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Nicht bei Trost
(Haiku, endlos) Z.3001 - 4000 |
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dieser
Text trägt nichts
bei zur Klärung der Frage ob Vergänglichkeit nicht anders kann und was sie beabsichtigt wenn sie uns so nachhaltig mahnt es wäre besser ich liesse diesen Text sich langsam verwandeln in die schlichte Beschreibung eines Reiskorns und es wäre dabei strikte alles Eigene zu vermeiden und keine Neigung des Gefühls dürfte die Wahrheit stören |
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Vgl.
das monumentale Werk von Gerhard Merz: Fragment Grande Galerie I-XIV,
Düsseldorf 2002
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(die als Galerie
aus feingeschliffenem mattem Alabastergips etwas Lichthaftes bündelt |
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Röm
13,12 (Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die
Waffen des Lichts.) Mt 27,46 (Um die neunte Stunde rief Jesus laut: Mein
Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?) Vgl. Barnett Newman "The
Stations of the Cross" (1958-66).
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als Waffe gegen
die dunkle neunte Stunde) man müsste den Blick zwingen oft zu verweilen an steilen Hängen bevor die abgemähten Flächen verschwinden im Wald wegknicken später am See oben führt |
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eine Frau
die Kuh genau
der Linie entlang zwischen Weide und Himmel ununterbrochen spricht sie geduldig während sie geht mit dem Tier irgendwie fehlt diesem Gang die Zeit es ist schwer sich vorzustellen weshalb dieses Gespräch einst abbrechen könnte hinter dem Horizont wo die Frau mit ihrer Kuh jetzt langsam verschwindet irgendwie bleibt ein Gefühl das mir versichert dass dieses Reden wahr ist auch ohne dass ich es höre wirklicher bleibt als diese Landschaft [3050] die jetzt langsam im kühlen Herbstabend versinkt obwohl sich das Verweigern schon bald erübrigt halte ich fest am Wachtraum als geglückter Form des Widerstandes gegen das digitale Diktat zur Aufmerksamkeit gegen diskrete Ächtung des sich Verlierens in nicht sesshaften Kulturen der Achtsamkeit die Besitznahme eines Leibes ist keine Folge von etwas nicht jahreszeitlich bedingt ein Bergsturz bringt Tod und Schrecken über Menschen aber hinterlässt keine Spuren von Folter das Herantreten ans Gitter gewährt dem Blick unverhofft Weite und zugleich scheint das Gesicht auf der anderen Seite uns plötzlich vertraut doch dieses Sehen das herantritt sich nähert verliert sich schliesslich in den Unebenheiten grober Flächen und farbiger Muster der Leib der zurückbleibt mit steifen Beinen bläht sich auf und wo der Blick war und zurückkehrt da entsteht ein stumpfes Gefühl das einer Schiessscharte gleicht ich nähere mich beharrlich der Vermutung dass der Entschluss einst unausweichlich sein könnte das Sehen wortlos einzuschränken die Augen abzuwenden von fast allem um sich ganz den |
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Vgl.
Rudolf Steiner: "flattery flickery plates", 1999, Colorprints D 37cm,
Serie 7 Expl.. Die Arbeit geht aus von den Untersuchungen Jan E. Purkinjes
(1787-1869), der beschreibt, welche Bilder sich zeigen bei entsprechendem
manuell ausgelöstem Druck auf den Augapfel (Johann Purkinje, Beiträge
zur Kenntnis des Sehens in subjectiver Hinsicht, Prag 1819).
