du temps perdu ("In jedem Augenblick muss man zwischen der Gesundheit, der Vernunft auf der einen Seite und den subtilen Genüssen des Geistes auf der anderen wählen. Ich habe immer die Feigheit besessen, mich für die ersteren zu entscheiden." Bd. V: Die Gefangene, S.2926). * 5087: tonsei (jap.): "der Welt entfliehen", urspr. bedeutet es die profane Welt verlassen, um Mönch zu werden. Vgl. Eihei Dogen, Shobogenzo Zuimonki II,11, Zürich 1992. 5101-03: Vgl gr. aletheia: Wahrheit; eigentl das Un-Vergessene, das der Lethe, dem Strom in die Unterwelt Entrissene ... 5113f.: Vgl. dazu vielleicht die Entwicklung einer fünfdimensionalen Wirklichkeit von Theodor Kaluza im Jahre 1919. 5122f.: "Die Vergänglichkeit ist wahrhaftig die Wirklichkeit, die sich haargenau vor unsern Augen abspielt. ... Morgens geboren, abends gestorben, jemanden, den wir gestern sahen, gibt es heute nicht mehr - dies sind die Tatsachen, die wir mit eigenen Augen sehen und mit egenen Ohren hören." . Eihei Dogen, Shobogenzo Zuimonki II,14, Zürich 1992, S.87. 5139-48: Vgl. die Komposition von Gavin Bryars: Jesus' Blood Never Failed Me Yet (Tramp and Orchestra; 74 Min.) 5156f.: Vgl. Das Hohelied (Hld) 2,5.14: "Stärkt mich mit Traubenkuchen, erquickt mich mit Äpfeln ..." - "Meine Taube im Felsennest, versteckt an der Steilwand ..." 5172-80: Das Motiv der Probebrücke (oft verbunden mit dem Schutzengel-Motiv) findet sich in mittelalterlichen Darstellungen, die zeigen wie die Seele des Verstorbenen über eine schmale Brücke schwankt um anschliessend von Michael gewogen und beurteilt zu werden. Vgl. dazu die im 4./5.Jh. entstandene Paulusapokalypse (Wilhelm Schneemelcher, Neutestamentliche Apokryphen, Bd.2: Apostolisches, Apokalypsen und Verwandtes, Tübingen 1989, S.644-675). [Bild] 5185-92:
Die himmlischen Ströme: "Was sind das für Flüsse, die diese Stadt
[Christi] umgeben? Und er [der Engel] sagte mir: Dies sind die vier
Flüsse, welche reichlich fliessen für die, welche in diesem Land der
Verheissung sind, deren Namen sind: der Fluss von Honig wird genannt
Pischon und der Fluss von Milch Euphrat und der Fluss von Öl Gihon
[Nil?] und der Fluss von Wein Tigris." Paulusapokalypse c.23 (Wilhelm
Schneemelcher, Neutestamentliche Apokryphen, Bd.2: Apostolisches,
Apokalypsen und Verwandtes, Tübingen 1989, S.658f.). Vgl. Sir 24,25-27.
5243-45: "Wenn ich wahrnehme, denke ich nicht die Welt, sie organisiert sich vor mir." ... "Die Wahrnehmung ist nicht einfach eine Art beginnender Wissenschaft und keine erste Wissenschaft und keine erste Übung der Intelligenz; wir müssen einen Umgang mit derWelt und eine Gegenwärtigkeit (présence au monde) wiederfinden, die älter ist als die Intelligenz." Maurice Merleau-Ponty: Das Auge und der Geist, Hamburg (Meiner) 2003, S.34 u. 35. 5254-5260: [Leonardo da Vinci, Fragment über den Vogelflug, Cod. atlant.
F.65 V. nach Scognamiglio] "Es scheint, dass es mir schon vorherbestimmt
war, mich so gründlich mit dem Geier zu befassen, denn es kommt mir
als eine ganz frühe Erinnerung in den Sinn, als ich noch in der Wiege
lag, ist ein Geier zu mir herabgekommen, hat mir den Mund mit seinem
Schwanz geöffnet und viele Male mit diesem seinen Schwanz gegen meine
Lippen gestossen." Sigmund Freud: Eine Kindheitserinnerung des Leonardo
da Vinci (1910), Frankfurt/M (Fischer) 1984, S.51. Freud bezieht sich
auf das Gemälde Heilige Anna selbdritt von Leonardo (1510),
bei dem - als eine Art Vexierbild - das Gewand Marias einem Geierschwanz
gleicht, der den Mund des Jesusknaben berührt. 5266-68: The Journal of Japanese Studies, Bd. 15/1 (Winter 1989). 5288-90: "Der 'kleine Mensch, der im Menschen ist' [Paul Valéry],
ist nur das Phantom unserer gelungenen Ausdruckhandlungen, der Mensch
hingegen, den wir bewundern, ist nicht jenes Phantom, sondern derjenige,
der, eingrichtet in einem fragilen Leib, in einer Sprache, die schon
viel gesprochen hat, in einer taumelnden Geschichte, sich sammelt
und sich anschickt, zu sehen, zu verstehen und zu bedeuten." Maurice
Merleau-Ponty: Das Auge und der Geist, Hamburg (Meiner) 2003, S.94f. 5330-38: Jona 2,7; 4,11. Vgl. auch: Meik Gerhards: Zum motivgeschichtlichen Hintergrund der Verschlingung des Jona. In: Theologische Zeitschrift (Basel), 59 (2003) H.3, S.222-247. 5344-50: Ambrogio Lorenzetti, Un castello in riva al lago, um 1340 (Siena, Pinacoteca Nazionale). 5400: Vgl. antike Darstellungen eines Toten als Held auf dem Rücken eines Pferdes reitend. 5464-67: Vgl. Quantenphysik: Jedes Beobachten verändert das Beobachtete. 5472-74: Virginia Woolf: Mrs. Dalloway (1925), Berlin 1955, S.43. 5498-5501: "Nachdem der anästhetisierende Einfluss der Gewohnheit aufgehört hatte, begann ich zu denken, zu fühlen - beides traurige Dinge. (Marcel Proust: A la recherche du temps perdu; Bd. I: In Swanns Welt, S.18) 5510f.: "Rien d'humain n'est tout à fait incorporel." Maurice Merleau-Ponty 5539-5562: [Borges bezieht sich bei
der folgenden (vielleicht erfundenen) Angabe aus einer chinesischen
Enzyklopädie auf den Sinologen Franz Kuhn] 5606f.: Heraklit, Fragment B 89 ("Die Wachen haben eine einzige gemeinsame Welt, im Schlaf wendet sich jeder der eigenen zu.") 5635-5663: Vgl. dazu James Joyce: A Painful Case; in: Dubliners (1914). 5664-5673: Zitat aus: Ein Tag im Schlachthaus: Ein Saemann-Reportageteam zu Besuch in der Reber AG Langnau; Saemann 119.Jg. (2003), Nr.12, S.3. 5692-5700: Vgl. Heraklit: "Der Herr, dessen Orakel zu Delphi ist, spricht nicht aus und verbirgt nicht, sondern er gibt ein Zeichen (be-deutet)." (B 93) "Denn die Augen sind genauere Zeugen als die Ohren." (B 101a) 5704-5712: Ein reicher Mann bat Sengai, etwas für das Glück seiner Familie aufzuschreiben, so dass es von Generation zu Generation im Gedächtnis behalten würde. Sengai verlangte einen grossen Bogen Papier und schrieb:: "Vater stirbt, Sohn stirbt, Enkel stirbt." Der reiche Mann wurde ärgerlich. "Ich bat euch, etwas für das Glück meiner Familie aufzuschreiben! Warum macht ihr solch einen Scherz?" - "Ich hatte nicht die Absicht, einen Scherz zu machen", erklärte Sengai." Wenn dein Sohn vor dir sterben würde, so würde dich das sehr bekümmern. Wenn dein Enkel vor deinem Sohn sterben würde, so würde euch dies beiden das Herz brechen. Wenn deine Familie Generation auf Generation in der Reihenfolge dahinscheidet, die ich genannt habe, so ist das der natürliche Ablauf des Lebens. Das nenne ich wahres Glück." In: Paul Reps: Ohne Worte - ohne Schweigen. (Zen Flesh, Zen Bones), Bern 1976, Nr.78 (S.89f.) 7535: scrupulus (lat.): spitzes Steinchen, ängstliche Genauigkeit; velvet: lat., fr., engl.: Samt. 5743-48: Vgl. Dylan Thomas: The Refuse to Mourn the Death, by Fire, of a Child in London (Weigerung den Flammentod eines Kindes in London zu betrauern) 5753-57: Heraklit, Fragment B 118: "Trockene Seele - die klügste und vollkommenste." (Vgl. auch B 36: "Der Seelen Tod ist Wasser zu werden, Wassers Tod Erde zu werden; aus Erde aber gewinnt Wasser Leben und aus Wasser die Seele." B 77: "Seelen ist es Lust oder Tod feucht zu werden." 5762-65: Vgl. die gnostische Lehre des Basilides (2.Jh.) über die uns Hippolyt (Refutatio VII, 20-27) und Irenäus (Adversus Haereses I 24,3-7) berichten. 5770-75: Ursprungsvorstellung der gnostischen Sekte der Ophiten (2.Jh.) "... unter dem oberen Geist seien abgesondert die Elemente: Wasser, Finsternis, Abyssus, Chaos, über denen nach ihnen der Geist schwebt, den sie das erste Weib nennen." (Irenäus, Adversus Haereses I 30,1-15) 5783-85: Filippo (Giordano) Bruno (geb.1548 in Nola, 1600 in Rom als Ketzer verbrannt) lehrte die Unendlichkeit des Raumes und die Unmöglichkeit, dass Gott sich irgendwo ausserhalb befinden könne. 5812-21: Marcello Palingenio Stellato (ca.1500-1540): "Nam si sermo homini non esset munere Divum / Concessus, geminaeque manus, quibus omnia fiant, / Nullum Anima foretl in terris miserum magis, atque / Infoelix homine." (Denn wäre dem Menschen nicht das Wort gegeben worden, als ein Geschenk der Götter, wären ihm nicht zwei Hände gegeben worden, um damit alles zu machen, dann wäre kein Tier auf der Erde unglücklicher und armseliger als der Mensch.) Marcellus Palingenius Stellatus, Zodiacus Vitae, Apud Ioannem Tornaesium, Lugduni 1576. 5842: Vgl. zu Orion: Hygini Astronomica 2.34 (in: K. Kerényi, Die Mythologie der Griechen, Bd.I: Die Götter- und Menschheitsgeschichten, München 1985, 8.Aufl., S.160); zu Jesus: Mt 14,22-27 par. 5843-47: Pierio Valeriano (1477-1560): "Apud Hebraeos, praecipue Cabalisticos, asinus est sapientiae symbolum .... animo esse parvum, inopem atque simplicem, ut qui nullum inter carduos et lactucam discrimen habeat, ..." (Bei den Hebräern, besonders bei den Kabbalisten, ist der Esel das Symbol der Weisheit, ... sein Geist ist klein, arm und einfach, denn er macht keinen Unterschied zwischen Disteln und Salat.) Ioannis Pierii Valeriani, Hieroglyphica, per Thomas Guarinum, Basileae 1567. Vgl. auch: Agrippa von Nettesheim, De incertitudine et vanitate scientiarum; Giordano Bruno: Kabbala, Kyllenischer Esel (Gesammelte Werke, Bd.6), L. Kuhlenbeck (Hg.), Leipzig 1909, S.25f. [Angaben aus: Nuccio Ordine: Giordano Bruno und die Philosophie des Esels, München, 1999, S.73ff.] 5855-58: Paulinus von Nola (353-431) Consul suffectus in Rom, später Bischof von Nola, gehört zum Schülerkreis Martins von Tours, Hymnendichter und (nach der Legende) Erfinder der Kirchenglocken. 5865-70: "...Derselbe aber ist Hades und Dionysos, dem sie toben und feiern." Heraklit, Fragm. B15. 5871-81: Vom Rad zum Segel (Verschiebung eines ikonographischen Topos für Fortuna). Vgl. dazu: Ernst Cassirer, Individuum und Kosmos in der Philosophie der Renaissance, ders. Gesammelte Werke Bd. 14, Hamburg 2002, S.89. ("Aus der Fortuna mit dem Rad, das den Menschen ergreift und das ihn mit sich umwälzt, das ihn bald erhebt, bald in den Abgrund stürzt, wird die Fortuna mit dem Segel - und nicht nur sie ist es , die das Schiff geleitet, sondern der Mensch selber ist es, der am Ruder sitzt.") 5891-5906: ".... herbei rufe ich den,
der da sitzet über dem ersten Himmel ...: Marmaoth; den der da sitzet
über dem zweiten Himmel: Thuriel ... herbei rufe ich den über den
Blitzen Sitzenden: Riepha; herbei rufe ich den über den Donnern: Zonchal;
herbei rufe ich den über den Krystallen: Maio; herbei rufe ich den
über den Erdbeben: Siorocha; herbei rufe ich den über dem Meer ...
