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Nicht bei Trost
(Haiku, endlos)
Z.5001 - 6000
Index / Anmerkungen
/ Kommentar
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ich bin entschlossen
und mein eigenes Bergwerk
Hochbetrieb hinten
im Seitental oben wo
Grasnarben trotzig
nisten als kleine Inseln
in Schotterhalden
am schlank gewordenen Berg
doch erst im Stollen
fällt es mich schattig leicht an:
ein fernes Nicht-Ich
ich beschliesse die Bergung
der blinden Stelle
des leeren Flecks im Bild
der Welt der ich bin
des Ortes wo man sich trifft
wo ich versuche
mein Einverständnis doch noch
zu erwirken mit
den Dingen zuerst und dann
auch mit den Menschen
falls mir die Lücke vertraut
es genügt vielleicht
ein Zögern in der Frage
eines Kindes der
Blick einer Greisin der sich
nirgends mehr festhält
also das Lesen von Gesten
die nichts erklären
die als hellwache Winkel
voraustönend nichts
als ihr Dasein behaupten
und doch Antwort sind
auf das was wir erbitten
stets voneinander:
"sprich damit ich dich sehe"
und dann gehen wir
ans Fenster schauen hinein
wie die Wände sich
langsam tapezieren mit
Faltern und Motten
mit Farben und Formen doch
das kleine Mädchen
verlangt immer wieder dass
man ihm die Toten
namentlich nenne einen
nach dem andern und
diese Wiederholung ist
ein vernünftiger
[5050] Versuch das Unfassbare
fassbar zu machen
ich aber bleibe lieber
ein Teil des Problems
es fehlt mir das Verlangen
ein Teil der Lösung
zu sein der Bedürftige
geht doch oft leichter
am Rand - aber nicht immer
ich rechne fest mit
einem Gott der den Sünder
gern erlöst schneller
als den fehlerfrei Frommen
dem ist jeder Saum
verdächtig und es lastet
auf jeder Kante
schon sein Gleiten zum Misstritt
mich reut die Zeit und
wenn ich zwischen ihr und mir
wählen muss wähle
ich sie es fehlt mir der Raum
auch zum Bücken und
mich um Topographie und
Karten zu kümmern
ich bewege mich aufrecht
und gehe stetig
auf ein weites Gefühl zu
das ich nicht kenne
das für mich denkt da vorn wo
sich mein Blick vergnügt
im "Noch-nicht" perspektivisch
rede ich vorwärts
schiebe Zeile an Zeile
damit sich Denken
an Leibesübung gewöhnt
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tonsei
(jap.): "der Welt entfliehen"
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tonsei mahnt Dogen
ja bald ziehe ich um in
den Rücken der Welt
eine Spur von Sinn legt sie
mir vielleicht dann frei
mich beunruhigt der Ort wo
Vergessenes in
stumme Schränke geordnet
und aufbewahrt wird
wie lässt sich Wäsche in ein
Symbol verwandeln
und wie beweist man damit
dass die Welt da ist?
und falls die Welt da ist was
gewinnt sie dabei
[5100]dass wir sie nochmals denkend
hervorlocken aus
ihrem selbstvergessenen
finsteren Fliessen?
als ob das genügte erst
muss das Erzählte
irgendwo ankommen und
diese Ankunft kann
der Welt nicht gleichgültig sein:
wenn jemand versteht
wie ein anderer sie denkt
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ich halte
mich fest
an der Zuversicht dass ich
mehr bin als eine
stabile Krümmung des Raumes
das Krumme krümmt sich
aber es kümmert sich nicht
um das Erinnern
das ein Innehalten von
Vergänglichkeit ist
das Einsichten freistellt mit
schmerzlichem Nachhall
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Kräfte am Membranstück
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Dogen, Shobogenzo Zuimonki II,14
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"morgens
geboren" tönt wie
"abends gestorben"
dies stets zu bedenken ist
ein scharfer Schliff ein
Abrieb am losen Gelenk
des Flegels der drischt
so geraten wir langsam
an etwas von dem
wir nur wissen dass wir es
wieder verlieren
eine Melodie ist es
die verändert sich kaum
einzig die Pausen treiben
sacht auseinander
während der Klang sich verkeilt
und feingliedrig türmt
in den Körben die tönen
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Gavin Bryars: Jesus' Blood
Never Failed Me Yet (Tramp and Orchestra; 74 Min.)