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farbigen Scheiben
zu widmen die aufschimmern wenn man die Fäuste [3100] auf die geschlossnen Augen presst und so den Druck auf die Flüssigkeit erhöht die in den Zellen harmonisch dämmernd träge dem Kosmos entspricht ein allzu bescheidener Leistungsnachweis man muss die Zellen mit ihren weichen Membranen die stillen Kerne die sich geduldig teilen dieses insgesamt schattig freudlose Strömen ganz persönlichen Planktons man muss es zwingen bis dass es Töne Silben abschlägt und ausschwitzt ein Wind muss man sein der stürzt ohne zu zögern auf die wehrlosen Stellen wo das Meer nichts ahnt wo das Gleichmass des Schaukelns und das Aufschäumen mutloser Wellenkämme Erschrecken verspricht ein weitgeworfenes Netz aus kleinen Klingen luftig locker hingeperlt auf die wogende Fläche die schnell zersplittert unter dem kühlen Hauch der abweht ein Schauer wie Scham über der glitzernden Haut des Wassers im Schatten bleiben der Kugel die geräuschlos unsichtbar den Lauf verlässt und die der Schall erst später einholt wenn sich die Frage stellt nach Klang und Resonanz nach dem Pigment der Melodie denn Farben sind an vielem – nicht an allem – Schuld das wusste Goethe deshalb bestand er darauf zu klären weshalb erst die milchwolkige Luft über dem Ungrund [3150] den Himmel hinschleiert vor die Schwärze der Nacht weshalb es viele Schichten von Nebel und Rauch benötigt bis Licht endlich glüht und das Warme mit Blut alles durchflutet es muss einen Weg geben zur Einfachheit hin die Dinge haben uns bestimmt noch nicht gänzlich verloren obwohl unser Dasein immer mehr zum Urlaub verkommt wo die Räume verdunsten beim schnellen Tauschen von Kapital und Wissen werden wir wieder Nomaden nun allerdings auf hohem Niveau meine Voraussicht sichert die strenge Ordnung des Rückzugs ich verenge die Landschaft bis sie sich einrollt hinten im Tal dieser Text versucht einem Flusslauf zu folgen orientiert sich einzig an den leiernden Strophen eines Liedes das am Anfang verweilt wo es mit wenigen Tönen und knappem Klang nur einen Flügelschlag über der Farbe des Hochmoors und der Flechten am Fels hintönt novemberstruppig so erkläre ich was ich nicht tun kann während ich tue was ich nicht zu erklären vermag woher kommt dieses Andere hinzu zu den Dingen Bildern und mir wenn sie plötzlich da ist die Aufmerksamkeit? und was ist dieses Etwas das sie hinzufügt? dieses Nicht-Ich das aufhellt? |
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Caravaggio
[Michelangelo Merisi] (ca.1570-1610): Die Wahrsagerin, ca. 1594 (Louvre,
Paris und Pinacoteca Capitolina, Rom).
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Andrej
Rubljew: Dreifaltigkeit, 1411, Tretjakow-Galerie, Moskau; vgl. AT Gen
18: Gott besucht Abraham in der Gestalt von drei Engeln.
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kreisten
bei Andrej Rubljew
dessen drei Engel nur deutend ihre Hände der Schale nähern (darin in Butter und Milch der Kalbskopf für Gott der in Mamre Abrahams Zelte besuchte) was aber fesselt den Blick an diese Hände? vielleicht ist es die Täuschung die der Leib ist die wie jede Täuschung uns auch einen Gewinn bringt |
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Vgl.
die spätmittelalterliche Tradition der Reliquiengärten. (Topos
"stirb und werde", Ps 92,13; Jes 66,14: "Eure Gebeine werden wie Pflanzen
sprossen"; Sir 46,12; Mt 3,7-10 par.) Diese Vegetationsmetaphorik verbindet
sich mit der Verehrung und Wunderwirkung von Reliquien. Dabei wurden Teilstücke
von Reliquien in kostbare Stoffe eingenäht, reich verziert mit pflanzlichen
Elementen und in einem grossen Schrein zur Schau gestellt.
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uns einnäht
in Kostbares:
Stoffe aus Seide verziert mit Steinen die fein geschliffen leuchten aus den farbigen Bändern selbst das blanke Stück Schädel wird plötzlich zum Schmuck und spröde Knochen treiben trotzig Keime ins Paillettengeflecht und so wird dieser Körper doch noch ein Garten Hände und Füsse wachsen dann glücklich ins Kraut aber das ist nur eine Weise des Sehens |
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Ernst
Mach: Die Analyse der Empfindungen, Jena 1922 (9. Aufl.), S. 1f. Hier
(1.Kp.: "Antimetaphysische Vorbemerkung") tauchen diese Begriffe im folgenden
Zusammenhang auf: "Farben, Töne, Wärmen, Drücke, Räume;
Zeiten u.s.w. sind in mannigfaltiger Weise miteinander verknüpft,
und an dieselben sind Stimmungen, Gefühle und Willen gebunden. Aus
diesem Gewebe tritt das relativ Festere und Beständigere hervor,
es prägt sich dem Gedächtnisse ein, und drückt sich in
der Sprache aus. Als relativ beständigere zeigen sich zunächst
räumlich und zeitlich (funktional) verknüpfte Komplexe von Farben,
Tönen, Drücken u.s.w., die deshalb besondere Namen erhalten,
und als Körper bezeichnet werden. Absolut beständig sind solche
Komplexe keineswegs."