; herbei rufe ich den über den Schlangen: Eipol [...] Ihr also, ihr
gewaltigsten Mächte: verleiht Sieg; helft dem, der dieses leibbewahrende
(Amulett) trägt, Leontios, von Ewigkeit zu Ewigkeit, amen." 5987-6000: Marcel Proust, A la recherche du temps perdu (Bd. I: In Swanns Welt). * 6005-6012: Dogen Zenji, Shobogenzo Zuimonki VI,4: "Ich selbst traf einen Mönch aus Shisen, der von weither kam und deshalb überhaupt nichts sein eigen nannte. Das einzige, was er mit sich führte, waren einige Tuschstücke. ... Er verkaufte die Tusche, kaufte sich vom Erlös chinesisches Papier minderer Qualität und machte sich daraus ein Ober- und ein Untergewand. Immer wenn er aufstand oder sich hinsetzte, produzierte er eigenartige Geräusche, aber er achtete niemals darauf und litt nicht darunter." 6033-37: Dogen Zenji, Shobogenzo Zuimonki VI,6. 6048f.: Nicolaus Cusanus, De docta ignorantia (Buch 1, Kp. 1). Dazu Ernst Cassirer:"... der Abstand zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen bleibt derselbe, so viele Mittelglieder wir zwischen beide auch einschieben mögen. Es gibt keine rationale Methodik des Denkens, kein 'sikursives', Element an Element reihendes und Element für Element durchlaufendes Verfahren, das die Kluft zwischen beiden Extremen ausfüllen, das vom einen zum andern überführen könnte." (Individuum und Kosmos in der Philosophie der Renaissance, Ders., Gesammelte Werke, Hamburger Ausg. Bd. 14, Hamburg 2002, S. 12.) 6050-53: Mechthilde von Magdeburg (gest.1282): "Eya, selige gotzvroemedunge [Gottentfremdung], wie minnenklich bin ich mit dir gebunden! Du stetigest minen willen in der pine und liebest mir die sweren, langen beitunge in disem armen libe. Swa mitte ie ich mich zuo dir geselle, gott ie grossor und wunderlichor uf mich vallet. O herre, ich kan in der tieffi der ungemischeten diemuetikeit nit entsinken. Ouwe, ich dir in dem homuote lihte entwenke. Mere: ie ich tieffer sinke, ie ich suessor trinke." Zitiert aus: Alois Haas, Das Böse zwischen Herrlichkeit und Nichts, in: Eranos Jahrbuch 2001/2002, S.145. 6055-58: Die ägyptische Hieroglyphe für Körper ist ein Fisch-Zeichen, für "Seele" (Ba) ein Vogel. (Vgl. Erik Hornung, Fisch und Vogel. Zur altägyptischen Sicht des Menschen; in: Eranos Jahrbuch 52 [1983], S.455-496.) 6059-61: „Si Deus, unde malum?“ Laktanz behandelt die Frage nach der Herkunft des Bösen in De ira Dei 13.20-21, Boethius in De consolatione Philosophiae, I, 4: "Si quidem Deus est, unde mala? Bona vero unde, si non est?" Augustinus, De libero arbitrio, III, 11,32: "Alle Naturen hat Gott gemacht, nicht nur diejenigen, die in Gerechtigkeit und Tugend verharren, sondern auch diejenigen, die sündigen werden: Nicht damit sie sündigen, sondern damit sie das Universum schmücken, gleich, ob sie sündigen oder nicht sündigen wollten." 6063-65: Vgl. dazu auch Anm. Z.1182f. zum Thema "Christi Höllenfahrt"; zum Thema "felix culpa" s. O. Marquard, Felix Culpa? - Bemerkungen zu einem Applikationsschicksal von Genesis 3, in: M. Fuhrmann ... [et al.], Text und Applikation, Theologie, Jurisprudenz und Literaturwissenschaft im hermeneutischen Gespräch, München 1981, S.53-71. 6067-72: Konzept des Neuplatonismus: Nur das Gute hat Anteil am Sein. (Vgl. Plotin, Enneaden). 6075f.: Odo Marquard spricht von "Malitätsbonisierung", "Entübelung der Welt" und "Entbösung des Bösen" (E.L. Marquard) als Theodizeemotiv. (In: Odo Marquard, Apologie des Zufälligen. Philosophische Studien, Stuttgart 1996, S. 11-23: Entlastungen. Theodizeemotive in der neuzeitlichen Philosophie.) 6078-80: "Mes chèrs frères, n'oubliez jamais, quand vous entendrez vanter le progrès des lumières, que la plus belle des ruses du diable est de vous persuader qu'il n'existe pas!" Ch. Baudelaire. 6088-91: Johann Peter Hebel, Veronika Hakmann, in: Schatzkästlein des Rheinländischen Hausfreundes. 6092f.: Wilhelm Busch, Die fromme Helene, Kp.16, Vers 1. 6096-6103: James Joyce, The Sisters, in: ders. Dubliners. A Selection, hg. von Harald Beck, Stuttgart 2003 (Reclam 9181), S.7. 6161-63: Alfred Polgar (1873-1955); vgl. Sophokles, Oedipus auf Kolonos (Vers 1225) : "Nie geboren zu sein, ist der Wünsche grösster, und wenn du lebst, ist der andere, schnell wieder dahin zu gehen, woher du kamst." (Übers. J.Ch. Donner.) Ausführliches zum Zitat s.: Pater Jacob, "Lieber Herr Grünberg" oder vom Glück, nicht geboren zu sein. Eine pessimistische Weisheit und ihre Geschichte. Tübingen, 1999. 6198f.: "Was tue ich hier?" (so fragt Monika, die Mutter von Augustinus, beim Gespräch am Fenster; in Ostia stirbt sie vor der geplanten Rückreise.) Augustinus, Conf. IX,11,28. Z6203: "Wiederkäuen" = ruminare (lat.) = in der asketischen Tradition verwendeter Begriff für Meditation. 6205: Satura (lat.) = urspr. Schüssel, in der man den Göttern Früchte darbrachte; Satire. 6209-6225: Im Jahre 1638 wurde der Aufstand von 40'000 christlichen, rebellierenden Bauern, die sich auf der Burg Hara unter der Führung des 16jährigen Amakusa Shirô verschanzt hatten, blutig niedergeschlagen. Die Aufforderung zur Kapitulation beantworteten sie mit einem letzten Brief: "Die Wipfel auf dem Burgberg sind wohl dem Frühlingssturm ausgesetzt. Die hohen Wolken eilen ins Paradies. Es ist uns peinlich, doch wir vergiessen Tränen wie Wasser, und unser Herz[blut] reiben wir zu Tinte und halten fest: Herrin Santa Maria, Herr Santiago, Herr Miguel, Herr Ignazio, Herr Francisco, alle ausnahmslos schreiben nur dies eine mit der Kraft der Heiligen: Wir glauben, dass wir sie unbedingt und jedenfalls im Paradies treffen werden. Dies entspricht ganz bestimmt dem Willen von Deius. An Herrn Satarô Sen .... Wir bitten untertänigst, dies gefälligst zu Herzen zu nehmen. Das wäre alles." - Reinhard Zöllner, Rächer, Märtyrer, Opfer: Gewalt in japanischen Religionen; in: Religion, Gewalt, Gewaltlosigkeit, hg. von Christoph Bultmann ... [et al.], Münster (Achendorff) 2004, S.183-197. 6226-29: Brauch (im jap. Shintô) Rachegeister zu bannen durch umgürten mit einem Weiheseil. (Z.B. eines Ginko-Baumes, hinter dem sich 1219 der Mörder eines Shôgun in Kamakura versteckt haben soll.) In: Reinhard Zöllner, a.a.O. S.196. 6232-43: Ganesha, populärer indischer Gott mit Elefantenkopf, Sohn Shivas und Pārvatīs, Gott der Weisheit, der Dichter und Beseitiger der Hindernisse. Sein Reittier ist die Maus. Beim Heimritt erschrak diese vor einer Schlange, so dass Ganesha herunterfiel und sein Bauch platzte. Darauf band Ganesha sich die Schlange um die Hüfte, um den Bauch zusammenzuhalten. Johannes Beltz, Ganesha: der Gott mit dem Elefantenkopf, Zürich (Museum Rietberg) 2003, S. 35. 6258-60: Aus einem indischen Liebesgedicht. 6267-76: Papst Leo XIII. (1810-1903; Papstwahl 1878) schreibt 1867 das Gedicht Ars photographica. (Die zitierte Stelle: "O Wunder schöpferischer Kraft ...") Sein Versuch, die katholische Kirche gegenüber der modernen Kultur und Technik zu öffnen, scheiterte letztlich an seiner konservativen Grundeinstellung. 6282: "nicht von Hand gemacht" (griech.: Acheiropoietos): eine auf wundersame Weise entstandene Ikone. 6293-6300: In der Orestie von Aischylos (uraufgeführt 458 v.Chr.) flieht der schuldbeladene Orestes von den furchterregenden Rachegöttinnen (Erinnyen) zu Athene, die in ihrer Ratlosigkeit ein aus Menschen bestehendes Gericht einsetzt, den Aeropag. Die Erinnyen heissen fortan Eumeniden (die "Wohlgesinnten"). 6326f.: "Schafe können sicher weiden": Aria aus der Jagdkantate von J.S.Bach (BWV 208). 6371-6376: "Deus est sphaera infinita, cuius centrum est ubique, circumferentia nusquam." Diese Definition Gottes stammt aus dem Buch der vierundzwanzig Philosophen / Liber XXIV philosphorum, das Hermes Trismegistos zugeschrieben wird (Trismegistos = gr. Name des ägyptischen Gottes Toth, in der Spätantike gleichgesetzt mit Hermes); dieser soll die sogenannten (geheimen) hermetischen Schriften (Corpus Hermeticum) verfasst haben. Der Satz wird immer wieder zitiert, z.B. von Eckhart (Expositio libri Exodi [zu Ex 16,1.18]); in: ders., Die lateinischen Werke, Bd. II, Stuttgart 1992, S. 94f. Nikolaus von Kues greift die Thematik (in De docta ignorantia, 2. Buch, Kp.11) auf, um über die Stellung der Welt im Kosmos und das Verhältnis Gottes zu ihr nachzudenken. Vgl. auch: François Rabelais, Gargantua und Pantagruel, 5. Buch, 49. (letztes) Kp. [Die Priesterin Bacbuc zu den Abreisenden]: "Ziehet hin Freunde, beschützt und beschirmt von dieser intellektuellen Sphäre, deren Mittelpunkt überall und deren Umfang nirgendwo ist, die wir Gott nennen. ...." 6387: Aus einem englischen Kinderreim: "Humpty Dumpty sat on a wall, / Humpty Dumpty had a great fall, / All the king's horses, and all the King's men, / Couldn't put Humpty together again." All the king's horses ist auch der Titel eines Songs von Aretha Franklin. 6407: Platon, Timaios, 90a: "... sofern wir ein Gewächs sind, das nicht in der Erde, sondern im Himmel wurzelt." – In der kabbalistischen Literatur (z.Bsp im Werk Sefer Bahir, um 1185) wird die göttliche Schöpfung als (verkehrter) Lebensbaum der Sefiroth (=die zehn göttlichen Emanationen) dargestellt. Vgl. Gershom Scholem, Von der mystischen Gestalt der Gottheit. Studien zu Grundbegriffen der Kabbala, Frankfurt a.M. 1991, S. 34-36. – Rabelais greift das Bild auf in Gargantua und Pantagruel, 4. Buch, Kp. 32. – Weitere Hinweise bei Adolf Jacoby, Der Baum mit den Wurzeln nach oben und den Zweigen nach unten. In: Zeitschrift für Missionskunde und Religionswissenschaft, Bd. 43 (1928), S. 78-85. 6427-29: "Wir können nämlich alles nur sukzessive erkennen und nur eines zur Zeit uns bewusst werden, ja auch dieses eine nur unter der Bedingung, dass wir derweilen alles andere vergessen, also uns desselben gar nicht bewusst sind, mithin es so lange aufhört, für uns dazusein." Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, Bd.2, c.15 (Von den wesentlichen Unvolkommenheiten des Intellekts). 6434-36: At ipse cuncta, quae audiendo discere poterat, rememorando secum et quasi mundum animal ruminando, in carmen dulcissimum conuertebat ... (Alles, was er durch Hören lernen konnte, verwandelte er in ein sehr schönes Lied, indem er es sich merkte und wie ein reines Tier wiederkäute.) Beda Venerabilis (673-735): Historia Ecclesiastica Gentis Anglorum., lat.-dt., Darmstadt 1982, IV, 24 (22), (Bd.II, S.401). Beda berichtet hier von dem unbegabten Hirten Caedmon, der von einem Engel zum Besingen des Ursprungs der Geschöpfe aufgefordert wird und von da an im Kloster ein hochverehrter Bruder und Sänger wird. 6445-49: "völva" (isl.) heisst in der nordischen Sagenwelt (Völuspá, Snorra Edda) die "Seherin"; "tölva" (aus isl. "tala" = Zahl und "tölva") ist das Wort für Computer. 6491-6498: [Bild] Zürichsee-Gfrörni 1929. 6499-6503: Marcel Proust, A la recherche du temps perdu (Bd. VI: Die Entflohene, S.3565): "Nicht weil die andern tot sind, lässt unsere Zuneigung zu ihnen nach, sondern weil wir selbst sterben." 6513f.: Dante, Vita Nova, Kap. 18: "... wie wir manchmal Regen fallen sehen, mit schönem Schnee gemischt, so dünkte mich, dass ihre [der schönen Frauen] Worte hervorkamen, vermischt mit Seufzen." 6540-43: Francesco Petrarca, Le Familiari, liber IV,1: "Primum omnium spiritu quodam aeris insolito et spectaculo liberiore permotus, stupenti similis steti." Vgl.: ders., Familiaria. Bücher der Vertraulichkeiten, hg. von Berthe Widmer, Bd. 1 (Buch 1-12), Berlin 2005, S. 180-188. 6548f.: "Abyssus humanae conscientiae". Augustinus, Confessiones, X,2. 6548-6554: Augustinus, Confessiones, X, 2: "abyssus humanae conscientiae" ("der Abgrund des menschlichen Bewusstseins"). X, 8: "Et eunt homines mirari alta montium, et ingentes fluctus maris, et latissimos lapsus fluminum, et Oceani ambitum, et gyros siderum, et relinquunt se ipsos ..." ("Und da gehen die Menschen hin und bewundern die Höhen der Berge, das mächtige Wogen des Meeres, die breiten Gefälle der Ströme, die Weiten des Ozeans und den Umschwung der Gestirne – und verlasse dabei sich selbst.") 6558-65: Dante, Vita nova, Kap. 12. 6571-75: Seneca, Epist. 53: "Quare vitia sua nemo confitetur? Quia etiam nunc in illis est: somnium narrare, vigilantis est." (Warum bekennt man seine Fehler nicht? Die Ursache ist, dass man sie noch an sich hat. Man muss schon erwacht sein, wenn man seine Träume erzählen soll.) In: Michel de Montaigne, Essais, 3.Buch, 5. Hauptstück. 6585-88: François de La Rochefoucauld (1613-1680) sagt, dass "es Leute gibt, die sich nie verliebt hätten, wenn sie nicht die Liebe vom Hörensagen gekannt hätten." Réflexions ou sentences et maximes morales (Maxime 136). 6597-00: Michel de Montaigne (1533-1592): "Es ist der Sinn, der die
Wörter erzeugt und verständlich macht. Nicht mehr aus Wind bestehen
sie, sondern aus Fleisch und Blut. Sie bedeuten mehr als sie sagen."