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Jesus' blood never
failed me yet never failed me
Jesus' blood never
failed me if I think I know
for he loves me so
Jesus' blood never failed me
yet never failed me
yet Jesus' blood never failed
me yet if I think
I know for he loves me so
ein Abgrundgesang
der die Mundhöhle feucht hält
wie kaltgepresstes
Sesamöl ein endloses Wechselsingen das
die Nasenflügel weitet
mit Kreuzkümmelduft
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Vgl. Das Hohelied 2,5.14
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cumin meine Taube bring
Traubenkuchen und
gib meinem Antiphonar
die Sprache zurück
die dem Verstehen entgeht
und in die Tiefe
sich stürzt von weit oben ins
grünblaue Wasser
als Eiszapfen glasklar schnell
und fast ohne Lärm
ein enges Zischen dem folgt
dunkel ein Gurgeln
ein Gestrecktes blitzt auf das
stürzend schon ausglüht
wie immer sind wir zu zweit
nicht nur beim Denken
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auch auf
der Probebrücke
wo das Hinüber
versucht wird unten geifern
die Drachenköpfe
während abseits ein Engel
angespannt zuschaut
ohne Rührung wenn plötzlich
der Laufsteg aufstöhnt
unter dem leeren Gewicht
das wir sind: schwankend
doch ich vermute
gerade in diesem einen
ungewissen Augenblick
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Probebrücke (15.Jh.)
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Die vier paradiesischen Ströme. (Paulusapokalypse c.23,
Sir.24,25-27)
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münden
die Flüsse
in mir: Pison und Gihon
Tigris und Euphrat
endlich bin ich nichts als ein
trunkener Humpen
voll Milch und Honig über
die Ränder hinab
läuft das Öl und der Wein
ich weiss ich sterbe
aber ich glaube es nicht
tot sein ist bloss
eine Täuschung die stillsteht
Cézanne argwöhnte
im Alter das Neue in
seiner Malerei
[5200] sei vielleicht nur die Folge
einer Sehstörung
er winkt Freunden ab wenn er
ihnen begegnet
auf der Strasse er will nicht
dass man ihn anspricht
er bleibt stehen am Fenster
durch welches das Licht
sich hinaus- und davonstiehlt
ich habe mich jetzt
gut gewöhnt an die Dinge
wie Liebe und Hass
und bleibe vorläufig am
Ufer des Alltags
kleine Fische sollten sich
fest auf den Vorteil
verlassen kleiner zu sein
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aber auch
Kleine
haben schwere Träume von
alten Wolldecken
die ihnen in die Lungen
gestopft den Atem
nehmen - ich ziehe auch jetzt
das Vorgestellte
wirklicher Wirklichkeit vor
zu unterscheiden
fällt mir ohnehin schwer was
frage ich mich stets
könnte ein Innen trennen
vom Aussen? was ich
mir vorstelle und was ich
empfinde dabei
ist atmosphärisch bedingt
und fällt mich an wie
Wind vor einem Gewitter
mein Raum entzieht sich
der Kartographie erst beim
Schreiben entstehen
Koordinaten fremde
zwar aber trotzdem
erleichtern sie den Umgang
mit Sehstörungen
Fischen und Decken voll Staub
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was ich
wahrnehme
ist das Ganze es zeigt sich
ohne mein Denken
wenn ich mit dem Blick etwas
ausschneiden müsste
würde ich mich eher für
die Zwischenräume
entscheiden die dem Blick sonst
[5251] immer
entgleiten
nur weil wir nicht wendig sind
müssen wir denken
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Leonardo da Vinci: Fragment über den Vogelflug
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aber
selbst Leonardo
weiss nichts Genaues
zu berichten von dem Schwanz
des Geiers der ihm
als Kind an die Lippen stiess
obwohl der Geier
ihn nachhaltig beschäftigt
was man hervorlockt
versteckt sich und man beschreibt
nur was man nicht sieht
in der Fabel befruchtet
den Geier der Wind
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Leonardo da
Vinci: Heilige Anna selbdritt (1510)
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und die
Kinder in Japan
lernen dass man nie
über einen Pinsel springt