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des Verknüpfens von Farbe
Tönen von Wärme von Druck Räumen und Zeiten es ergeben sich Schnittflächen Zonen des Tauschs mit meinem Gefühl mit meinem Willen der denkt und im Gewölbe dieser Empfindung entsteht etwas Dichteres was schon fast wahr ist sich einprägt Spuren [3250] legt im Gedächtnis um dann Sprache zu werden erst jetzt entstehen Häuser Begegnungsorte wo das Vertrauen zunimmt bis einer endlich der Wahrsagerin die Hand hinhält ein Anfang ist es der sich ein wenig auflehnt gegen die Unbeständigkeit angeht mit einem Knochen im roten warmen Brokat (das Stichwort um den Text hier zu unterbrechen und das Angebot kurz zu erwähnen das ich im Briefkasten fand:) Teppich Heriz aus Indien ein handgeknüpfter Orientteppich mit reiner Schurwolle im Flor laut Beschreibung gefertigt aus fünfzigtausend mühsam geknüpften Knoten für achtundsechzig Franken bei Lipo Möbel- posten AG Schweiz ich schätze das Kind erhielt pro Knoten kaum mehr als nullkommanullnullnull Franken und das ist wenig wenn man bedenkt was es bedeutet nach Millionen von Jahren endlich den Knoten knüpfen und vielleicht wieder lösen zu können und nun zurück zum Brokat zum roten Samt und dem rohen Fleisch das unter der Haut und kleinen pelzigen Inseln den Griff an die Knochen dämpft ein Zupacken trotzdem fest genug mir Fragen abzuwringen und zugleich mich zu verschrauben wie der Sturm durch die Jahre den Stamm der Föhre [3300] verdreht: nur weil ich weine bin ich traurig – doch wie hat die Vorstellung des grossen Baumes Platz in meinem kleinen Schädel? schon dieses schlichte Sehen von dem was sich zeigt scheint mir recht schwierig obwohl im Allgemeinen bewährt es sich gut (das behauptet die Mehrheit) wie viel schwieriger ist es erst Gerechtigkeit zu sehen den Rand wo die Schatten sich trennen am kantigen Licht? Sehen ist Wissen das sich zum Schauen entschliesst und das Zögern das daraus entsteht nennt man Weg die Möglichkeit dass wir uns plötzlich verlieren ist so gesehen ein Trost es gibt da ein Buch für Restauratoren und das trägt den Titel |
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Gunter
Lorenz: Mit Lösungsmitteln rechnen, Hamburg 1998.
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"Rechnen mit Lösungsmitteln"
irgendwie stimmt es mich zuversichtlich dass es ein solches Buch gibt die Tage werden kürzer bleichen langsam aus und steigern so ihren Wert man zieht sie an wie ein überaus kostbares Gewand ja ein Tag gilt mehr als das Leben und auch mehr als der Tod denn der kürzeste Tag noch im schwachen Schimmer bietet sich unersetzbar dem losen Bild an das wir sind und das ist kaum mehr als ein Entwurf was nicht etwa ein Eindruck sondern ein Schluss ist und eine Aufforderung etwas zu ändern: vielleicht vorübergehend die Sesshaftigkeit begrenzen dem Fuchs dem Gras [3351] nochmals begegnen und später auch uns falls es noch hell genug ist damit die Wirklichkeit ein wenig verrückt wird Genaueres vermag ich nicht anzugeben ich muss die Erschöpfung neu erfinden die mich täglich wieder überrascht angesichts leerer Zeilen die sich so haarscharf und voll Leidenschaft ins Weiss des Blattes betten ich weiss es nie das nächste Wort und steht es da wird es fremd und löst sich auf in nichts beim Lesen es bleiben keine |
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Marcel
Proust: A la recherche du temps perdu (Bd V: Die Gefangene).