Essais, 3.Buch, Kap.5: Über einige Verse des Vergil,
Frankfurt a.M. 1998, 3. Bd., S.142. 6620-26: Jacques Lacan, Schriften I, hg. von Norbert Haas, (Funktion und Feld des Sprechens und der Sprache in der Psychoanalyse [1953]) Olten 1973, S. 10. 6645-53: [Bild] Giotto di Bondone (1276?-1337): San Francesco riceve le stimmate (Basilica di Santa Croce, Cappella Bardi, Firenze). Zum Thema "Stigmata" vgl. Stigmata. Poetiken der Körperinschrift, hg. von Bettine Menke ... [et al.], München 2004, und Chiara Frugoni, Francesco e l'invenzione delle stimmata. Una storia per parole e immagini fino a Bonaventura e Giotto, Turin 1993. 6664ff.: "robashin": jap. Ausdruck, von Dogen Zenji, in Shobogenzo Zuimonki, I/7, verwendet. 6681f.: Anspielung auf das berühmte Zitat: "Rose is a rose is a rose is a rose." Gertrude Stein, Sacred Emiliy, in: dies.: Geography ans Plays, (Boston 1922), Madison, Wisc. (The University of Wisconsin Press) 1993, S. 187. 6690-93 [Bild]: In der Schweiz existieren nicht wenige Chalets, die getarnte Bunker sind. Vgl. Christian Schwager, Falsche Chalets, Zürich 2004. 6704-09: Vgl. Zibo Zhenke (1543-1603), Changsong rutui, (Abschn. 6: Die Relativität von Form und Leerheit): "Alles entsteht aus dem denkenden Geist, selbst das Nichts." In: Sebastian Gault, Der verschleierte Geist. Zen Betrachtungen des chinesischen Mönchs-Philosophen Zibo Zhenke, Bern 2003, S.56. 6716-18: Laozi, Daodejing (Kap.1): "... Wahrlich:/ Wer ewig ohne Begehren, / Wird das Geheimste schaun; / Wer ewig hat Begehren, / Erblickt nur seinen Saum. ...." 6726: Zibo Zhenke (1543-1603), zitiert aus dem daoistischen Werk Wenshi zhenjing.(13.Jh.?): "Kein Ding ist nicht wunderbar ..." In: Sebastian Gault, Der verschleierte Geist. Zen Betrachtungen des chinesischen Mönchs-Philosophen Zibo Zhenke, Bern 2003, S.80. 6733-36: Im Augenblick des Todes verliert der Mensch 21 Gramm an Gewicht. (Vgl. 21 Grams, Film von Alejandro Gonzáles Iñárritu.) 6742f.: Jenny Holzer: "Protect me from what I want." 6785-87: Zibo Zhenke (1543-1603): "Bevor ichbezogenes Denken entstanden ist, hatte deine Erfahrung noch nicht die Dimension von Sinn." In: Sebastian Gault, Der verschleierte Geist. Zen Betrachtungen des chinesischen Mönchs-Philosophen Zibo Zhenke, Bern 2003, S.109. 6803f.: Der Vogel Charadrios (vulg.lat.: caladrius), der Regenpfeifer, gilt seit dem Altertum als Vogel, der die Kranken besucht. Der Physiologus (ca. 200 n. Chr.) schreibt über ihn: "Und wenn jemand krank wird, dann erkannt man mit seiner Hilfe, ob der Kranke sterben wird oder gesund wird. Man bringt ihn nämlich zu dem Kranken und setzt ihn vor diesen auf das Bett hin; ist nun die Krankheit des Menschen zum Tode, dann wendet der Regenpfeifer sein Gesicht von dem Kranken ab, und alle erkennen, dass er stirbt. Ist aber die Krnakheit des Menschen zum Leben, dann schaut der Regenpfeifer unverwandt nach dem Kranken, und der Kranke nach dem Regenpfeifer, und dieser öffnet seinen Schnabel über des Menschen Mund und trinkt die Krankheit in sich hinein und fährt hoch zur Sonne und verbrennt dessen Unkraft und macht sie zunichte und der Kranke genest." In: Der Physiologus. Tiere und ihre Symbolik, Zürich (6.Aufl.) 1992, S.8f. [Bild] 6815-17: Der Mönch Daosheng (335-434) soll vor einer Gruppe von Steinen über die Buddhanatur gepredigt haben. Er fragte die Steine, ob die Ungläubigen Buddhanatur besässen, worauf die Steine zustimmend mit den Köpfen nickten.Vgl. Sebastian Gault, Der verschleierte Geist. Zen Betrachtungen des chinesischen Mönchs-Philosophen Zibo Zhenke, Bern 2003, S.118. 6818: Brief an Titus 1,15: "Dem Reinen ist alles rein." 6825-43: Papst Johannes Paul II. besucht am 6. Juni 2004 Bern. 6844-46: Umkehrung eines Zitats von Niklas Luhmann, der sagt, dass wir nicht sehen, was wir nicht sehen, weil wir sehen, was wir sehen. In: Bernd Lutz, Die grossen Philosophen des 20. Jahrhunderts, München (dtv) 1999, S.287. 6846-48: Vgl. 1 Samuel 16,23. 6856-64: Jean Améry (1912-1978), Jenseits von Schuld und Sühne. Bewältigungsversuche eine Überwältigten, München 1966, S.51f.: "Doch bin ich sicher, dass er schon beim ersten Schlag, der auf ihn niedergeht, etwas einbüsst, was wir vielleicht vorläufig das Weltvertrauen nennen wollen." 6865-68: Imre Kertesz spricht von der nicht erfolgten Katharsis nach Auschwitz, davon dass eine solche auch institutionell hätte erfolgen können. In diesem Zusammenhang erwähnt er die Metapher "Lamm". In: Radio DRS 2, Passage 2, 11.06.04. 6869-72: Niklas Luhmann; zitiert in: Religion und Gesellschaft. Texte zur Religionssoziologie, hg. von Karl Gabriel und Hans R. Reuter, Stuttgart 2004, S.27f. 6878: "Ich bin niemand, niemand." Fernando Pessoa, Livro do Dessassogeo (Buch der Unruhe), Lisboa 2004 (4.Aufl.), [Nr.:] 262 (1.12.1931). 6880: "Hier kommt jedermann." Vgl. James Joyce, Finnigans Wake (1939): Der Satz ist eine mögliche Aufschlüsselung des abgekürzten Namens der Hauptfigur H.C.E. (Humphrey Chimpden Earwicker). 6882: Instrumente aus dem Alten Testament: nevel = Harfe, kinnor = Zither od. Lyra. 6913-17:
[Bild] Lorenzo Lotto: Magnum Chaos, Intarsiatur in der Basilika Santa
Maria Maggiore in Bergamo (1526-1527). 6920-24: "Wie wahnsinnig! Meine Gedanken wirbeln in den Wolken / ganz zart fühle ich vier Zungen in meinem Mund." Antonio Burciaga. In: NZZ 19./20.6.2004, S. 69: Andreas Essl, Das dritte Land. (Zur Literatur an der amerik.-mex. Grenze). 6941-45: Vgl. Plotinus, Enneaden V 1,6: [Über die Entstehung des Seienden aus dem Einen:] ".... so wie der Glanz der Sonne der sie gleichsam umspielt, der ständig aus ihr geboren wird, wobei sie aber beharrt. Alle seienden Dinge lassen so, solange sie Bestand haben, aus ihrem Wesen notwendig ein Existentes zur Wirklichkeit werden, welches aussen um sie liegt und abhängt von der Gegenwart ihrer Kraft, als ein Abbild gleichsam der Urbilder, aus denen es hervorwuchs: das Feuer die von ihm ausstrahlende Wärme; auch der Schnee verschliesst die Kälte nicht nur in seinem Innern; vorzüglich bezeugen das alle wohlriechenden Stoffe, denn solange sie da sind, strömt ein Etwas ringsum aus ihnen hervor ...." In: Plotins Schriften, übers. von Richard Harder, Bd. 1, Hamburg 1956, S.223f. - von dieser Stelle spricht auch Emmanuel Lévinas in: ders., Wenn Gott ins Denken einfällt, München 1985, S.229. 6946f.: Platon, Timaios 36e. Vgl. auch: Giovanni Pico della Mirandola (1463-1494), Kommentar zu einem Lied der Liebe ["Canzona d'Amore" von Girolamo Benivieni], hg. von Thorsten Bürklin, Hamburg 2001, S. 205. 6956-6960: "Das Formlose" (L'informe) ist ein zentraler Begriff bei Georges Bataille und taucht wohl zum ersten Mal im Text Le Cheval académique (in: "Documents", No. 1 [1929], S. 31) auf. Siehe auch:
Kritisches Wörterbuch. Beiträge von Georges Batailles, Carl Einstein, Marcel Griaule, Michel Leiris u.a., hg. und übersetzt von Rainer Maria Kiesow und Henning Schmidgen, Berlin 2005, S. 44f. oder
Encyclopaedia Acephalica, comprising the Critical Dictionary & related texts, ed. by Georges Bataille, and the
Ecyclopaedia da Costa, ed. by Robert Lebel and Isabelle Waldberg, London 1995, S. 51f. Zum Thema: Ive-Alain Bois et Rosalind E. Krauss,
Formless. A user’s guide [L’informe. Mode d’emploi], New York 1999 (uspr. erschienen als Katalog zur Ausstellung im Centre Georges Pompidou, 1996), S. 18 und S. 258: Anm. 19. Zum chinesischen Hintergrund der Thematik: François Jullien,
Das grosse Bild hat keine Form, München 2005 (z.B. S. 36); der Titel ist ein Lao-tse Zitat (aus
Tao-Tê-King, Kp. 41). 6961f.: Vgl. dazu Giovanni Battista Piranesi (1720-1778), der auf seinen (2000) Radierungen die Fortsetzung der Architektur in den römischen Ruinen durch die Natur zeigt. 6974-76: Vgl. Maxim Gorki, Aus Langeweile, in: ders., Meisternovellen, Zürich 1959, S.172-201. – Marcel Proust, A la recherche du temps perdu (Bd. I: In Swanns Welt, S.227): „Von Langeweile bedrückt hob sich von Zeit zu Zeit ein ängstlich schnappender Karpfen aus dem Wasser.“ 6986-7000: Marcel Proust, A la recherche du temps perdu (Bd. I: In Swanns Welt, S.237-240): „An einer Wegbiegung hatte ich auf einmal jenes besondere Lustgefühl, das keinem anderen glich, beim Anblick der beiden Kirchtürme von Martinville, auf denen der Widerschein der sinkenden Sonne lag und die infolge der Wagenbewegung und der Windung der Strasse den Platz zu wechseln schienen; .... dass ich von einer Art von Rausch erfasst, an nichts anderes dachte.“ (239f.) * 7027-32:
vgl. Der Spiegel, Nr. 36 (2003), S. 128f.: Olaf Stampf: Feuerwerk
der Hypertsterne. 7043-53: vgl. Jürg Kollbrunner, Psychodynamik des Stotterns, Stuttgart 2004, S. 6ff. (bes. S. 9). 7051:
"Zorn": Homer, Ilias (1.Gesang, Z.1): „Singe den Zorn, o Göttin
...“ 7055-64:
Matsumo Bashô wird (vielleicht fälschlicherweise) folgendes Haiku,
entstanden beim Anblick von Matsushima (Bucht der Kieferniseln),
zugeschrieben:“Matsushima ya / Aha Matsushima ya / Matsushima ya“.
Vgl. dazu auch: Bashô, Auf schmalen Pfaden durchs Hinterland
(1689), Mainz 1985, Kap. 27 (S.153-155). 7066:
vgl. "Religion" abgeleitet von lat."relegere" =
"sorgfältig sein". 7070f.:
Bretonisches Sprichwort: "Ohne Gestern, ohne Morgen ist das Heute
nichts wert." 7074-80:
In der Commedia dell'Arte ist eine der Figuren "Tartaglia",
der Stotterer, der. mit grosser blauer Brille auftritt. 7081-91:
Vgl. Niklas Luhmann, Vom Sinn religiöser Kommunikation, in: Religion
und Gesellschaft, hg. von K. Gabriel u. H.-R. Reuter, Paderborn
2004, S. 180-194. 7094:
"unmarked space": Begriff aus der Sozial- und
Medienwissenschaft. 7129-31: Grüner Strahl: eine bestimmte Form der Lichtbrechung bei der untergehenden Sonne. 7135-39: Herodot, Historien IV 184. 7147-7151: Mong Dsï [Menzius], Die Lehrgespräche des Meisters Meng k’o, aus dem Chinesischen übertragen und erläutert von Richard Wilhelm, Köln 1982, Buch II, A 6 (S. 74): „Wenn Menschen zum erstenmal ein Kind erblicken, das im Begriff ist, auf einen Brunnen zuzugehen, so regt sich in aller Herzen Furcht und Mitleid.“ 7152: Sören Kierkegaard: „Der Helfer ist die Hilfe.“ [Quelle ???]. Vgl. auch: "Die Hilfe beginnt mit der Demütigung des Helfers" 7158f.: Jean Paul, Religion als politischer Hebel (in: Museum, V. Sedez-Aufsätze, 3.Lfg.): „... bauet in Italien mehre Kirchen wegen der fürchterlichen Hitze.“ (Was sich als ironische Empfehlung an diejenigen richtet, die Religion zu Politik umfunktionieren.) 7183-88: Zibo Zhenke, in: Sebastian Gault, Der verschleierte Geist. Zen Betrachtungen des chinesischen Mönchs-Philosophen Zibo Zhenke, Bern 2003, Kap. 69, S.188f. 7208-16: In alten Valserhäusern findet sich eine kleine Öffnung in der Stuben- oder Seitenkammerwand (der „Seelabalgga“). Diese wurde nach dem Tod einer Person geöffnet, damit die Seele entweichen konnte, aber alsbald auch wieder gut verschlossen, um dem Toten die Rückkehr zu den Lebenden als Wiedergänger zu verunmöglichen. 7236-38: Emily Dickinson (aus einem Brief vom 26. September 1870): „Wenn ich ein Buch lese [und] dabei mein ganzer Körper so kalt wird, dass kein Feuer mich wärmen kann, weiss ich, das ist Dichtung. Wenn ich körperlich das Gefühl habe, als würde mir der Schädel entfernt, weiss ich, das ist Dichtung. Nur auf diese Weise kann ich es wissen. Gibt es eine andere?“ 7252-59: Textur = Gewebe. Konkret ist hier an die fernöstliche (z.B. indonesische) Web- und Färbtradition des sog. Doppelikat gedacht. 7260: „Gesamtabenteuer“: Titel einer Sammlung mittelhochdeutscher Texte aus dem 12.-14. Jh. Vgl. Gesamtabenteuer. Hundert altdeutsche Erzählungen, hg. von Friedrich Heinrich von der Hagen, Darmstadt, (1850) 1961. 7267-7270: Michel Leiris, Phantom Afrika. Tagebuch einer Expedition von Dakar nach Djibouti 1931-1933, 2. Teil (Ethnologische Schriften Bd.4) Frankfurt, 1985, S.200. 7271-7276: George Spencer-Brown, Laws of Form, N.Y. 1979, S.XXIX: „Mathematics is a way of saying less and less about more and more.” 7280-7288: Michel Leiris, a.a.O., S. 33. – Vgl. auch Hans Staden, Brasilien. Die wahrhaftige Historie der wilden, nackten, grimmigen Menschenfresser-Leute [1548-1555], Stuttgart 1984, S. 228. 7290-7294: Dies eine der Grundthesen von Claude Lévy-Strauss. 7320f.: Die lange Zunge Buddhas ist eines seiner 32 Erkennungsmerkmale. Sie versinnbildlicht die Glaubwürdigkeit seiner Worte und weist hin auf die Gegenwärtigkeit des Absoluten in den Sinneserfahrungen. 7332: Dukha (Leiden), die erste der vier Wahrheiten des Buddha. 7344-46: Michel Foucault, Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften, Frankfurt 1971, S.462 (Schluss): „Wenn diese Dispositionen [des Wissens] verschwinden, so wie sie erschienen sind ... dann kann man sehr wohl wetten, dass der Mensch verschwindet wie am Meeresufer ein Gesich im Sand.“ 7348f.: Vgl. Herodot, Historien II 24 : So erklärt sich Herodot den ungewöhnlichen Rhythmus der Überflutungen des Nils. 7366: „er denkt an Granada“: Metapher für tiefe Melancholie. Theophile Gautier, Voyage en Espagne, Paris (1940) 1945, S.240: "... lorsque nous avons l'air absorbé dans une mélancolie profonde, nous appliquer le dicton arabe: Il pense à Grenade." 7389f.: Zitiert nach: Giuseppe Tomasi di Lampedusa, Der Leopard (Il Gatopardo), München 1975, S.11. 7393-96: Einige von Vermeer verwendete Pigmente. Vgl. EducETH: Chemie und Kunst: Pigmente und Gemälde (www.educeth.ch/chemie/pigmente) 7417-21: Niklas Luhmann, Vom Sinn religiöser Kommunikation, in: Religion und Gesellschaft. Texte zur Religionssoziologie, hg. von Karl Gabriel und Hans-Richter Reuter, Paderborn 2004, S.186, Anm.7. 7432-34: So die Gladiatoren in der Nacht vor den Kämpfen. Vgl. Aline Rousselle,