dass ein leeres Blatt
schon alle Zeichen enthält
was ich übe ist
eine Haltung: Offenes
nicht aufzuhalten
ich nähere mich langsam
dem Bewusstsein das
sich auf das alltägliche
Erfahren beschränkt
auf das Fremde also und
auf das Wunder dass
überhaupt etwas da ist
das heisst ich stimme
nicht mit mir selbst überein
etwas behauptet
dass da mehr sei als alles
dass die Sprache mehr
sagt als was ihre Wörter
alle bedeuten
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Der "kleine Mensch, der im Menschen ist",
Paul Valéry
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nicht
dass ich irgendeinem
kleinen Menschen Platz
machen würde in mir der
vorwitzig Bogen
überspannter Geschichten
Lichtbilder hinwirft
auf meine Innenflächen
ich will nicht wissen
woran Gott denkt falls er denkt
ich verwende mich
restlos beim Überprüfen
der Reibung wenn mich
[5300] doch noch ein Wirbel erfasst
also wenn der Leib
überschüssig empfindet
wo er nicht sein kann
das Gewebe der Sprache
verfaltet ständig
was der Überblick darlegt
das Wortgeschiebe
mäandert quer zum Hören
und dann versperrt es
was ich vorher verstand nur
so zeigt die Sprache
was sie zu leisten vermag
und sie bestärkt mich
in dem Bestreben auch auf
einfache Fragen
keine Antwort zu finden
bevor ich rede
schwitzt die Nacht ihren Glanz aus
sie verformt alles
und das Verstummte hockt sich
als Dämon über-
gewichtig auf meine Brust
Wort für Wort sieb ich
durch meine Schlaflosigkeit
ich hoffe dass mich
jemand findet unten im
ächzenden Schiffsbauch
und mich über Bord wirft in
das Toben des Meers
dass auch mir wie einst Jona
drei Tage Tiefschlaf
vergönnt sind "an der Wurzel
der Berge bei den
Völkern von einst" bevor mich
der Fisch an Land speit
zurück zum Vieh auch ich kann
nämlich meistens rechts
von links nicht unterscheiden
dürfte ich wählen
ich würde mich wohl für den
Aufstieg entscheiden
nicht weil ich das Obensein
anstrebe sondern
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weil mich
der Ausblick beglückt
über die Landschaft
die nie zögert wenn sie ihr
Geheimnis preisgibt
trotzdem verstehe ich nicht
was sich dort abspielt
zwischen dem Schiff und der Burg [5351] allem was fest ist
also und allem was schwankt
die Sprache täuscht mich
ich erreiche es nicht wenn
ich rede es kommt
etwas das spricht bei mir an
immer mehr Fragen
schliessen nur weil man sie stellt
jede mögliche
Antwort zum vornherein aus
(oder verweigern
die Antworten sich sobald man
nach ihnen fragt?)
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Ambrogio Lorenzetti:
Un castello in riva al lago,
um 1340.
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in Lesbos
sah ich einen
versteinerten Baum
und jemand sagte: da ist
ein glücklicher Baum!
aber ist nicht mehr leben
und nur noch da sein
wirklich ein Zustand des Glücks?
da haben wir also
eine der Fragen zu der
die Antwort nicht passt
der Tag meiner Geburt der
Tag meines Todes
wie unterscheiden sie sich?
mir fehlt der Standpunkt
von dem aus Unterscheiden
zu sichern wäre
doch diese Unsicherheit
an meinen Rändern
verleiht dem was nicht Ich ist
erst Gewicht genug
mich zu verknüpfen mit dem
Geschmack der Dinge
mir beim Wiedererkennen
den Glanz zu zeigen
zwischen mir und den andern
dieser Freude folgt
ein Schatten als Einsicht: dass
ich immer schneller
nirgendwohin gelange
und dies ist ein Ort
an dem ein letztes Mal sich
alles einfindet
zur Zeit die gerade noch
zeigt dass ich da bin
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Vgl. antike Darstellungen eines Toten als Held auf
dem Rücken eines Pferdes reitend.
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bevor ich
dem Horizont
entlang- und davon-
reite: stolz und entschlossen
[5401] wenn das Wirkliche
kleiner wird und das Schöne
sich öffnet aufgeht
als japanischer Garten
aus Seidenpapier
im grüngefalteten Tee
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2. Jh. v.Chr.