Das Werk "Ansicht von Delft" von Vermeer, 1660/61 entstanden, befindet sich im Mauritshuis in Den Haag. 1921 kurz vor seinem Tod begab Proust sich ins Musée du Jeu de Paume, um das Bild – und besonders "die kleine gelbe Mauerecke" (le pan jaune) – dort noch einmal zu sehen. Dann fügte er die Sterbeszene mit dem Schriftsteller Bergotte (Anatol France? Proust selbst?) in seinen Roman ein. Angesichts der kleinen gelben Mauerecke ("le pan jaune"), gelangt Bergotte sterbend zur Einsicht: "So hätte ich schreiben sollen." (Vgl. Z.2501ff.) |
gelben Mauerecken kein
Fingerhut füllt sich leuchtend hell mit Blütenstaub ich markiere nur Stellen wo ein andermal sich etwas oder nichts einfinden könnte denn mein Ziel ist Freundschaft Gastfreundschaft für alles was sich erwarten lässt in dieser nicht zu hellen Bar am Rand der Stadt an der Theke lehnend aus falschem Tropenholz auf dem kühlen Marmor liegt eine Hand und die gehört mir nicht die Türe steht lange offen und Arleta singt ein Lied später kreuzt die Bucht ein dunkler Trolleybus mit einem Stern am Mast was will man mehr als dass sich das eine aus dem andern nahtlos fast ergibt? aber Nahtloses weckt Misstrauen wie nämlich findet man den Ort wo die Naht offenbar fehlt? das dichte Geflecht [3400] der Bilder interessiert mich nicht so sehr wie die Wörterkette die den Bildern die Spur legt ein guter Grund zum Bücken um so den Vorhang der Schneeflocken kurzfristig aufwärts zu wirbeln bis das Rauschen am Rande des Hörens abbricht eine eigenartige Stille schwimmt über der weissen Fläche wie Öl wie Fettaugen auf einer mageren Suppe Sprache ist das Fleisch an den Knochen die später sich zur besagten falschen Theke schichten auf der dann die Dunkelheit trommelt mit klammen Fingern während das Reden etwas wie Auferstehung (das grosse Echo) übt das dauert und nur langsam löst sich das Denken aus diesen Mulden die uns ständig erinnern |
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Dogen
Zenji, Shobogenzo, Kp. 71 Hotsu Bodai-Shin (Bd.3, S.117). Seit Buddhas
berühmten vier Ausfahrten ist die Meditation der Vergänglichkeit der zentrale
Ausgangspunkt in der buddhistischen Lehre.
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an Geburt Alter Krankheit
und Tod an alles was letztlich doch ausserhalb unseres Wollens Vermögens liegt uns gehört der Leib sicher nicht und trotzdem kümmern wir uns voll Sorge um ihn |
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Friedrich
Hölderlin, Griechenland: [aus der zweiten Fassung:] "..... Wo aber
allzu sehr sich / Das Ungebundene zum Tode sehnet, / Himmlisches einschläft,
und die Treue Gottes, / Das Verständige fehlt. / Aber wie der Reigen
/ Zur Hochzeit, / Zu Geringem auch kann kommen / Grosser Anfang. ....
- [aus der dritten Fassung:] ... Viele sind Erinnerungen. Wo darauf /
Tönend, wie des Kalbs Haut, / Die Erde, von Verwüstungen her,
..."
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fürchten Himmlisches
könnte
einschlafen und die Treue Gottes uns fehlen dabei kann doch auch zu Geringem ein grosser Anfang kommen wenn auf der Kalbs Haut der vielen Erinnerungen die Welt tönt Erfahrungen sammelt mit uns und ohne uns auch oft sind wir nicht hier beim Denken nähen wir uns mit spitzen Nadeln an Felle [3450] die aber schwimmen noch ganz weit oben im Fluss Anordnungen könnten schnell an Macht verlieren wenn man sie kennt – doch heisst es |
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Jeremy
Bentham: Tract of Poor Laws and Pauper Management, in: John Bowring (Hg.),
The Works of Jeremy Bentham (Erstauflage 1838-43), 11 Bde., New York.
Die Textstelle lautet: "... die Hand, die handelt und schlägt sorgfältig
versteckt werden sollte, statt dessen muss man die Menge konzentrieren
auf ein Bild der Vorstellung, eine allseits verehrte Abstraktion ...."
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"die Hand die handelt
und schlägt sollte sorgfältig versteckt bleiben " ein Trommelwirbel bleibt immer ein Trommelwirbel und wird sicher nie eine allseits verehrte Abstraktion – Mr. Bentham solange der Mensch lebt gibt er Licht und diese Täuschung ins Helle ist Gewinn wie alles was in die Irre führt erst im Dunkeln höre ich wieder auf alles |
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Johannes
vom Kreuz (1542-1591): "Para venir a serlo todo ..."(Um dahin zu gelangen,
alles zu sein); Friedrich Hölderlin: "Allda bin ich alles miteinander.