Croire et guérir, Paris 1990, S.93: "Le plomb passaient ... pour calmer les ardeurs sexuelles: les gladiateurs et les spotifs plaçaient des lamelles de plomb sur leurs sexe dans les nuits qui précédaient les combats ..." 7459-62:
Bibel, Zürich 1525 (gedruckt von Christoph Froschauer). 7490: "Animal Symbolicum", ein v.a. durch Ernst Cassirer geprägter Begriff. Vgl. Ernst Cassirer, Versuch über den Menschen. Einführung in eine Philosophie der Kultur, (1944), Frankfurt a.M. 1990, S.51. 7498: Breton, Stéphane, Tuer, manger, payer. L'alliance monétaire des Wodani de Papouasie occidentale, in: L'homme. Paris. - No.162(2002), S. 197-232. 7448f.: Marcel Proust, A la recherche du temps perdu (Bd.I: In Swanns Welt, S. 403f.): "Vielleicht ist das Nichts das Wahre, und all unser Träumen hat kein wirkliches Sein ...." 7503: Vgl. das entsprechende Ritual bei den Moki-Indianern: Aby M. Warburg, Schlangenritual. Ein Reisebericht (1923) Berlin 1988. S.41-43. 7518: Transverberation (Durchbohrung): Bergriff aus der christlichen Mystik. Vgl. z.B. Teresa von Avila. Zum Thema: Stigmata. Poetiken der Körperinschrift, hg. von Bettine Menke ... [et al.], München 2004. 7520-23: Santa Teresa de Jesús, Libro de la vida (1562-65; publ. 1585), cap. XXIX,13, hg. Dámaso Chicharro, Madrid 1979, 352f.: "No es dolor corporal sino espiritual, aunque no deja de participar el cuerpo algo, y aun harto." 7530-33: Biblisches zum Wahrsagen: In Ezechiel 21,26 schüttelt der König von Baal an der Wegscheide die Pfeile; Joseph (Genesis 44,5.15) kann Wahrsagen aus einem Weinbecher. Das entsprechende hebräische Wort (nachasch) heisst auch Schlange. 7536-7541: Vgl. Ex 33,23. Hier eine Art Umkehrung des Bildes: Es ist nicht mehr der Mensch (=Moses) der die Gottheit nur von hinten sehen kann, sondern die Gottheit (als Text und Wort) befindet sich hinter mir, überfällt mich allenfalls noch hinterrücks. 7580-88: Text bezieht sich auf das Bild Olympia (1863) von Édouard Manet (Musée d'Orsay, Paris). 7603-12: Carel Fabritius (1622-1654): Het Puttertje (Der Distelfink, carduelis carduelis), 1654, Mauritshuis, Den Haag. Der Maler stirbt 1654 bei der Explosion des Pulvermagazins von Delft. 7635ff.: Dieser Textabschnitt bezieht sich z.T. auf: Bronislaw Malinowski, Argonauten des westlichen Pazifik, 2. Aufl., Eschborn bei Frankfurt a/M, 2001; bes. zur Herstellung der Kanus, S.142ff. 7702-06: Orlando di Lasso (1532-1594): Lagrime di San Pietro, 7-stimmiges Madrigal, beendet sechs Wochen vor dem Tod; Text: Luigi Tansillo (-1568). 7773-76: Vgl. Dokumentarfilm von Stéphane Breton: Le ciel dans un jardin, 65 min. (Bretons letzte Reise zu den Wodani im Hochland von West-Neuguinea). 7804: "Stille Stille", Titel einer Gedichtsammlung von Xiao Kaiyu, übersetzt von Raffael Keller, Petershagen – Wiepersdorf 1999. 7803-07: Vgl. Rudolf Steiner, «1km3», 16mm-Film-Loop, 1999. (Ein Pilot "tanzt" seinen Kunstflug vor seinem Flugzeug bevor er ihn fliegt.) – „Andere, die für das Flugwesen schwärmen [...] können in Gesellschaft eines Fliegers, der gerade nicht in den Lüften schwebt, den Ablauf der Bewegungen eines Piloten verfolgen, der seine Loopings ausführt ...“ Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (Bd. III: Guermantes), hg. von Luzius Keller, Frankfurt a.M. 2004, S. 561f. 7826-28: In China wurden Eilbotschaften während des Krieges mit Federn gekennzeichnet. 7835f.: vgl. Anm. zu Z.7290-94. 7838: "Blütenkelchmauern": Begriff aus dem Gedicht (Herbst, VI) von Du Fu (8.Jh.). In: Du Fu, Gedichte, aus dem Chinesischen übersetzt und kommentiert von Raffael Keller, Mainz 2009, S. 112. 7852: der "Schrei der Seide": Ausdruck für das knisternde Geräusch der Seide, wenn sie von den Händlern prüfend angefasst wird. (vgl. franz. "craquer"). Hier verwendet als Metapher für den konkreten Geburtsvorgang. 7864f.: "Ohne Sonne schweige ich", florentinischer Ausspruch. 7868-7871: Kuhhirt und Weberin heißen in China die beiden sich in der Milchstraße gegenüberstehenden Sterne Vega und Atair. Sie sind als Paar Hauptfiguren in einem beliebten chinesischen Mythos. Vgl. Kommentar zum Gedicht Herbst (VII) von Du Fu (8.Jh.), in: Du Fu, Gedichte, aus dem Chinesischen übersetzt und kommentiert von Raffael Keller, Mainz 2009, S. 189. 7875f.: Vgl. Giotto (1267-1337), Die Anbetung der Könige, (Scrovegnikapelle, Padua). Der Stern von Bethlehem erschein zum ersten Mal in der Malerei als Komet. 7905-7909: [Bild] Vittore Carpaccio: Vision des Heiligen Augustinus (1502). Vgl. auch Z. 6198-6204. – Franz Kafka: "Ein Pudel! Das kann ein Hund, aber auch ein Zeichen sein." In: Gustav Janouch, Gespräche mit Kafka. Aufzeichnungen und Erinnerungen, Frankfurt a.M. 1968, S. 160. 7913: Augustinus, Confessiones XI,11: "... aut manus oris mei per loquellas agit tam grandem rem?" (Oder vollbringt die Hand meines Mundes mit ihrem Geschwätz ein so ungeheures Werk?) 7917: Vgl. die im Hebräischen fast homophonen Wörter "Landvermesser" ("einer der misst") und "Messias", worauf W. G. Sebald aufmerksam macht in seinem Aufsatz: Das Gesetz der Schande – Macht, Messianismus und Exil in Kafkas Schloss (in: Unheimliche Heimat : Essays zur österreichischen Literatur, Frankfurt 1995, S.93.) 7933-36: Gans oder Schwan in Grabkammer. (Die Grabkammer liegt bei Kertch auf der Krim, 2. Hälfte 1. - Anfang 2. Jh. n.Chr.) In: M.I. Rostovseff: La peinture décorative antique en Russie méridionale, Saint-Pétersbourg 1913-1914. 7989ff.: Marcel Proust, A la recherche du temps perdu (Bd.I: In Swanns Welt, S.115): "Sobald ich einen Gegenstand ausserhalb von mir wahrnahm, stellte sich das Bewusstsein, dass ich ihn sah, trennend zwischen mich und ihn und umgab ihn rings mit einer geistigen Schicht, die mich hinderte, seine Substanz unmittelbar zu berühren; vielmehr verflüchtigte diese sich jedesmal, wenn ich den direkten Kontakt damit suchte ...." * 8009-15: [Bild:] Lavinia Fontana: Portrait von Antonietta Gonsalus (Gonzales), um 1594, Château de Blois, Musée des Beaux-Arts. Vgl. dazu: Roberto Zapperi, Der wilde Mann von Teneriffa. Die wundersame Geschichte des Pedro Gonzalez und seiner Kinder, München 2004. 8016: Mantis religiosa = Gottesanbeterin. Vgl. dazu J.H. Favre [1823-1915], Bilder aus der Insektenwelt [Souvenirs Entomologiques], 1. bis 4. Reihe, Stuttgart 1908-1914. 8028-35: Notker Labeo ("der Grosslippige"), um 950-1022, wirkte im Kloster St. Gallen als Leiter der Bibliothek und der Klosterschule und als erster deutscher "Sprachwissenschaftler" (Übersetzungen ins Althochdeutsche, Regeln zur Rechtschreibung, "notkersches Anlautgesetz"). Starb an der Pest. Angesprochene Anekdote in: Johannes Duft, "Kostbar ist der Tod". Tröstliche Geschichten vom Sterben im mittelalterlichen Galluskloster, St. Gallen 2002, S. 82-85.. 8040-45: [Bild] Francisco José de Goya (1746-1828): El sueño de la razón produce monstros [Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer], Los Caprichos [Einfälle], 1797/98. . 8048: Gedichtzeile aus dem Gedicht The Chariot (Nr.712, 1863) von Emily Dickinson (1830-1886): " Because I could not stop for Death, / He kindly stopped for me; / ..." 8077f.: Psalm 91,13: "Super aspidem et basiliscum ambulabis." ("Über Schlangen und Basilisken wirst du schreiten.") 8088-90: "Un rayon blanc, tombant du haut du ciel, anéantit cette comédie." Aus dem Prosagedicht Les ponts von Arthur Rimbaud; in: ders., Illuminations / Illuminationen, [1872-76], übersetzt von Rainer G. Schmidt, Wien (Urs Engeler Editor) 2004, S.100. - "la comédie magnétique" in: Parade von Arthur Rimbaud, a.a.O. S.86. 8095-8101: [Bild] Vgl. Albrecht Dürer: Büssender Heiliger Hieronymus (1494-97); auf der Rückseite dieses Gemäldes die rätselhafte Darstellung eines Kometen am Nachthimmel; vielleicht ein Hinweis auf den "Donnerstein von Ensisheim", der als Meteorit am 7.11.1492 niederging und grosses Aufsehen erregte. 8105-12: Zu den totemistischen Einschränkungen an geheiligten Wasserstellen vgl. Claude Lévi-Strauss, Das wilde Denken, Frankfurt a/M 1968, S.136. 8148-8150: Aus dem Gedicht-Zyklus Berufsgeheimnisse von Anna Achmatowa: „Was sollen mir der Oden endloses Heer […] Und wüssten Sie, wie ohne jede Scham / Gedichte wachsen, und aus welchem Müll!“ In: Dies., Gedichte, russisch und deutsch, Frankfurt a. M. 1988, S. 88-90. 8154-56: Das Buch Genesis 16,14: "Deshalb nannte sie [Hagar] den Brunnen 'Brunnen des Lebenden, der nach mir schaut' (Beer-Lachai-Roi). Er liegt zwischen Kadesch und Bared." 8157f.: Verszeile aus: Giacomo Leopardi (1798-1839): Il Sabbato del Villagio, in: ders., Gesänge, Dialoge und andere Lehrstücke, Zibaldone, Zürich 1998, S.178. 8169-71: Anspielung auf Lucrez, De rerum natura, Lib III, v.876-883. Vgl. auch Michel de Montaigne, Essais, I,3 (Unsere Leidenschaften überleben uns), Zürich 1992, S.21. 8186: Igantius [von Antiochien],
An die Römer 3,3: "Nichts Sichtbares ist gut (Ouden phainomenon kalon)." 8227: Das Evangelium nach Johannes 19,30. 8228f.: "Sammler des nächtlichen Bodens" = jap. Ausdruck für den Latrinenreiniger. 8254-63: Marcus Annaeus Lucanus (39-65 n.Chr.), Bellum civile sive Pharsalia, Lib. III, v. 362f.: "ventus ut amittit vires, nisi robore densae / occurrunt silvae, spatio diffusus inani ..." ("Wie der Sturmwind seine Kraft verliert, wenn kein dichter Wald ihm Widerstand leistet, und er sich im leeren Raum totläuft ..."). 8277-82: Vgl. Claude Lévi-Strauss, Traurige Tropen (1955), Frankfurt (st), 8. Aufl. 1991, Schluss (412f.), wo L. dem verlorenen Traum nach vormenschlichem Einssein melancholisch deprimeirt Ausdruck verleiht. 8296: Das Buch Genesis 49,26: "Deines Vaters Segen übertrifft / den Segen der uralten Berge, / den man von den ewigen Hügeln ersehnt ..." 8300-05: Honoré de Balzac, Le Chef-d'oeuvre inconnu (1832). 8306-08: Das Evangelium nach Lukas 8,52: "Sie [die Tochter des Jairus] ist nicht gestorben, sie schläft nur." 8323-30: Rabban Yussuf Busnaya, nestorianischer Mystiker (869-979): In der Verwandlung des Geistes geschieht Folgendes: "Der Leib wird mystisch subtil und tritt an die Stelle der Seele, diese an die Stelle der Intelligenz, diese an die Stelle des Geistes und der Geist wird zu Gott, mehr noch, der Geist ist wirklich Gott und der Leib, die Seele und die Intelligenz, dienen ihm." Jean Bar-Kaldoun, Vie du moine Rabban Youssef Bousnaya (écrite par son disciple Jean Bar-Kaldoun), trad. du syr. par J.-B. Chabot, in: Revue de l’Orient Chrétien, 5e vol. (1900), S. 124 ("Il en est ainsi: le corps devient mystiquement subtil et remplace l’âme ; l’âme remplace l’intelligence, l’intelligence remplace l’esprit et l’esprit devient Dieu, bien plus, il est Dieu véritablement, et le corps, l’âme, l’intelligence le servent.") 8355f.: Giacomo Leopardi: Dialog zwischen Friedrich Ruysch [1638-1731] und seinen Mumien, in: ders,. Gesänge, Dialoge und andere Lehrstücke, Zibaldone, Zürich 1998, S.385: "Was ist denn der Tod, wenn er nicht Schmerz ist?" – Toter: "Am ehesten ein Lustgefühl." 8357-60: Vgl. die Bedeutung des Namens Gottes in der Kabbala. (Gershom Scholem,
Ursprung und Anfänge der Kabbala, Berlin, 2. Aufl., Berlin 2001; z.B. bei Isaak dem Blinden, 13. Jh., S. 219ff, bes. S.244.) 8414-16: Giacinto Scelsi, ital. Komponist, 1905-1988, "Ttai" (1953), Suite für Piano Nr. 9. 8418-21: Giacomo Leopardi, Gesänge, Dialoge und andere Lehrstücke, Zibaldone, Zürich 1998, S.531: "Was aber tat sie [die Natur], damit ihre [der Vögel] Stimme auch gut vernommen werde? Sie gab ihnen Flügel, damit ihr Gesang aus der Höhe komme und sich weithin verbreite." S. auch a.a.O. "Lob der Vögel", S. 417-423. 8424f.: "Balkol" [hebr. "von
allem", s.a. Z.8428!]: Im Talmud