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(lat. Palindrom)
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"wir
irren des Nachts
im Kreis umher und werden
vom Feuer verzehrt" (INGIRUMIMUSNOCTE
ETCONSUMIMUR
IGNI) dieses Erinnern
das langsam verblasst
ich werde es immer und
schmerzlich vermissen
eine Empfindung ist da
schon wenn der Atem
kehrt und die Stille anhält
die mich durchsickert
mich mahnt: dass das Erinnern
den Rückzug beschloss
ein leerer Ausblick auf nichts?
vielleicht - mein Standort
jedoch muss diesseitig sein
(hier nirgendwo sonst)
ich bin wo ich schon immer
sein wollte sitze
und schaue hinaus aufs Meer
hinter mir flüstern
Silberpappeln ich höre
wie sich Figuren
auf dem Schachbrett verschieben
im Wasser blitzen
die kleinen Fischbäuche auf
und wenden das Licht
so dass es später abprallt
am Silberbesteck
das so ordentlich daliegt
neben dem Teller
in solchen Augenblicken
meine ich etwas
sagen zu müssen weil es
nur selten geschieht
dass im unendlichen Raum
ein Laut ein Wort sich
zwischen Vergängliches schiebt
und es verbindet
die Sprache ist das Wunder
nicht das Gedachte
[5450] was weiss ich ob nicht alles
auf seine Art denkt:
geologische Schichten
Humus und Blattgrün
das Fell der Katze vielleicht
auch Unsichtbares:
die Zeit wenn sie läuft die Not
die sich uns anschliesst
aber nur Menschen können
sprechen erzählen
durch ein Ausatmen das stimmt
kommt Eingekehrtes
besprochen zu sich zurück
als ein anderes
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jede
Zuwendung ändert
immer das Ganze
was im Text steht ist nicht mehr
was darin vorkommt
und dies behindert jeden
klärenden Wortfluss
aber das Verstehen kommt
trotzdem zustande
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Mrs. Dalloway (1925)
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Virginia
Woolf schreibt "ein
brennendes Streichholz
in einer Krokusblüte"
in diesem Satzteil
ist nichts wirklich und dennoch
könnte er wahr sein
bei dem was sich hier aufreiht
müsste die Sprache
langsam verschwinden bis dass
nur noch Musik bleibt
eine bewaldete Senke
die dem strengen Tal
das Aufatmen erleichtert
wo die Wurzeln statt
in die Tiefe nur seitlich
ausgreifen damit
sie einander nahe sind
wenn Sturm sie ausreisst
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aus der
Erde die aufbricht
und nur noch Ringe
rauchig mahnen und rote
Kreise auf der Haut
an entzündete Jahre
ich möchte das Lied
wieder hören das im Schlaf
mich davontrug einst
doch endet Gewohnheit: ich
denke und fühle
[5500] beides traurige Dinge
meint Proust und verrät
noch nichts vom Wiederfinden
der Zeit das gelingt
ihm erst später wenn der Leib
sich eingefügt hat
in das Erinnern und hier
eine stabile
Wolke bildet die wahr ist
wenn sie empfindet
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Maurice Merleau-Ponty
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"rien
d'humain n'est tout à fait
incorporel" nichts
ist verlässlicher als der
vergängliche Leib
alles andere kann scheitern
und braucht stets viel Wind
der das Schwanken begleitet
und den Halm im Mast
zur Übereinstimmung bringt
bis eines Morgens
aus dem Nebel der Herbstwald
auftaucht kieloben
zieht er buntscheckig an Land
blättert ab und legt
seinen Bootsleib dunkel auf
die Wintersandbank
unvollkommen die Stille
im Durcheinander
will alles mehr bedeuten
mehr als was es ist
und lärmt hervor verkeilt sich
in kleinsten Ritzen
weit abseits der Vernunft und
auch der Unvernunft der
Leib ist nicht dicht er kann
nicht verhindern dass
es aus ihm sickert und so
Ordnungen stets neu
geordnet werdenmüssen
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aus der chinesischen Enzyklopädie Himmlischer
Warenschatz wohltätiger Erkenntnisse
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in China
ordnet
der Kaiser seine Tiere:
a) solche die ihm
gehören b) solche die
sind einbalsamiert
dann gibt es gezähmte und
Milchschweine fünftens
Sirenen sechstens Tiere
aus Fabeln und nun
folgen die Hunde falls sie
herrenlos sind bloss
[5550] sind diese zu unterscheiden