Wunderbar ..." (Vom Abgrund nämlich ..., Hymn. Entwürfe); Fernando
Pessoa: "Ah, dass ich nicht alle Menschen und überall bin!" (Das
Buch der Unruhe); Georges Batailles: "Am Extrem des Möglichen verlangt
die Erfahrung nichtsdestotrotz einen Verzicht: aufzuhören, alles
sein zu wollen." (Die innere Efahrung, München 1999, S.39)
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überall sein zu wollen
jetzt aber herrscht noch keine Klarheit darüber ob sich der Schatten jemals vom Gegenstand trennt in Erinnerung rufen: dieser Text verwischt eine Spur hier wird Nachdenken als Erfahrung der Ausweglosigkeit geübt nicht als Instrument des Erreichens deshalb fehlt ausnahmsweise in der drittletzten Zeile noch eine Silbe die Erleichterung ist nicht unerheblich und hält an seit ich mich vergewissert habe dass ich der Text nicht bin ob damit das Misslingen eines Werkes nach Jahren der Arbeit leichter fällt weiss ich noch nicht |
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Marcel
Proust [7]: A la recherche du temps perdu (Bd. VII: Die wiedergefundene
Zeit, S.3942)
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es bliebe dann nur jene
Müdigkeit dieser Unmut an den Proust denkt – nun sich erinnernd wie er vergeblich versuchte gestern den Umriss [3500] der Linie zu beschreiben die auf den Bäumen das Licht vom Dunkel scheidet ich bemühe mich täglich diese Müdigkeit nicht zu vermeiden und ich versuche den Kurs zu halten gegen den Strom der mich vom Abgrund abdrängt Sicheres (auch schon ein Entwurf) erschliesst die Gewissheit als Neigung zum Fall und im Sturz dieser Senkrechten bin ich der Strohhalm der knickt und abbiegt und die eigene Schlaufe verpasst und gerade dies ist kein Unglück sondern die Drehung im Stillstand zwischen zwei Atemzügen nachmittags während ich aufblicke vom weissen Rand meiner Arbeit unter den Büschen dieses gewöhnlichen Tags seh ich etwas verschwinden die Wahrscheinlichkeit dass ich vorkomme nimmt ab in dem verstrickten Bild das ich mir mache und im Verlangen das ich nicht stille bleibt unklar ob ich dabei bin am Waldrand über dichtem Gesträuch in diese summende Wolke entleert sich langsam die Welt dort wo die Blätter manchmal ein wenig zittern wirft eine Erinnerung ihren Blick auf mich |
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"Nel mezzo del cammin di nostra vita / mi ritrovai per una selva oscura ... Tant'è amara che poco è piu morte", Dante Alighieri, Divina Commedia (Hölle, 1. Gesang). "E chi avesse voluto conoscere Amore, fare lo potea mirando lo tremare de li occhi miei", Dante Alighieri, Vita Nova, Kp.11
"Im flüchtigen Ausdruck eines Menschengesichts winkt aus
den frühen Photographien die Aura zum letzten Mal." W. Benjamin.
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unterwegs auf halbem Weg
find ich mich wieder in einem düsteren Wald trotzdem versuch ich im kaum sichtbaren Zittern der Augen etwas zu erkennen etwas das Liebe ankündigt [3550] vielleicht – doch das Verlangen bleibt eingefaltet in das Futter des Wunsches nichts zu bewegen unbeweglich das Staunen ins Ungewisse zu richten und nichts zu sein als eines dieser stillgelegten Gesichter auf einer bräunlich vergilbten Fotografie die Wachheit verschnürt |
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Heraklit: "Die
Wachen haben eine gemeinsame Welt." (Fragment 89) |
zur gemeinsamen Welt als
ein lichtes Bündel dem Nicht-Ort eine Warnung erst abends bin ich ein Zustand der senkrecht wie die Fische manchmal aus dem tiefblauen Wasser hinaufschnellt glücklich im Einklang mit dem schönen Gesang von Orpheus: |
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Boethius ("Consolatio
Philosophiae", 524 n.Chr.): "Wehe, nahe der Grenze der Nacht sah Orpheus
seine Euridike: Er sah [sie], verlor [sie], ging [selber] zugrunde (vidit,
perdidit, occidit)." Mt. 27,46 (Um die neunte Stunde aber schrie Jesus laut auf: Eli, Eli, lema sabachtani? Das heisst: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?) |
ich sehe, verliere und
gehe zugrunde sicher ist jeder ein Fürst wenn er stirbt in der Aufwärtsfurche der Sprache überrascht vom Leib der sich löst und verweigert und seinen Schrei sucht während die schweren Schiffe wie dunkle Wolken über uns wegziehn ohne Aufruhr pflügen sie still die Krümmung der Erde als dumpfer Nachklang entfernt sich eine Frage die ich jetzt langsam vergesse: wer war es der im Frühling Vögel singen hörte und im Herbst wer sah wie der Wind die Blätter wegriss vom Zweig? wer hat die Liebe zerknittert und wer lockte sie wieder hervor |
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"Liebe
ist Raum und Zeit, dem Herzen fühlbar gemacht." (Marcel Proust: Auf der
Suche nach der verlorenen Zeit. Die Gefangene, S.3280)
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als Kairos eines Organs
als ein Fremdkörper in jenem Projekt das weiss? ich mag den Stadtrand [3600] wo das Netzwerk der Wege ausfranst und abbricht |
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"Der
Umgang mit guten Menschen ist wie Gehen durch Nebel und Tau; man wird
zwar nicht nass, aber die Kleider werden immer feuchter." Kuei-shan Ling-yu
[Isan Reiyu, 771-853]; in: Dogen Zenji: Shobogezo Zuimonki, IV,4.