(Baba Bathra 16b) wird die Diskussion von Mischna-Lehrern aus dem 2. Jh. über Gen 24,1 ("Und Gott segnete Abraham mit Allem") erwähnt, wobei einige "Bakol" als Abrahams Tochter identifizieren, allegorisch aber mit der Schekhina, der letzten göttlichen Kraft gleichsetzen. Vgl. Gershom Scholem, Ursprung und Anfänge der Kabbala, 2. Aufl., Berlin 2001, S.77-78. 8441: "Gilgul" hebr. Begriff für Seelenwanderung/Wiedergeburt. (Vgl. ללג = rollen, wälzen, לגלג = Rad, Räderwerk. Das Thema taucht vor allem in der Kabbala auf.) 8453-59: Curzio Malaparte erzählt diese Episode aus dem 2. Weltkrieg in seinem Roman Kaputt (1951), Frankfurt 1979, S.76f. 8481-83: Nach einer kabbalistischen Lehre entstand die Sprache aus dem hebräischen Buchstaben Jod. Gershom Scholem, Ursprung und Anfänge der Kabbala, 2. Aufl., Berlin 2001, S.294: "In einem kühnen Symbol, das von der Schreibung des hebräischen Buchstaben Jod ausgeht , wird aus den Schwingen des Jod ... die Sprachwelt geboren. Es wird als 'der sprudelnde Quell' der Sprachbewegung dargestellt, die, nachdem sie sich ins Unendliche differenziert und verzweigt hat, wieder in ihr Zentrum und zu ihrem Ursprung zurückkehrt." 8498: "Nicht verrückt, nicht vorgetäuscht, vielleicht Wolken, vielleicht Stein." Text auf dem Bild von Ni Yuanlu (1694-1644): "Wolke-Wasser-Stein". (Hängerolle, Tusche auf Seide, The Metropolitan Museum of Art, N.Y.) In: Wolkenbilder. Die Erfindung des Himmels, hg. von Stephan Kunz, Johannes Stückelberger, Beat Wismer, Aargauer Kunsthaus, München 2005, S.13f. 8499f.: Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (Bd.V: Die Gefangene), hg. von Luzius Keller (Frankfurter Ausgabe II.6), Frankfurt 2000, [À la recherche du temps perdu. La Prisonnière] S.258: "Dass Träume sich nicht verwirklichen lassen, ist uns wohl bekannt; ohne das physische Verlangen würden wir vielleicht überhaupt keine haben, und. es ist von Nutzen, Träume in sich zu gestalten, damit man sie scheitern sieht und aus ihrem Scheitern lernt." 8543f. William Shakespeare, Hamlet, III,2 (Polonius im Gespräch mit Hamlet). (Hamlet: Do you see yonder cloud that's almost in shape of a camel? – Polonius: By th' mass and 'its, like a camel indeed. – Hamlet: Methinks it is like a weasel. – Polonius: It is backed like a weasel. – Hamlet: Or like a whale. – Polonius: Very like a whale.) 8549: Joseph Beuys (1921-1986) stellt diese Frage auf dem gleichnamigen Bild von 1981, Farboffset auf Zeitungspapier, 49x64 cm; Bild: 36,7x52 cm; Hg.: Press-art, Magazin der Basler Zeitung, Basel. Dieser Druck entstand aus dem Aquarell "Rote Wolke" von 1956. 8563: William Rider, wird 1564 als erster Strumpfstricker von England erwähnt. 8568-70: Julius Caesar, De bello Gallico, 7,84,5: "omnia enim plerumque, quae absunt, vehementius hominum mentes perturbant." (Das Entfernte wirkt nämlich meist mit heftigerer Störung auf das menschliche Herz.) 8597-8604: Yukio Mishima: "In literature, death is held in check yet at the same time used as a driving force ...; literature is an imperishable flower. And an imperishable flower, of course, is an artificial flower." ("In der Literatur wird der Tod in Schach gehalten und zugleich als Antriebskraft genutzt .... Literatur züchtet eine unsterbliche Blume. Und eine unsterbliche Blume ist natürlich eine künstliche Blume.") Ders., Sun and Steel [Taiyô to tetsu] Tokyo 2003, S.50. (Vgl.: Kai van Eikels, Das Denken der Hand. Japanische Techniken, Bern 2004, S. 222.) 8609: Altocumulus floccus = Bezeichnung für hochliegende, kleine flockige Wolken. [Bild] 8615-19: Vgl. Tertullian (ca. 160-225), Über die Auferstehung des Fleisches, 42: "Es steht fest, dass nicht nur die Knochen fortbestehen, sondern auch die Zähne unzerstört bleiben, welche wie Samen aufbehalten werden, um bei der Auferstehung des Körpers zu grünen." (CCSL 2,976; Übers. T. Heimerl); in: Theresia Heimerl, Das Wort gewordene Fleisch. Die Textualisiserung des Körpers in Patristik, Gnosis und Manichäismus, Frankfurt 2003, S.158. Vgl. 13674-13677. 8638-46: Augustinus, De civitate Dei, XIV,24. [Bild: "Sowjetischer Soldat mit Pferd", aus: Willi Rose, Shadows of War. A German Soldier's Lost Photographs of World War II, ed. by Thomas Eller,. N.Y. 2004, S.157. [Anspielung auf Augustinus, der über den Verlust des menschlichen Vermögens schreibt, den Leib willentlich zu beherrschen.] 8649-56: Vgl. die wunderbaren Beschreibungen atmosphärischer Erscheinungen bei: Albert Heim, Luft-Farben, Zürich 1912, z.B. S.60ff. 8672-74: Das Hohelied 1,6. (Canticum Canticorum 1,5: Nolite me considerare quod fusca sim, quia decoloravit me sol.) 8702-06: Vgl. He Wei (1077-1145), Chunzhu jiwen ("Vom Hörensagen an der Frühlingssandbank"). Das legendäre Singmädchen Su Xiaoxiao ("kleine Su") aus dem 5. Jh. begegnet im Traum Sima Caizhong (11.Jh.); dieser starb als seine Lustbarke, die er mit einer Geliebten bestiegen hatte, Feuer fing. In: Wolkenbilder. Die Erfindung des Himmels, hg. von Stephan Kunz, Johannes Stückelberger, Beat Wismer, Aargauer Kunsthaus, München 2005, S.55f. 8707-8711: Valéry Paul, Eupalinos oder Der Architekt, eingel. durch Die Seele und der Tanz, übertragen von Rainer Maria Rilke, Frankfurt 1991. (Eupalinos ou l'Architecte, précédé de l'Ame et la Danse, 1923): (Phaidros:) "Ich verirre mich in langen Wartezeiten; ich finde mich wieder in Überraschungen, die ich mir selbst bereite..." (S.55). 8719: Hangzhou (früher Quiatang), die Stadt aus der Su Xiaoxiao stammte, heute eine Grossstadt mit 6 Mio. Einwohnern. 8720-32: Vgl. Gibbon Sengai (1750-1837), der mit Bild und Text ("Kyōgen kehrt den Boden") auf eine Episode des Zenmönchs (Kyōgen/Hsiang-yen, gest. 898) hinweist, der zur Erleuchtung kam, als beim Kehren des Bodens ein Kieselstein einen Bambusstengel traf. (In: Daisetz T. Suszuki, Der Zen-Meister Sengai, hg. von Eva von Hoboden, Köln 1985, S.111.) Von Hsiang-yen stammt auch der Satz: "Der Weg wird durch das eigene innere Erwachen verwirklicht; das ist nicht abhängig von Worten. Seht euch das Unsichtbare und Grenzenlose an, wo gäbe es da eine Lücke?" (In: Lexikon der östlichen Weisheiten, Bern 1986.) Vgl. auch das 5. Beispiel in Mumonkan. Die Schranke ohne Tor [Wu-men-kuan], hg. von Heinrich Dumoulin, Mainz 1975, S.50. 8750-52: Paul Valéry , Eupalinos oder Der Architekt, eingel. durch Die Seele und der Tanz, übertragen von Rainer Maria Rilke, Frankfurt 1991. (Eupalinos ou l'Architecte, précédé de l'Ame et la Danse, 1923): (Sokrates:) "Dieses, lieber Phaidros, ist das Wichtigste: keine Geometrie ohne Worte. Ohne Worte sind die Figuren blosse Vorfälle." (S.77) 8764-67: Höre: Gavin Bryars: The Sinking of the Titanic (1972). 8768f.: Inschrift (rätorom.) in über dem Chor der kleinen Kapelle von Mompé-Tujetsch (GR) 1646. 8783: "Desertinas": alte Bezeichnung für die Ortschaft Disentis. 8828-30: Vgl. Der erste Brief an die Korinther 13,12 ("Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels, dann aber werde ich völlig erkennen, wie ich auch völlig erkannt worden bin.") 8834-37: "nemo" (lat.) = niemand; (arch. ne-hemo). Little Nemo in Slumberland: berühmte Comix-Serie von Winsor McCay, die 1905-1913 in der Tageszeitung New York Herald erschien. [Bild vom 26. Juli 1908.] 8838-40: Susan Sontag verwendet diese Formulierung in Das Leiden anderer betrachten (München 2003, S. 30) in Bezug auf das berühmte Foto von Robert Capa aus dem Spanischen Bürgerkrieg. 8842-48: Daniil Charms, Zwischenfälle, hg. von Lola Debüser, München 2003, Nr. 21 (S.42): "Begegnung: Eines Tages ging ein Mann zur Arbeit, und unterwegs begegnete er einem andern Mann, der ein polnisches Weissbrot gekauft hatte und auf dem Heimweg war. Das ist eigentlich alles." 8858-64: Bildtitel aus dem Zyklus Los Desastres de la Guerra von Francisco de Goya (1746-1828). "Man kann gar nicht hinsehen" [Bild] – "Das ist schlimmer" – "Das ist zuviel!" – "Welcher Wahnsinn" – "Ich habe das gesehen". 8877: Die Überlebenden der Atombombenabwürfe von 1945 (Hiroshima und Nagasaki) werden Hibakusha ("explosionsgeschädigte Personen") genannt. Von der Gesellschaft stigmatisiert bleibt ihnen oft nur der Versuch, durch ihre Berichte das Unsagbare vor dem Vergessen zu bewahren. 8888-99: Vgl. Daniil Charms,
Brief an K.W. Pugatschowa (16.10.1933): "Ich habe angefangen, die Welt in Ordnung zu bringen und da ist die Kunst erschienen." (S.272) – "Alles Wohlbehaltene ist mir verdächtig." (S.274) und
Begegnung: "Eines Tages ging ein Mann zur Arbeit, und unterwegs begegnete er einem andern Mann, der ein polnisches Weissbrot gekauft hatte und auf dem Heimweg war. Das ist eigentlich alles." (S.42) In: ders.,
Zwischenfälle, hg. von Lola Debüser, München 2003. 8920-22: Michel de Montaigne, Essais, I,19 ("Dass Philosophiren sterben lernen heisse"), Dt. Ausg. Zürich 1992, Bd.1, S.113: "Die viehische Sorglosigkeit..." 8946-54: Talmud, Tractat: Taanit 7a; in: Irun R. Cohen, Regen und Auferstehung. Talmud und Naturwissenschaft im Dialog mit der Welt, Göttingen 2005, S. 34. 8962-8965: [Bild] Vgl. das chinesische Zeichen jian (etwas optisch wahrnehmen), das auch "xian" gelesen werden kann und dann "etwas zeigt sich" heisst. Sebastian Gault, Der verschleierte Geist. Zen Betrachtungen des chinesischen Mönchs-Philosophen Zibo Zhenke, Bern 2003, Kap. 59, S.332. 8988-9000: Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (Bd.I: Unterwegs zu Swann), hg. von Luzius Keller (Frankfurter Ausgabe II.1), Frankfurt 2000, [À la recherche du temps perdu. Du coté de chez Swann] S.553: "Unter den Zimmern, deren Bild ich am häufigsten in meinen schlaflosen Nächten heraufbeschwor, glich keines weniger den Zimmern von Combray und dem Duft ihrer körnigen, mir Blütenstaub überstreuten, essbarn und frommen Atmosphäre als das im Grand Hôtel de la Plage zu Balbec, dessen lackierte Wände – ähnlich den glatten Seitenflächen eines Schwimmbeckens, in dem das Wasser bläulich ist – eine reine , azurne und salzige Luft umschloss." * 9010-9026: Vgl. Adalbert Stifter, Nachgelassene Blätter, in: ders., Die Mappe meines Urgrossvaters. Schilderungen. Briefe, München 1986, S. 602-604. 9033-9036: Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (Bd.I: Unterwegs zu Swann), hg. von Luzius Keller (Frankfurter Ausgabe II.1), Frankfurt 1994, [À la recherche du temps perdu. Du coté de chez Swann] S. 249: „Von Langeweile bedrückt hob sich von Zeit zu Zeit ein gierig nach Luft schnappender Karpfen aus dem Wasser.“ 9055-9064: Vgl. Anmerkung Z. 8323-8330; a.a.O. S. 178f. 9072-9098: Im Hinterhof der grossen Synagoge in Budapest (an der Dohány utca) befindet sich eine Nischenwand mit eingravierten Namen und je einer kleinen Nische mit hingelegten Steinen. 9106-9121: Auf den Radierungen von Giovanni Battista Piranesi (1720-1778), die so oft Ruinen und Trümmer antiker Gebäude und Anlagen zeigen, tauchen immer wieder – oft kaum wahrnehmbar kleine – Figuren auf. Andererseits hat Piranesi auch geometrisch höchst präzise Planzeichnungen angefertigt (z.B. mit dem Titel: „Ostium, sive Emissarium Cloacae Maximae in Tiberium“). Vgl auch Anm. und Bild zu Z. 6961. 9133f.: Lied aus der „Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht und Kurt Weil. 9140f.: Gebrüder Grimm, Frau Trude. 9142-9148: Mittelung in der "Budapester Zeitung" 7 (2005) Nr. 38, S. 11. 9153: Yoko Ono: Play it by trust, 1986-87, Ludwig Múzeum Budapest. (Ein Schachbrett mit Figuren auf einem Tisch, jedoch alles in Weiss.) 9169-9177: Li Yü (1611-1680), Über Essen und Trinken; in: Sinn und Form, 57 (2005) H. 3, S. 366 [Von den Pilzen]: "Es ist wohl der Hauch von Bergen und Strömen, Gräsern und Bäumen, der sich zusammenballt und Gestalt annimmt. Doch es ist eine Gestalt ohne Körper. Von allen Dingen, die einen Körper haben, bleiben Rückstände; was ohne Rückstände ist, hat keinen Körper. Was aber keinen Körper hat, ist nichts als Hauch." 9197: "So gut als ich kann": Wahlspruch von Jan van Eyck (um 1390-1441), der seine Bilder auch so signierte. 9202-9208: Adalbert Stifter, Der Kuss von Sentze, in: Erzählungen (Adalbert Stifter, Werke und Briefe, historisch-kritische Gesamtausgabe, Bd. 3,2, Stuttgart 2003, S. 162 u. 167). 9212f.: "Meine Gedanken und mein Verstand gehen nur tappend, wankend, strauchelnd, und stolpernd. Wenn ich so weit gekommen bin, als es mir möglich gewesen ist: so habe ich doch mir selbst nicht einmal genüge gethan. Ich sehe noch weiter vorwärts Land: aber nicht deutlich; und in einer Wolke, die ich nicht zertheilen kann." Michel de Montaigne, Essais, 1.Buch, 25. Hauptstück: Von Erziehung der Kinder ... Zürich 1992, S.239. 9214: Das ungarische Wort "honfibu" ist kaum zu übersetzten und meint etwas wie "Heimatkummer". 9227-9229: Vgl. Picatrix. Das Ziel des Weisen von Pseudo-Mağrīţī; translated into German from the Arabic by Hellmut Ritter and Martin Plessner. London 1962, S. 323. (Dieses umfangreiche Werk zur magischen Praxis u.a. aus dem Umfeld des arabischen Hermetismus entstand in der Spätantike.) 9237-9240: Vgl. die Argonautensage aus der griechischen Mythologie: Das nach dem Schiffsbauer Argos benannte Schiff erhielt von Athene ein Stück Holz von der heiligen Eiche in Dodona eingefügt, das sprechen konnte. 9285-9289: So verabschiedeten sich die Wotjaken von ihren Alten und Ahnen. In: Fritz W. Kramer, Schriften zur Ethnologie, hg. von Tobias Rees, Frankfurt a.M. 2005, S. 350. 9292: Der Bitterfluss umfliesst die Welt. Vgl. Babylonische Weltkarte aus dem 6. Jh. v. Chr. in: Klaus E. Müller, Geschichte der antiken Ethnologie, Hamburg 1997, S. 15. [Bild] 9318-9322: John Cage, Silence (1954), London 1968, "Lecture on Nothing", S. 109. (Eine dt. Übersetzung der Vorträge unter dem Titel Silence hat Ernst Jandl verfasst.) 9326-9329: Die semitische Beduinengruppe MAR.TU, die um 2065-1955 v. Chr. nach Mesopotamien vordrang, wurde in babylonischen Quellen als Barbaren verachtet, "die keine Häuser kennen, die keine Städte kennen ... die Trüffeln am Rande des Hochlandes ausgraben, das Knie nicht zu beugen wissen, rohes Fleisch essen, zeitlebens kein Haus haben und nach ihrem Tode nicht richtig bestattet werden". Zitiert nach: Klaus E. Müller, Geschichte der antiken Ethnologie, Hamburg 1997, S. 17. 9330-9333: Cornelius Tacitus, Germania, c. 46: "Bei den Fennen ist ihre Tierhaftigkeit (feritas) absonderlich, abstossend ihre Dürftigkeit (paupertas) ... sorglos gegenüber Menschen, sorglos gegenüber Göttern, haben sie das Schwerste erreicht: ganz ohne jeden Wunsch auszukommen." Zitiert aus: Klaus E. Müller, a.a.O., S. 430. 9353-9356: "somnia, terrores magicos, miracula, sagas, / nocturnos lemures, portentaque Thessala rides?" ("Lächelst du über Träume, magische Schrecken und Wunder, / Hexen, nächtlichen Spuk, thessalische Zaubergestalten?") In: Horaz [65-8 v. Chr.], Epistulae/Briefe [und] De arte poetica/Von der Dichtkunst, lateinisch-deutsch, übers. von Gerd Herrmann; hrsg. von Gerhard Fink, Düsseldorf 2003. Liber II, Epistula 2, v. 208.209. 9360-9362: Bartolomé de las Casas, Kurzgefasster Bericht von der Verwüstung der Westindischen Länder; hrsg. von Hans Magnus Enzensberger, Frankfurt a.M. 1981. 9364-9378: Adalbert Stifter beschreibt Winter und Kälte an verschiedenen Stellen, z.B. in
Der Bergkristall [Kinder verlaufen sich auf dem Gletscher], Die Mappe meines Urgrossvaters [Eisregen],