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im Nebel gehen dem Tau
entlang man wird feucht und weiss nicht recht wie vielleicht möchte auch das Licht uns leichter machen und hell und hat nichts zu tun wenn wir meinen zu sehen die gute Absicht der andern ihr Wohlwollen macht uns besser und schliesslich bricht von den Besten einer die Regel und führt die Sprache zurück zur Lautfolge die nahezu ist was sie sagt und die wie eine breiter werdende Strasse von dem Bekannten ins Unbekannte uns führt: an den baumlosen |
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Die Mittagszeit galt im frühen christlichen Mönchtum als eine Zeit besonderer Gefährdung; als Akedía (Überdruss, Nachlässigkeit) und Mittagsdämon bedrohte sie die spirituelle Achtsamkeit. "Wenden des Sinns" lehnt sich an den ebenfalls aus der christlichen Spiritualität bekannten Begriff Metánoia (Umkehr, Busse). |
Rändern im gleissend Hellen
den fugenlosen Mittag erwarten damit der Verdruss und der dumpfe Unmut weit genug ausholt und ablöst vom Gerede vom Zwiespalt der Verstrickung durch Schatten und Licht das Wenden des Sinns holt den Blick dann zurück an die losen Kanten und damit |
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"Ich
möchte gemäss der Nuance leben." Roland Barthes.
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lassen sich Nuancen des
Dämmerns beschreiben die geringste Bewegung die nun spricht trennt so als makelloser Abschnitt ein geblendetes System von uns und sich selbst endlich zerreisst auch jedes Gelingen: Anfang |
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Buddhistische
Mönche kleiden sich in ein Tuch, das aus erbettelten Stoffresten zusammengenäht
wird (jap. Kesa). Dogen zählt (in Shobogenzo, Bd.3, Den'e) Arten von schmutzigen
Lumpen auf, die be-nutzt werden dürfen.
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nochmals und Sammeln
von schmutzigen Fetzen die notdürftig vernäht an die Roben östlicher Mönche erinnern die sind im groben Holztrog so oft gewaschen [3650] dass die Farben das Leuchten zugunsten eines Schimmerns ins Unbestimmte in sich verschliessen das strenge Nicht-Beachten des Nicht-beachtens: nichts schaut sich um auch wenn wir zögern beim Scheitern |
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ortsfremd
und ratlos stehen
vor einer Felswand gute Voraussetzungen also um beim Blick hinauf Waben voll Honig zu sehen und auch Kanten und Risse im Stein um Halt zu finden beim Klettern in der Flugbahn wildgewordener Bienen die es nicht kümmert dass ich mich nicht nur vom Echo zu ernähren vermag von diesem kaum wahrnehmbaren Geruch der sich als Schweissspur durch die Jahrtausende ätzt und vielleicht als Ruf des Staunens begann damals am fruchtbaren Fels als die Frau die Süsse des Honigs entdeckte mich interessiert die Luft wenn sie Atem wird den ich beachte lange bevor Stimmbänder sich seiner bemächtigen lange vorher ist eine Choreographie ein liturgisches Drama im Gang das Mulden des Merkens freilegt die man später mit Sprache zur Not überspannt das was man tut verfolgen mit Aufmerksamkeit als ein Geschehen das uns endlich geschieht |
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Mt
21,1-9 par (Einzug in Jerusalem)
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es ist ein
Ritt in die Stadt
auf einem Esel sein staubiges Fell unter der groben Decke [3700]sträubt sich ahnungslos weiss er beim Gehen was kommt hinter dem Tor das sich schliesst unterwegs sein heisst zwischen zwei Dunkelheiten sich einzurichten aber selbst noch die Freude die Lust am Dasein zeigt ausgeleuchtet Schatten die uns erinnern dass wir zwar Gäste aber auch Gastgeber sind immer bedrängt von der Scham seit wir ausserhalb leben ausgeschlossen vom |
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pairi-dae-za (awestisch; mittelpersisch: pardez) = umzäunter Garten, davon unser Wort Paradies.. |
pairi-dae-za
diesem heiteren Garten dessen Umzäunung uns mehr fehlt als die Gärten die wir verloren und weshalb sind die Tiere draussen und bei uns? müssten sie nicht eigentlich zu Hause warten bis uns die Aufrechtigkeit und der versteckte Ekel nicht mehr betören: uns Fremdes als Fleisch Totes einzuverleiben um über den Darm das Gehirn zu entlasten? man fragt sich zu Recht: weshalb bleiben die Tiere? worauf warten sie? können sie nicht anders als auf uns zu hoffen? der Hund wenn er uns anschaut: im Blick die Ferne ob sie je bei uns ankommt? die Schwierigkeit ist dass ich beim Beobachten |
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"Nie
treff ich, wie ich wünsche, das Mass ..." Friedrich Hölderlin, Der Einzige
(1. Fassung).
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das Mass nie treffe
im Gesichtsfeld bin ich stets mehr als der der schaut das was mich sieht - wie aber soll etwas mich so erreichen wo ich nicht bin? heute umarmte ein Freund mich zum Abschied sagt: ich sterbe nun bald [3750] wir sehen uns nicht mehr - da war etwas erreicht jenseits der Sprache alles Leid alle Liebe in dem einen Augenblick kurzer Berührung |
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Roland
Barthes: "Ich habe eine Krankheit: Ich sehe die Sprache."(Autobiogr. Fragmente)
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(wenn uns die Sprache rettet
ist sie ein Abgrund wenn man sie sieht ist man krank) der Klang der Stimme ist ein flüchtiger Wohnsitz jenseits der Dauer dient bei rechter Verwendung als Übung ärmer zu werden und arm den Weg vielleicht zu finden von innen her und hinaus ins Weite wo nicht |
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"Denn nicht die Gleichgültigkeit hebt das Gewicht des Bildes auf ... sondern die Liebe, die grosse Liebe." (Roland Barthes: Die helle Kammer. Bemerkung zur Photographie) - "Und es grünen / Tief an den Bergen auch lebendige Bilder ..." (Friedrich Hölderlin: Patmos) "Als Abbas Makarios [im 4.Jh.] in Ägypten lebte, traf er einen Mann mit einem Lasttier, der ihm seine Habe raubte. Er trat wie ein Fremder neben den Räuber und half ihm das Tier beladen ...." Vgl. Bonifaz Miller: Weisung der Väter, Trier, 1998 (Nr.471 und 493 "Punkte die stechen": Vgl. den Begriff compunctio / katanyxis aus der christlichen Spirtualität. (Ein 'Stich', ein Betroffensein, das uns zutiefst ergreift und bewegt.) - Roland Barthes unterscheidet zwischen studium und punctum einer Fotografie (s. Anm.) |
die Gleichgültigkeit sondern
etwas wie Liebe den lebendigen Bildern das Gewicht abnimmt und die Tiefe der Berge also das Stumme Bangigkeit Zweifel lassen sich dehnen Lachen verdichtet: nichts denkt sich weg Zeit ist immer Zeit der Diebe und wir sollten nicht zögern freundlich zu sein wenn man uns ausraubt diese seltenen Punkte die stechen die uns verletzen während wir zaghaft Umschau halten sicher versteckt und lange warten dass etwas uns treffe etwas das der Ferne gleicht wenn sie unverhofft nah ist dieser Stich aus der Fläche gehört zu der Naht die mich annäht an alles was ich verliere jede Schicht jede Haut die sich ablöst von mir ist ein Verlust: aber nur weil ich festhalte an der Rettung von dem was mir schliesslich noch bleibt [3800]ein Gefühl taucht auf das gleicht vielleicht einem Sack der leer ist oder voll Wind eine Empfindung die erst abbiegt kurz bevor die Landschaft aufhört und es zu regnen beginnt wie den Weg finden hinter das Erinnern weg vom traurigen Klang? in Wirklichkeit gelingt mir nichts ohne dass sich ein Erinnern hinzustiehlt eine Art Firnis der den Glanz nur noch fern hält (es muss drüben sein auf der Seite des Schnees da fällt mir das Kind ein das sich festhält auf einem alten Schlitten der gleitet lautlos hangabwärts und steht schliesslich still das Kind schaut zurück: wie klein die Mutter oben am Rand scheint des Hügels der vielleicht die Welt ist) |
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spät erst
malt Giotto das Bild
wie Joachim träumt vom goldenen Tor oder davon wie im Fels der aufbricht Gras wächst plötzlich denke ich daran ob nichts mehr geschieht irgend- wie mag ich diese sorgfältige Unruhe ich setze alles daran die Normalität zu optimieren diesen Text der mich anstrengt überzuführen in die Beschreibung von dem was unmittelbar vorliegt: des Lesens also eines Lesenden der versteht oder auch nicht der aber annimmt etwas gehe ihn an - und das ist erstaunlich und ein Umweg auf welchem die Hindernisse [3850] nochmals irgendwie zögern bevor sie schliesslich lakonische Wegmarken sind oder in sich ruhende schwere Pfosten die man ins Wasser rammte nahe am Ufer |
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Dogen
Zenji: Shobogezo Zuimonki, V,8.