Aus dem Bayrischen Wald [Schneesturm]. -
"fürchterliche Wendung der Dinge". In: ders., Der Granit
(Bunte Steine [1853], Stuttgart 1994, S.23). 9395: Titel einer Arbeit von Peter Fischli und David Weiss: "Eine unerledigte Arbeit/An unsettled work" 1987-2005 (Diaprojektion). [Bild] 9415-9417: Topos: die (jungfräuliche) Göttin-Mutter stillt ihren Sohn (Isis-Horus, Maria-Jesus etc.). Vgl. dazu Joseph-François Lafitau, Die Sitten der amrikanischen Wilden im Vergleich zu den Sitten der Frühzeit (1752), Leipzig 1987, Kupfer XII, S. 113. [Bild] 9430-9432: Liu Zongyuan (773-819): "Selbst habe ich auch ein paar Dutzend Stücke geschrieben, doch mein Herz ist krank und den Worten mangelt es an Ordnung. Sie sind nicht wert, in die Ferne geschickt zu werden, und dienen nur dazu, meinen Kummer zu zerstreuen." In: ders., Am törichten Bach. Prosa und Gedichte, übersetzt aus dem Chinesischen von Raffael Keller, Friedenauer Presse Berlin, 2005, S. 26. 9435-9444: Paraphrasierte Textstücke aus der Apokalypse des lat. Asclepius, c. 25. In: Das Corpus Hermeticum Deutsch, Teil 1: Die griechischen Traktate und der lateinische 'Asclepius' übers. und eingel. von Jens Holzhausen, (Clavis Pansophiae Bd. 7,1), Stuttgart-Bad Cannstatt 1997, S. 289f. 9467f.: Carl von Linné (1707-1778), der schwedische Naturforscher, schuf die erste umfassende Pflanzensystematik (Systama naturae, 1735) auf Grundlage seiner Erkenntnis von der Geschlechtlichkeit der Pflanzen: "Amor unit plantas" (Sponsalia plantarum, 1746). [Bild] 9472-9476: Prophetiae Sibyllarum von Orlando di Lasso, 1532-1594. Aus dem Prolog: "Carmina chromatico ...." und aus der Sibylla Libyca: "Ecce dies venient quo aeternus tempore princeps irradians sata laeta ..." 9477-9483: Isabella Bird, Unbeaten Tracks in Japan (1880), Letter
XXXVII (Continued): "... they have a thick soup made from a
putty-like clay which is found in one or two of the valleys. This is
boiled wih the bulb of a wild lily ... In the north, a valley where
this earth is found is called Tsie-toi-nai, literally
'eat-earth-valley'." (Dt. Ausgabe: Unbetretene Pfade in Japan,
Wien 1990, S. 286.) 9496-9500: Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (Bd. I: Unterweg zu Swann), hg. von Luzius Keller (Frankfurter Ausgabe II.1), Frankfurt 2000, [À la recherche du temps perdu. Du côté de chez Swann] S. 68: "Er [der Geist] steht vor einem Etwas, das noch nicht ist, das nur er wirklich werden lassen und dann in sein eigenes Licht rücken kann." 9508-9512: Michel de Montaigne (1533-1592): "Einer fragte einmal einen Bettler, den er im härtesten Winter im blossen Hemde fand, und der eben so lustig war, als einer, der bis über die Ohren in Pelzwerk steckt, wie er es aushalten könnte. 'Sie, mein Herr', gab er zur Antwort, 'gehen ja auch mit dem Gesichte bloss; und ich bin nichts als Gesichte.'" Essais, I.35 (Von der Gewohnheit Kleider zu tragen), Zürich 1992, Bd. 1, S. 406. 9513-9519: Die Hundsrose (Rosa
canina), duftet nach Moschus; nach Nelken und Quark duftet die Scabrosa, nach Zitronen und Mandeln die Celsiana und nach Zitrone und Meer die Alba Rose. 9550: Quintilianus, Institutio Oratoria, Lib X. c.7: "Rarum est enim ut satis se quisque vereatur." ("Es ist nämlich etwas Seltenes, dass man Scheu genug vor sich selbst hat.") 9577-9583: William Blake (1757-1827), The Marriage of Heaven and Hell: "... we held by the roots of trees and hung over this immensity"; "If the doors of perception were cleansed every thing would appear to man as it is, infinite"; "at an immense distance, was the sun, black but shining", in: ders., Zwischen Feuer und Feuer. München 2003, S. 232, 228, 234. 9597-9602: Der Riesenpilz Armillaria bulbosa (Hallimasch), vielleicht der grösste lebende Organismus der Erde, kann eine Fläche von 30 ha bedecken und bis zu 100 Tonnen wiegen. 9603-9607: Augustinus, De trinitate Lib. XIV: "sed commemoratur ut conuertatur ad dominum, tamquam ad eam lucem qua etiam cum ab illo auerteretur quodam modo tangebatur." ("Aber daran wird er gemahnt, dass er sich zum Herrn wende, wie zu dem Licht, von dem er auch, als er sich von ihn abwandte, in einer gewissen Weise berührt wurde.") 9608-9613: Venedikt Erofeev, Moskau – Petuški. Ein Poem [1970], Zürich 2005, S. 153. 9614: "Er [der Glaubensritter] hat in unendlicher Resignation auf alles verzichtet, und dann hat er alles wieder ergriffen in kraft des Absurden. Er macht ständig die Bewegung der Unendlichkeit, aber er tut es mit solch einer Richtigkeit und Sicherheit, dass er ständig die Endlichkeit herausbekommt ..." Sören Kierkegaard, Furcht und Zittern [Johannes de Silentio, Frygt og Baeven, Kopenhagen 1843], Düsseldorf 1950. (Gesammelte Werke, 4. Abtl.), S. 40. 9617-9619: Erofeev, a.a.O. S.136: "Die Sonne war untergegangen, ich aber ging noch immer." Vgl. auch Z.9569-9671. – Vgl. auch Kierkegaard, a.a.O., S. 141: "<Man muss weiter gehen; man muss weiter gehen.> Dieser Drang, weiter zu gehen, ist alt in der Welt." 9633-9635: Als Elmsfeuer wird eine Funkenentladung an hohen Gegenständen vor Gewittern bezeichnet, z.B. an Schiffsmasten; der Name leitet sich her vom Heiligen Erasmus, dem Schutzpatron der Seeleute und Seereisenden. 9639-9648: Maria Magdalena, die erste Zeugin des leeren Grabes (Markusevangelium 16,6), begegnet Jesu (Johannesevangelium 20,15-17), wird von diesem jedoch daran gehindert, ihn zu berühren ("noli me tangere"). Die Legende (11. Jh.) berichtet, dass sie später in der Provence in einer Grotte während 30 Jahren als Asketin lebte, nackt, nur mit einem Fell bekleidet und ohne Nahrung zu sich zu nehmen. Täglich wurde sie während 7 Stunden von Engeln in den Himmel entrückt, um die Lobgesänge der Himmlischen Heerscharen zu hören. [Bild] 9649: "Vogelgespräche" [Manteq ot-Teyr]: Topos aus der persischen Sufiliteratur, welcher den Aufstieg der Seele (= Vogel) des Mystikers schildert. Vgl. Farīd ad-Dīn Attār, Vogelgespräche und andere klassische Texte, vorgestellt von Annemarie Schimmel, München 1999. 9670: E.M. Cioran, Gevierteilt [Ecartèlement, 1979], Frankfurt a.M. 1982, S. 166: "Der Mensch ist unannehmbar." 9681f.: Sándor Márai, Tagebücher [Napló] 1984-1989, München/Zürich 2002, S. 133: "Die Wirklichkeit ist der obszön grinsende Tod." 9684-9686: Epiktet (ca.55-135), Handbüchlein der Moral [Enchiridion], c. 5: "Nicht die Dinge selbst beunruhigen den Menschen, sondern ihre Meinungen über sie." 9702-9707: Vgl. Augustinus, Confessiones [Bekenntnisse] X,11. 9714: Scipio Slataper, Mein Karst, Klagenfurt 1988, S. 86f.: "Ich hatte das Bedürfnis nach Felsen und Unfruchtbarkeit." 9720-9726: Vergil (70-19 v.Chr.), Aeneis, 6. Gesang (Vers 135ff.): Äneas besucht bei Cumä die Sybille Deïphobe, die von ihm zum Gang in die Unterwelt (wo sein Vater ihm die Zukunft voraussagen soll) einen goldenen Zeig fordert. Zwei Tauben (Vögel seiner Mutter Venus) führen ihn zum Baum, wo er den Zweig findet und damit in die Unterwelt gelangt. 9727: Hans Urs von Balthasar, Eschatologie in unserer Zeit. Die letzten Dinge des Menschen und das Christentum, Einsiedeln 2005, S. 98: "Das Christentum allein ist die Religion, in welcher das Diesseits ewig ist." 9729-9732: Ein Häuptling der Digger-Indianer zur Ethnologin Ruth Benedict (1887-1948): "Zu Anbeginn gab Gott jedem Volk eine Schale, eine tönerne Trinkschale, und aus dieser Schale tranken sie ihr Leben." In: Ruth Benedict, Urformen der Kultur [Patterns of Life, 1934], Hamburg 1955, S. 21. 9772-9776: Textangleichung an Stellen in: Thüring von Ringoltingen, Melusine [1456], in der Fassung des Buchs der Liebe (1587), Stuttgart (Reclam) 1991, S. 69-72. 9795-9798: Nāgārjuna (2./3.Jh.): "So ist also [jede] Ansicht, die sich auf die Vergangenheit bezieht ... falsch." In: Bernhard Weber-Brosamer, [und] Dieter M. Back, Die Philosophie der Leere. Nāgārjunas Mūlamadhyamaka-Kārikās, Übersetzung des buddhistischen Basistextes mit kommentierenden Einführungen, Wiesbaden 2005, S.107. 9805: Pokholz (Guajakbaum): von Westindien im 16. Jh. nach Europa eingeführtes Hartholz (spezifisches Gewicht ca. 1,4!). Vermeintliches Heilmittel gegen Pocken und Venusseuche (Syphilis). 9816: Zeile aus dem Gedicht "The Raven" von Edgar Allan Poe (1845). 9823-9835: Zu den Begriffen "Begierde", "fliegend", "hart", "Stachel" vgl. auch Jacob Böhme, Mysterium Magnum, oder Erklärung über das erste Buch Mosis (1623), c. 3, 14.-16. In: ders., Sämtliche Schriften, hg. von W.E. Peuckert, Bd.7, Stuttgart 1958. [Faksimile-Neudruck der Ausg. von 1730] 9832: "Bezoar": Bezoarsteine, in der Veterinärmedizin als pathalogische Gastrolithen bezeichnet, sind eine Art verkrustete Steinkugeln aus verfilzten Haaren oder Pflanzenfasern, die sich in den Verdauungsorganen von Wiederkäuern bilden. Früher äusserst wertvoll, als Heilmittel oder Schmuckstück verwendet. [Bild] 9887f.: Vgl. Psalm 121,1. 9894-9899: "Te Lapa", nennen die Polynesier das Phänomen der ca. 2m unter der Wasseroberfläche auftretenden Lichtblitze, die ihnen nachts (v.a. bei bedecktem Himmel) zur Navigation dienen. Deren Richtung weist auf die nächste Insel, jedoch verschwindet das Funkeln langsam, je näher man dem Land kommt. Vgl. David Lewis, We, the navigators. The ancient art of landfinding in the Pacific, Honolulu (University of Hawaii Press) 1994, S. 252-255. Vgl. Elija am Horeb, Das Buch der Könige 19, 11-13. 9948-9951: Vgl. die Versuchung des Heiligen Antonios. Athanasius, Vita Antonii [ca. 357], hg. von Adolf Gottfried, Graz 1987, c. 5, 8 und 9. [Bild] 9952-9956: Motiv des trockenen Stabs, der zu grünen beginnt als Erweis des Auserwähltseins, z.B. bei den Wüstenvätern (Johannes Kolobos 1). In: Weisung der Väter. Apophthegmata Patrum, auch Gerontikon oder Alphabeticum genannt, übersetzt von Bonifaz Miller, Trier 1986, S. 115. 9984-10'000: Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (Bd. I: Unterweg zu Swann), hg. von Luzius Keller (Frankfurter Ausgabe II.1), Frankfurt 2000, [À la recherche du temps perdu. Du côté de chez Swann] S. 70. * 10001: Jiddisch: "Gedenkt unser". 10006-10009: Émile Durkheim, L'individualisme et les intellectuels (1898): " Cette personne humaine ... est considérée comme sacrée, au sens rituel du mot pour ainsi dire. Elle a quelque chose de cette majesté transcendante que les Églises de tous les temps prêtent à leurs Dieux ; on la conçoit comme investie de cette propriété mystérieuse qui fait le vide autour des choses saintes, qui les soustrait aux contacts vulgaires et les retire de la circulation commune." In: Revue bleu, 4e série, t. X, 1898, S. 7-13. 10015: Melancholia lupina (Wolfskrankheit); vgl dazu: Jean Clair, Aut deus aut daemon. Die Melancholie und die Wolfskrankheit, in: Melancholie. Genie und Wahnsinn in der Kunst, hg. von Jean Clair, Ostfildern-Ruit 2005, S. 118-125. 10041-10050: Samuel Beckett, Molloy [1951], Paris 1988: "Ramener le silence, c'est le rôle des objets." (S. 16) – "Des objets en voie de disparition c'est bien à l'avance que je détourne mes regards." (S. 14). 10082-10084: These von Claude Lévi-Strauss. Vgl. z.B. in: Das wilde Denken [La pensée sauvage, 1962], Frankfurt a.M. 1968, S. 27. 10088: Dies irae (lat.): "Tag des Zorns", Hymnus vom Jüngsten Gericht; mit diesen Worten beginnt die Sequenz der Totenmesse. 10090: "Spur":
Jacques Derrida, Die Stimme und das Phänomen. Ein Essay über das
Problem des Zeichens in der Philosophie Husserls (1967), Frankfurt
a.M. 1979, S. 142: "Denn die Ursprünglichkeit muss von der Spur
her und nicht umgekehrt gedacht werden. Diese Ur-Schrift ist am