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"leicht abhanden kommt
uns das taugleiche Leben" es lohnt sich deshalb wenn man Umwege ernst nimmt und am Verstehen festhält ihm etwas zutraut |
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Papst
Gregor der Grosse (um 540-604): Ezechiel-Homilien II,3,1
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"wenn somit der Hirt
durch die Türe hereintritt er selbst jedoch ist Türe und Hirt so tritt er zweifellos durch sich selbst herein" sagt Papst Gregor (auf den folgenden Zeilen geschieht nichts ausser dass sich Zeit darin breit macht genügend Zeit um sich diesem Satz wie |
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Das
gr. Wort epoche, von dem unser Wort "Epoche" stammt, bedeutet wörtlich:
das Anhalten, Hemmen, die Unterbrechung oder (philos.) das Zurückhalten
eines Urteils.
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einer epoche mit der
Zeit
langsam zu nähern die als Unterbruch alles fest- und zurückhält die den Austausch der Dinge strikte verhindert) gut kann es sein wenn alles still steht fahrige Hände werden dann schwerer nehmen das Gewicht wieder wahr das sie halten und lange vermissten beim Tasten im Oberlicht spiegelnder Flächen müsste man sich vielleicht ganz auf die Bewegung konzentrieren also auf das Hereintreten losgelöst vom Ort (der Tür) und von der Person (dem Hirten)? oder vielleicht geht es sogar nur um das Herein und das Ein und Aus also um die Durchlässigkeit und ob man beim Durchlassen [3900]etwas vom Durchlassen weiss? ist Erkennen stets auch ein Erkennen des Selbst |
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Plotin
(bedeutender Neuplatoniker in Rom, um 205-270), Sextus Empi-ricus (Skeptiker,
um 200 n.Chr., lebte in Alexandria und Athen.)
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wie Plotin gegen
Sextus behauptet der meint das Sehen könne sich selbst unmöglich sehen es stimmt das Leben lässt mich allein gerade wenn es drauf ankommt manchmal scheint nichts so wirklich wie die Angst: vielleicht fehlt im Rahmen die Tür und der Gast der eintritt ist nur ein Schattengefühl vielleicht ist alles eine Frage der Zeit die vorgibt ausserhalb ihrer faden Geraden aus Zukunft sei nichts alles lege sich schliesslich |
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"finster"
erinnert lautlich an "finis terrae" ("Ende der Welt"; Finistère
ist die westlichste Region der Bretagne)
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im finsteren Strahl
aus Vergangenheit aber es könnte auch sein dass es die Zeit gar nicht gibt dass sie nicht mehr ist als diese aufgeschnürten Wölkchen am Himmel als diese Spur im Blauen vorbei an der Welt |
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Z.3930-48:
Zitate aus: Theodor Fontane: Effi Briest (Schluss).
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und die Effi sah als sie
kurz vor dem Ende die Hand der Mutter hielt und sich an einen Text erinnerte an diesen einen kurzen Satz: "eigentlich haben Sie nichts versäumt" und dann glitt ihr Blick ins Weite zurück "das blaue Meer und weisse Segel die Felsen mit rotem Kaktus überwachsen" so hatte die Mutter erst noch vom Reisen gesprochen doch nun blieb Effi nichts als die Sehnsucht aber "die zehnte Stunde war noch nicht heran" dies alles |
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"Steigern Sie die Augenblicke, das Ganze ist nicht mehr zu retten." Gottfried Benn. |
hängt irgendwie
auch
[3950] mit der Zeichnung zusammen eines Kindes die mir jetzt in den Sinn kommt und die ein Versuch ist das Brautkleid zu entwerfen für seine Mutter aber längst denkt niemand mehr "daran das Ganze zu retten" und "das Steigern der Augenblicke" ist eine ungewisse Geduld die aufhört |
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Z.3962-4000:
Anlehnung an ver-schiedene Zitate aus: Marcel Proust: A la recherche du
temps perdu (Bd. VII: Die wiedergefundene Zeit)
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zu weit dehnt sich die Zeit
oft
über die Räume hinaus die scheinbar für uns ausgespart bleiben ABER von nichts anderem handelt dieser Text: nicht vom selbstvergessenen Hiersein sondern von |
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Vgl.
Phil 3,12f.
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diesem Ausstrecken das sich
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