Ursprung des Sinns am Werk." 10103: Seit der Antike bekannter Toppos: Die Tränen Heraklits, das Lachen Demokrits. 10107: Leonardo da Vinci, Trattato della Pittura. 10109: Die schwarze Galle (atra bilis) galt früher als Sitz und Ursprung der Melancholie. (Atramentum = schwarze Flüssigkeit, Tinte.) 10112-10118 [Bild]: Vgl. Leonardo da Vinci: Sinnender Greis und Wasserstudien, Tuschzeichnung, um 1513. (Windsor Castle, Royal Library, London) 10124-10131: Herodot, Historien VII, 140: Das Orakel von Delphi verkündet den Athenern (im ersten Spruch) Unglück im Kampf gegen Xerxes. 10132-10136: a.a.O. VII, 45f. 10146-10148: Zeilen aus dem Gedicht "Sorrow Stay" von John Dowland (um 1600). 10162: Katibo: imaginäres Land, für welches Donald Evans (1945-1977) Briefmarken hergestellt hat. Das Wort wird in Surinam verwendet für einen Schwarzen (Sklaven), der sich selbst befreit hat. Vgl. The World of Donald Evans, Text by Willy Eisenhart, Amsterdam 1980, S. 82-89. [Bild] 10202-10205: Anspielung auf den indischen Gott Vishnu (traditionellerweise mit blauem Leib dargestellt) und den Propheten Jona (im Fischbauch). [Vgl. auch Z.5330ff.] 10222: Kant schreibt von sich an Lavater als von einem "der kein Mittel kennt, was in dem letzten Augenblicke des Lebens Stich hält, als die reineste Aufrichtigkeit in Ansehung der verborgensten Gesinnungen des Herzens und der es mit Hiob vor ein Verbrechen hält Gott zu schmeicheln und innere Bekenntnisse zu thun, welche vielleicht die Furcht erzwungen hat und womit das Gemüth nicht in freyem Glauben zusammenstimmt." Immanuel Kant, Brief an Johann Caspar Lavater vom 28.04.1775; in: Immanuel Kants Werke, hg. v. Ernst Cassirer, Bd. IX (Briefe von und an Kant), Berlin 1918, S. 139. 10224-10228: Vgl. die frühjüdische Lehre von den Gottesnamen als "Versuch einer Überwindung des personalistischen Gottesbegriffs ..." Das Wort als Laut ist die Kraft des Gemeinten selbst und nicht bloss ein stellvertretendes, zufälliges Zeichen. Karl Erich Grözinger, Jüdisches Denken. Theologie – Philosophie – Mystik, Bd. 1, Frankfurt a. M. 2004, S. 341-345. 10229-10233: Ein ägyptischer Grundsatz besagt, dass "ein Mann lebt, wenn sein Name genannt wird". Jan Assmann, Tod und Jenseits im Alten Ägypten, München 2001, S. 73. 10234-10246: Ab dem 12. Jh. wurden Mumien als Wunderheilmittel (mumia aegyptica) nach Europa eingeführt, aber auch pulverisiert und als Farbpigment in der Malerei verwendet. Die Farbe (Mumie, Mumienbraun, Momie, Mumia vera) diente zur lasierenden Untermalung und ergab einen warmen braunen Ton, der u.a. zum Schattieren verwendet wurde, und war noch bis anfangs des 20. Jh. erhältlich. Vgl. u.a. Antje Majewski, Im Mumienland, in: Der Freund, Nr. 8 (2006), S. 8-16. 10248: Benedictus (Baruch) de Spinoza, Ethik [Ethica, ordine geometrico demonstrata; 1677] II, Lehrsatz 1: "Das Denken ist ein Attribut Gottes, oder Gott ist ein denkendes Ding [res cogitans]." 10249-10252: Vgl. Das Buch Exodus 15,27. 10254: Atra bilis (lat) = schwarze Galle (Melancholie); "atramentum" heisst u.a. auch "Tinte". 110260-10268: Die Geschichten vom Ba'al Schem Tov, Teil 1, hg. von Karl Erich Grözinger, [H 53], Wiesbaden 1997, S. 46. 10280: Margareta Porete (um 1250-1310), Begine, die wegen ihrer mystischen Schrift "Le mirouer des simples ames anienties et qui seulement demourent en vouloir et desir d'amour" (= "Spiegel der einfachen, vernichteten Seelen, die nur im Wunsch und in der Sehnsucht nach Liebe verharren", um 1296) als rückfällige Ketzerin auf dem Place de Grève in Paris verbrannt wurde. Vgl. dies., Der Spiegel der einfachen Seelen. Wege der Frauenmystik, Zürich 1987. 10284-10289: Vgl. Clifford Geertz, der Religion als kulturelles Symbolsystem deutet (wobei diese "model of reality" und gleichzeitig "model for reality" ist). Franz P. Burkard, Anthropologie der Religion. E.B. Tylor, B. Malinowski, C. Lévi-Strauss, C. Geertz, Dettelbach 2005. 10297: "ultimi barbarorum" stand auf einem Blatt, das Spinoza an der Stelle der Ermordung der Brüder de Witt (1672), die ihn jahrelang schützten, anbringen wollte. So berichtet Leibniz in den Erinnerungen an seinen Besuch bei Spinoza 1676. Theun de Vries, Baruch de Spinoza, Reinbek bei Hamburg 1990, S. 127. 10314-10316: Le Sadhuzag: ein von Flaubert erfundenes Fabeltier ("Un grand cerf noir, à tête de taureau, qui porte entre les oreilles un buisson de cornes blanches.") Gustave Flaubert, La tentation de Saint-Antoine [1874], Paris 1967, S. 245f. 10324: "Das Wissen kommt auf und tritt ein." Dieter Henrich, Versuch über Kunst und Leben, München 2001, S. 33. 10339f.: Die ästhetische Schönheit der Wellen- resp. Schlangenlinie (figura serpentinata) wird vom berühmten Kupferstecher William Hogarth (1697-1764) in seinem Werk The analysis of beauty ausführlich analysiert. Dieses Werk und die beschriebene "Schönheitslinie" ("line of beauty and grace") wird schon von dessen Zeitgenosse Laurence Sterne (1713-1768) in seinem Roman Tristram Shandy humorvoll persifliert (vgl. z.B. 2. Buch, Kp. 6, 9 und 17). Auf Hogarth und seine Linienanalyse macht Christian Gottfried Körner in einem Brief vom 18.01.1793 auch Schiller aufmerksam. 10346-10356: Ausschnitt aus dem ältesten überlieferten Text eines Alpsegens. In: M.A. Cappellerius [Moritz Anton Cappeler], Pilati Montis Historia in Pago Lucernensi Helvetiae siti, Basel 1767, S. 11. Vgl. auch Brigitte Bachmann-Geiser, Der Betruf in den Schweizer Alpen, in: Culture alpines / Alpine Kulturen, Geschichte der Alpen 11 (2006), S. 27-36. Vgl. Z. 2127-2146 und 13878-13886. 10357-10359: Matsuo Bashô (1644-1694): "Tritt nicht in die Fussstapfen der alten Meister, doch suche, was sie suchten." 10380-10384: Zur Vorstellung des Weltalls als gewaltiges Lichtbildarchiv vgl. F. Y. [Felix Eberty], Die Gestirne und die Weltgeschichte. Gedanken über Raum, Zeit und Ewigkeit, Breslau 1846 und 1847. Von den unzähligen Rezeptionsbeispielen (bis zu Albert Einstein) seien erwähnt: George Wells, The Time Machine (1895), dessen Übersetzung ins Französische 1899 erschien, die wiederum Proust verwertete z.B. ganz am Anfang seines Werkes Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (Bd. I: Unterweg zu Swann). 10396-10398: Paul Cézanne, Über die Kunst, Gespräche mit Gasquet und Briefe, hrsg. von Walter Hess, Hamburg 1957, S. 10: "... die gesehene Natur, die empfundene Natur, die dort draussen (er deutet auf die grüne und blaue Ebene) und die hier drinnen (er schlägt sich an die Stirn), beide müssen sich durchdringen, um zu dauern, zu leben, ein halb menschliches, halb göttliches Leben, das Leben der Kunst, hören Sie – das Leben Gottes. Die Landschaft spiegelt sich, vermenschlicht sich, denkt sich in mir." 10409-10411: Vgl. dazu den von Wilhelm Furtwängler (1886-1954) geprägten Begriff des "Fernhörens" (die Fähigkeit einen Grundton in einer musikalischen Folge nicht aus dem Gehör zu verlieren), der sich seinerseits auf den Wiener Musiktheoretiker Heinrich Schenker (1868-1935) bezieht. 10414-10420: Gustave Flaubert, La tentation de Saint-Antoine [1874], Paris 1967, S. 65: [Die Königin von Saba zu Antonius] "Ce tissu mince, qui craque sous les doigts avec un bruit d'étincelles, est la fameuse toile jaune apportée par les marchands de la Bactriane. Il leur faut quarante-trois interprètes dans leur voyage." 10421-10426: Vgl. Otto Baensch, Kunst und Gefühl; in: Logos, Internationale Zeitschrift für Philosophie und Kultur, Bd. 12 (1923/24), S. 1-28, hier S. 2f. 10446-10451: Der ungarische Dichter jüdischer Abstammung Miklós Radnóti (1909-1944) wurde während eines Gewaltmarschs zusammen mit andern Leidensgenossen durch Genickschuss ermordet. 10476-10500: Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (Bd. I: Unterweg zu Swann), hg. von Luzius Keller (Frankfurter Ausgabe II.1), Frankfurt 2004, S. 7-11. (Mit „longtemps je me suis couché de bonne heure“ beginnt das Romanwerk.) 10503-10505: Marcus Manilius, Astronomica,
4,118: „Hoc quoque fatale est, sic ipsum expendere fatum.“ („Selbst die Art, das Schicksal zu betrachten, ist eine Wirkung des
Schicksals“). In: M. Manilii, Astronomica, ed. George P. Goold, Leipzig 1985, S. 85. 10540: Buchtitel: Pierre Bourdieu, Das Elend der Welt, Paris 1993. 10540-1543: In der Bachkantate Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe (BWV 25) beginnt das Rezitativ mit: „Die ganze Welt ist nur ein Hospital ...“ 10549-10551: Im hinduistischen Kontext gilt dagegen die Anweisung alleine zu tanzen, weil es sein könnte, dass einer der toten Ahnen mit uns tanzen möchte. 10574: Anspielung auf den Anfang des berühmten Hörspiels Under Milkwood von Dylan Thomas: „To begin at the beginning: it is spring, moonless night …” – Und natürlich: “Im Anfang war das Wort …” (Evangelium nach Johannes 1,1). 10582: Homer, Ilias, (Anfangszeile): „Singe den Zorn, o Göttin, des Peleiaden Achilleus ...“ 10606: Bezeichnung der italienschen Anarchisten im 19. Jh. 10640-10643: An der Front des Tempels von Delphi war ein E angebracht (das übrigens auch auf
Münzen aus dem 2. Jh. zu sehen
ist). Von den Spekulationen über die Bedeutung dieses Buchstabens handelt Plutarch in
Über das E in Delphi. Wenn E als altertümliche Orthographie für ei gedeutet wird (c.5), kann es als „ob“, resp. „wenn doch“ gelesen werden, also als wichtiger Wortteil der an das Orakel gerichteten Fragen. 10656-10664: Vgl. Psalm 139,4-6.12 (in der Übersetzung von Martin Buber). 10674-10679: Vgl. folgenden Buchtitel: Sixtus Agricola und Georg Witmerus, Erschröckliche, gantz wahrhafftige Geschicht welche sich mit Apolonia, Hannsen Geisslbrechts Burgers zu Spalt inn dem Eystätter Bisstum Haussfrawen, so den 20. Octobris, anno 82 von dem bösen Feind gar hart besessen und doch den 24. gedachts Monats widerumb durch Gottes gnädige Hilff auss solcher grossen Pein und Marter entledigt worden, verlauffen hat ... Ingolstatt 1584. In: Cécile Ernst, Teufelaustreibungen. Die Praxis der katholischen Kirche im 16. und 17. Jahrhundert, Bern 1972, S. 81ff. 10695-10699: Häftling Nr. 4935 [Ludwik Fleck ?], Über die Goethe-Eiche im Lager Buchenwald, erschienen im November 1945 in Lublin (vgl. NZZ, 4./5. November 2006, Nr. 257, S. 69); Joseph Roth, Die Eiche Goethes in Buchenwald, in: ders., Werke, Köln 1975-1976, Bd. IV, S. 704f. 10717-10721: Pelagonius Salonius verfasste im 4. Jh.
n. Chr. eine lateinische Tierheilkunde (Ars veterinaria) u.a.
mit Hinweisen zu den Ursachen und der Behandlung von Lähmungen bei
Pferden. Vgl. Pelagonii Ars veterinaria, ed. Klaus-Dietrich Fischer, Leipzig 1980, S. 70f. 10728-10733: Giacomo Leopardi, Zibaldone:
" Es gibt kein menschliches Unglück, das nicht noch wachsen könnte.
Wohl aber gibt es eine Grenze für das, was man Glück nennt. ....
Niemand kann sich in Wahrheit rühmen oder schmähen: noch unglücklicher
als er jetzt sei, könne er nicht mehr werden." In: ders., Gesänge,
Dialoge und andere Lehrstücke, Zibaldone, übersetz von
Hanno Helbling und Alice Vollenweider, Zürich 1998, S. 652f. 10755-10776: Albert Sonderegger, Missgeburten und Wundergestalten in Eindruckblättern und Handzeichnungen des 16. Jahrhunderts, Zürich 1927, (Zürcher medizingeschichtliche Abhandlungen, XII), S. 45. Hier wird der Fall eines Holoacardius acephalus beschrieben, eine Geburt, die sich "anno 1569 um Wienacht" zugetragen hat. (Sonderegger bezieht sich auf die sog. Wickiana, die von Johann Jakob Wick geschaffenen 24 Foliobände aus den Jahren 1560-1587, die sich in der Zentralbibliothek Zürich befinden.) 10784: Vgl. die Beschreibung der Kleider von Madame Swann in: Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (Bd. II: Im Schatten junger Mädchenblüte), hg. von Luzius Keller (Frankfurter Ausgabe II.2), Frankfurt 2004, S. 277-279. 10800-10806: "Der Bischof verordnete Bäder mit 'gregorianischem Wasser'. Bei dieser intensiven Behandlung fuhren 'unzählige' Teufel aus, wobei die Nonne viel Blut verlor und unter schrecklichem Gestank Haarkugeln und Würmer aus Mund und Nase traten." [Zur Teufelsaustreibung der Besessenen Jeanne Féry, 1584/85; in:] Cécile Ernst, Teufelaustreibungen. Die Praxis der katholischen Kirche im 16. und 17. Jahrhundert, Bern 1972, S. 69. ("gregorianisches Wasser": Wasser, das geweihte Substanzen enthält, z.B. pulverisierte Dochte geweihter Kerzen, Abgekratztes von den Grabsteinen der Heiligen, Ausbrühwasser von Reliquien.) 10807-10811: Descartes schrieb am 22. Februar 1649 an Prinzessin Elisabeth von Böhmen, die während einer Erkrankung die Neigung verspürte, Verse zu machen: "Et je crois que cette humeur de faire des vers, vient d'une forte agitation des esprits animaux, qui pourrait entièrement troubler l'imagination de ceux qui n'ont pas le cerveau bien rassis, mais qui ne fait qu'échauffer un peu plus les fermes, et les disposer à la poésie." In: Descartes, Œuvres et Lettres, Paris 1953, S. 1321. 10824-10826: Pindar, Fragment 70b: "Rasen und Schreien bricht los in ¦ Nackenwerfendem Taumel; ..." (Dithyrambos = Hymnos zu Ehren des Gottes Dionysos.) In: Karl Arno Pfeiff, Pindar. Übertragung, Einführung und Erläuterungen, Tübingen 1997, S. 181. 10831-10835: Heraklit, Fragment 98: "Die Seelen im Hades atmen Geruch ein (und nähren sich von der ätherischen Ausdünstung)." 10853-11855: Lukrez, De rerum natura, V, 122: "immortalia mortali sermone notantes …" ("sie [die Giganten], die mit vergänglichem Gerede Unvergängliches bezeichneten ...") 10862-10864: Boethius, De consolatione philosophiae, IV, carm. 5: "Cedat inscitiae nubilus error, Cessent profecto mira videri." ("weicht der Unwissenheit nebliger Irrtum, Wird es wahrlich nicht wunderbar scheinen.") 10877-10880: Maurice Merleau-Ponty, Phänomenologie der Wahrnehmung, Berlin 1966, S. 376f.: "Dunkel wusste ich schon, dass meine ganze Wahrnehmung den Weg durch den Blick nahm und auf ihn sich stützte, der Kiesel erschien mir in vollem Licht vor dem dichten Schatten der Organe meines Leibes." 10920-10924: Vgl. Psalm 139,4.12. (Vgl. auch Z. 10656-10664.) 10926: In der Zeit des Barock taucht der Begriff "Carmen infinitum" im Zusammenhang mit sogenannten Textmaschinen auf. Diese ermöglichen textpermutative Gedichte in unzähligen Variationen zu lesen. 10928-10930: „Die Unendlichkeit ist mithin so alles, dass sie nichts von allem ist.“ Nikolaus von Kues, De visione Dei. Das Sehen Gottes, Deutsche Übersetzung von Helmut Pfeiffer, Trier, 2007, Kp. 13 (Nr.55). 10949-10952: Die jüdischen Feiertage Rosch Haschana und Jom Kippur werden "Tage des Erschauerns" genannt. Am jüdischen Neujahrstag (Rosch Haschana, "Tag des Schmetterns") wird im Gottesdienst nach jeder Huldigung des gnädigen Gottes das Schofar (Widderhorn) geblasen. Vgl. Nigune Magenza. Jüdische liturgische Gesänge aus Mainz, hg. von Leo Trepp, Mainz 2004, S. 20f. 10958-10962: Bezieht sich auf die Verkündigung an Maria (Lk 1,26-38) bei: Frau Ava, Das Leben Jesu (AvaLJ 7): "Do diu magit des verstunt / daz iz chome vone got, / und der hailige adem / entswebete ir den lichnamen / von den vuozen unze an den wirbel, / do gihite der himel zuo der erde." In: Die Dichtungen der Fau Ava, hg. von Friedrich Maurer, Tübingen 1966, S. 12. Frau Ava (um 1060-1127) ist die erste namentlich erwähnte deutschsprachige Dichterin. 10972-10979 [Bild]: Robert Walser, stirbt (am 25. Dezember 1956) auf einer Wanderung im Schnee. (Bild: Robert-Walser-Stiftung.) 10988-10991: Robert Walser, Biref an Frieda Mermet, Anfang Mai 1924, in: ders.,
Briefe, hg. von Jörg Schäfer, Frankfurt a. M. 1979, S.
215. * 11001-11005: "ein Murren war es, ungeduldig, denn / Von wegen geringer Dinge / Verstimmt wie vom Schnee war / Die Glocke, womit man läutet / Zum Abendessen / ..." Aus: Friedrich Hölderlin: Kolomb. In: ders., Gedichte, hg. von Gerhard Kurz, Stuttgart (Reclam) 2000, S. 396. 11007-11013 [Bild]: Gaëtan Gatian de Clérambault (1872-1934), Irrenarzt (und Stofffetischist), fotografierte 40'000 Faltenwürfe. Gaëtan Gatian de Clérambault, psychiatre et photographe, [ed.] sous la dir. de Serge Tisseron, Paris 1990, S. 26. [Bild] 11030-11033: "Ein schöner Mensch, der sich angewöhnt hat, gut zu essen und gut zu trinken und der darüber erstaunt ist, als besinne er sich auf irgend etwas und sei nicht mehr so ganz imstande, zu erraten, an was er denke." Robert Walser in einem Brief an Frieda Mermet (April 1926) über ein Selbstporträt von Rubens. In: Robert Walser, Briefe, ders. Das Gesamtwerk, Bd. 12,2, Genf 1975, S. 270. 11083-11085: "Initium ergo ut esset, creatus est homo." ("Der Mensch ist geschaffen, damit ein Anfang sei.") Augustinus, De civitate Dei, XII, 21.4. Vgl. auch Z. 4744-4746. 11088: Duns Scotus (um 1266-1308): "amo: volo ut sis" ("ich liebe: ich will, dass du bist"). 11104-11107: "Ich hatte mich erhoben, um nach Hause zu gehen, denn es war schon spät und alles war dunkel." Robert Walser, Der Spaziergang, Frankfurt a. M. 1978, S. 85 [letzter Satz]. 11108-11114: "... zog alles Persönliche, alles Lebendige von der Oberfläche meines Körpers ¦ weg – bis sie fühllos wurde wie die der Tiere, die sich durch Inhibition totstellen, wenn man sie verletzt –, um nicht zu sehr an diesem Ort zu leiden ..." Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (Bd.II: Im Schatten junger Mädchenblüte), hg. von Luzius Keller (Frankfurter Ausgabe II.2), Frankfurt 2004 (1995), S. 339f. 11124-11129: Vgl. Lukrez, De rerum natura, L. VI, v. 678f.: "cum tamen omnia cum caelo terraque marique ¦ nil sint ad summam summai totius omnem." ("während doch alles samt Himmel, Erde und Meeren zusammen ¦ ist ein Nichts im Vergleich mit der ganzen Summe des Alles.") 11138-11143: C. Plinius Secundus (Plinius der Ältere),
Naturalis historia , L. VII, c. 2,25: "ad extremos fines Indiae ab oriente circa fontem Gangis Astomorum gentem sine ore, corpore toto hirtam vestiri frondium lanugine, halitu tantum viventem et odore, quem naribus trahant; nullum illis cibum nullumque potum, radicum tantum florumque varios odores et silvestrium malorum, quae secum portant longiore itinere, ne desit olfactus; graviore paulo odore haud difficulter exanimari." 11162: J. M. W. Turner: The Blue Rigi, 1642, Aquarell auf Papier. [Bild] 11167f.: Vgl. hebr. "kābōd" = Schwere, Gewicht, Herrlichkeit (z.B. Gottes). – Buch Jesaja 50,4: "Jeden Morgen weckt er mein Ohr". 11211-11220: Der Kiefernhäher legt im Herbst an bis zu 6000 Stellen Nahrungsvorräte (Samenkörner) an, die er im Winter (trotz verändertem Landschaftsbild) problemlos wieder findet. – Vogelfedern bestehen aus Keratin (Hornsubstanz), einem Strukturprotein, das für Stabilität und Form der Zellen verantwortlich ist. 11240-11248: Vgl. die antike Sage von Amor und Psyche, in: Apuleius, Metamorphosen (Der goldene Esel), 4,28-6,24. 11250f.: "Absolutes Grün ist die ruhigste Farbe, die es gibt, ... sie verlangt nichts, ruft nirgend hin." Wassily Kandinski, Über das Geistige in der Kunst (1910), Bern 1952, S. 94. 11294-11296: Platon, Alcibiades, 132d-133c. [Über das Auge und das Gesicht, das sich als "kleines Abbild des Hineinschauenden" in der Pupille dessen erkennt, der uns anschaut. In Analogie dazu erkennt sich die Seele in der Seele des andern.] 11300-11301: Augustinus, De civitate dei, XXI,10: "quia et iste alius modus, quo corporibus adhaerent spiritus et animalia fiunt, omnino mirus est nec conprehendi ab homine potest, et hoc ipse homo est." ("Ist doch auch jene andere Weise, in welcher Geister mit Leibern derart verknüpft werden, dass Lebewesen entstehen, durchaus wunderbar und dem Menschen unbegreiflich, obwohl dies der Mensch selber ist.") Vgl. auch Anm. Z. 11517. 11304-11320: Vergil, Aeneis, V,833-871; VI,337-381; VII,207-226: Palinurus heisst der Steuermann auf dem Schiff des Aeneas, der von Troja herkommend die Westküste Lukaniens (Italien) ansteuert. Bei ruhiger See und gutem Wind verführt der Gott des Schlafes in der Gestalt des Helden Phorbas Palinurus dazu, sich dem Schlummer hinzugeben, worauf er ins Meer stürzt. Das abgerissene Steuer umklammernd treibt Palinurus drei Tage im Meer, bis er an dem nach ihm benannten Kap strandet und von den dort Wohnenden getötet wird. 11311-11315: III,247-257 [die Prophezeiung der Harpye Kelaeno] und VII,107-116: Angekommen in Italien richten die hungrigen Gefährten Aeneas' in der Eile das Essen auf Weizenkuchen an, die sie dann gleich auch noch essen. [Bild] 11380: Anubis ist der schakalköpfige Totengott im Alten Ägypten, der das Zünglein an der Waage prüft, auf der das Herz des Verstorbenen gegen die Wahrheit (als Feder dargestellt) gewogen wird. [Bild] 11398: Maurice Merleau-Ponty: „Somit sind sämtliche Sinne, sofern sie irgend eine Gestalt des Seins uns sollen zugänglich machen können, d.h. sofern sie nur Sinne sind, räumliche.“ In: ders., Phänomenologie der Wahrnehmung, Berlin 1966, S. 255. 11473-11475: Vergil, Aeneis, IV,296ff. (Didos Jammer nach der heimlichen Abfahrt des Aeneas). 11477-11484: Vgl. die Beschreibung Prousts eines toten und ausgenommenen Fischs in: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (Bd.II: Im Schatten junger Mädchenblüte), hg. von Luzius Keller (Frankfurter Ausgabe II.2), Frankfurt 2004 (1995), S. 385 und ders., Chardin und Rembrandt, in Essays, Chroniken und andere Schriften (Frankfurter Ausgabe I.3), Frankfurt 1992, S. 94. 11497-11500: "Die Resignation, eine abgewandelte Form der Gewohnheit, lässt manche unserer Kräfte unendlich wachsen." Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (Bd.II: Im Schatten junger Mädchenblüte), hg. von Luzius Keller (Frankfurter Ausgabe II.2), Frankfurt 2004 (1995) [À la recherche du temps perdu. À l'ombre des jeunes filles en fleurs], S. 281. 11517: "Weshalb muss man überhaupt fragen, was der Mensch sei, wenn man doch selbst einer ist?" Hans Blumenberg, Beschreibung des Menschen, aus dem Nachlass hg. von Manfred Sommer, Frankfurt a. M. 2006, S. 503. Vgl. Anm. Z. 11300. 11532: "Io vivo quasi in ciel", singt Alfredo in der Oper La Traviata (2.Akt, 1. Bild) von Giuseppe Verdi (1853). 11583: Alkmaion von Kroton (um 500 v. Chr.), Fragmente (2): "Die Menschen vergehen darum, weil sie nicht die Kraft haben, den Anfang an das Ende anzuknüpfen." In: Die Fragmente der Vorsokratiker, griechisch und deutsch von Hermann Diels, hg. von Walther Franz, 1. Bd., Dublin/Zürich 1972, S. 215. 11592-11594: Kratylos (Lehrer von Platon) "glaubte schliesslich überhaupt nichts mehr sagen zu sollen und erhob nur noch den Finger ..." Aristoteles, Metaphysik, Buch Γ.5, 1010a (Übersetzung: F. Bassenge). 11623-11628:
11623-11628: Vgl. den Web-Wettbewerb zwischen Minerva und Arachne (in: Ovid,
Metamorphosen, 6. Buch, 1-145), der auch ein Wettbewerb des (wortlosen) Erzählens (von
mythologischen Themen) in einer Struktur der Verknüpfung ist. 11679-11685: Scipio Slataper (1888-1915), Triest, der Karst (1911); in: Mein Karst [Il mio Carso], Klagenfurt 1988, S. 131. 11746-11762: Yasushi Inoue, Das Jagdgewehr, Frankfurt a. M. 1990, S. 8-10; im dem Roman vorangestellten Gedicht heisst es: "... Warum bewegt mein Herz so / der Rücken dieses grossen, zufällig vorüberschreitenden Jägers?" Ders., Der Tod des Teemeisters, Frankfurt a.M. 2007, S. 55: "Den Teeweg sollte man im Frühling und im Winter am Morgen beschreiten und am Abend beenden. Dabei sollte man das Gefühl von Schnee im Herzen tragen." S. 52: Namen von Töpfen (Tsubo), in denen Teeblätter aufbewahrt werden. (Matsushima [=Kieferninseln]: vgl. auch Anm. zu Z. 7055ff.) 11875-11877: Thema aus der Skepsis; vgl. z.B. Sextus Empiricus,
Gegen die Wissenschaftler 1-6, Würzburg 2001. – Bei Cicero
(Academica priora sive Lucullus, Liber II, c.V) heisst es: "... abstrusa esse omnia, nihil nos sentire nihil cernere nihil omnino quale sit posse reperire ..." 11880: "... Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst. / Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete." (Deutsches evangelisches Kirchen-Gesangbuch, EG 382: Ich steh vor dir mit leeren Händen ...; Text: Lothar Zenetti, 1973.) 11916: Lao-tse, Tao-Tê-King, Kp. 41. Vgl. auch: François Jullien, La grande image n'a pas de forme, Paris 2003. – Vgl. Z. 6956 und Anm. dazu. 11918f.: In Anlehnung an Thomas von Aquin schreibt Giordano Bruno: "Alles unser Erkennen, also alle Tätigkeit unseres Verstandes, ist entweder selbst bildlich oder doch nicht ohne Bild. [...] Wir verstehen nichts, wenn wir nicht zugleich Bilder
(phantasmata) anschauen." Giordano Bruno,
De imaginum, signorum et idearum compositione, Frankfurt 1591. Zitiert aus: Sarah Kahn,
Diversa Diversis, Mittelalterliche Standespredigten und ihre
Visualisierung, (Pictrura et Poesis, Bd. 20), Köln 2007, S. 6. 11932: "This great world ¦ Shall so wear out to nought." Gloucester in Shakespeares King Lear (4. Akt, 6. Auftr.). 11932f.: "So nutzt das grosse Weltall ¦ einst sich ab zu nichts." ["This great world ¦ Shall so wear out to nought."] Gloster in Shakespeares König Lear (4. Akt, 6. Auftr.). 11940-11944: Vgl. Leib- und Wahrnehmungsphilosophie als Neue Phänomenologie bei Hermann Schmitz (System der Philosophie; Einführung in: ders., Der Leib, der Raum und die Gefühle, Stuttgart 1998; Überblick bei: Julia Koll, Körper beten. Religiöse Praxis und Körpererleben, Stuttgart 2007). 11992-12000: "Wie manches Glück, gibt es Unglück, das uns zu spät zustösst, zu einer Zeit, da es für uns nicht mehr die Bedeutung erlangen kann, die es früher gehabt hätte. Als ich dies erfuhr, war ich bereits getröstet. [...] Ach. Madame, mir fehlt das Papier in dem Augenblick, wo es gar nicht so schlecht weitergehen würde!" Eröffnung Prousts über die Fortsetzung seines Romans, gegen Ende 1915, in: ders., Essays, Chroniken und andere Schriften, (Frankfurter Ausgabe I.3), Frankfurt 1992, S. 354-361 (hier S. 360f.) - „Comme certains bonheurs, il y a certains malheurs qui viennent trop tard, ils ne prennent pas en nous toute la grandeur qu’ils auraient eue quelque temps plus tôt.“ Marcel Proust, À la recherche du temps perdu, (III: La Fugitive), Paris 1954, S. 601. („Wie gewisse Glücksfälle kommenauch gewisse Unglücksfälle zu spät; sie erlangen dann in uns nicht mehr die Grösse, die sie kurze Zeit vorher noch erlangt hätten.“ Ders., Auf der Suche nach der verlorenen Zeit [Bd. VI: Die Flüchtige], Frankfurt a. M. 2004, S. 277.) |
23.02.2012