von gezeichneten
mit feinem Pinsel der aus
Kamelhaar sein soll
doch das sind nicht die Hunde
die den Wasserkrug
zerbrachen und sind auch nicht
zu verwechseln mit
denen die von weitem wie
Fliegen aussehen
so viel aus dem himmlischen
Warenschatz als
wohltätige Erkenntnis
Listen wie diese
haben den Nachteil dass sie
sich standhaft weigern
wichtige Auslassungen
mitzuverzeichnen:
das weisse Blatt eine Frau
die nicht da ist und
Nichtwissen als eine Form
der Vollkommenheit
ein Gegenstand vermehrt sich
jedoch nicht wenn man
an ihm das Aufzählen übt
es gibt keinen Schmerz
und kein Subjekt das diesen
wahrnehmen könnte
da ist nur diese eine
Empfindung mit nichts
bin ich enger verbunden
so eng dass ich mich
frage was sie mich angeht
(dem Schmerz unterliegt
schliesslich auch die Grammatik)
ich weiss nicht weshalb
der Mensch sich einlässt auf das
Abenteuer der Ordnung
vielleicht ein schlauer Versuch
scheinheilig ernst auf
das Lachen hinzusteuern
das sich einstellen
wird wenn das Geordnete
sich zeigt wenn jedes
Gleichgewicht zusammenbricht
alles andere
sollte leise aber nicht
farblos geschehen
wie die Träume der Fische
im Korb oder die
[5600] alter Männer wenn mittags
die Sonne über
ihrem Schlummer vorbeilärmt:
sie alle träumen
von den schlaflosen Nächten
zu zweit und im Schwarm
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Vgl. Heraklit, Fragment B 89
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glücklich jeder in seiner
eigenen Welt da
gibt es kein Drängen weder
ins Eigene noch
in ein Fremdes weder in
Helles noch Dunkles
was geschieht geschieht nochmals
zum ersten Mal jetzt
irgendwo in der Nähe
schlingen sich später
Pflanzen lauwarm ins Wasser
bald stossen Kelche
aufwärts und Zweige brechen
als Äste im Sturm
wie aber kommt wirkliches
Scheitern zustande?
der Abwurf einer Bombe
auf die Stadt die schläft?
Väter die ihre Kinder
missbrauchen mit dem
Einverständnis der Mutter?
dieser Text ist nichts
als eine Verkettung von
Informationen
die etwas bilden ohne
selbst etwas zu sein
sie sind die Wirklichkeit die
ihren Text ständig
verändert wenn man ihn liest
Regelmässigkeit
beim Einnehmen der Mahlzeit
graue Anzüge
und der seltene Besuch
der Oper hindern
das Leben nicht daran uns
zu überfallen
hinterrücks: der Zug hat die
Richtung gewechselt
und rast hinaus aus der Stadt
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Vgl. James Joyce: A Painful
Case; in: Dubliners (1914)
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James Duffy steht da
und weiss das Aussteigen wird
ihm nie mehr gelingen
rhythmisch donnern die Räder
durch seinen Schädel
[5650] klopfen denselben Namen
endlos ins Dunkle
doch sein Leben vermag er
nicht mehr zu ändern
er hat keine Ahnung wie
er im Gedächtnis
eines andern seine Spur
anlegen könnte
es gibt Unverdauliches
das wird im Magen
des Pottwals zu Amber und
später ein Duft doch
er bleibt sich selber nichts als
ein fader Geschmack
wie anders der Bauer der
sich freut wenn er sieht
wie das was er liebevoll
gehegt und gepflegt
sich in ein hochwertiges
Produkt verwandelt
"Bauer" sagt er "ist sicher
der schönste Beruf -
der zweitschönste aber ist
immer noch Metzger"
wo könnte der Ort liegen
von dem aus solches
Reden seinen Ausgang nimmt?
wo sitzt der Knoten
des Wirbels der uns verführt
mit seinen Sätzen
die ein Ganzes vorführen
in das wir das Tun
einbetten können beruhigt
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bis das
Fingerspiel
der Sprache sich überhitzt
die Kuppen wund sind
da draussen am Rand wo sich
die Worte langsam
entladen überdrüssig
der Mitte neigen
sie zu schwerelos blödem
Dasein sind ortlos
einander nichts als Zeichen
des Zeichens und weit
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Heraklit: "Der Herr, dessen Orakel zu Delphi
ist, spricht nicht aus und verbirgt nicht, sondern er gibt ein Zeichen
(be-deutet)." (B 93) "Denn die Augen sind genauere Zeugen als die
Ohren." (B 101a
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abgedriftet
vom Gott der einst
durch das Orakel
weder sprach noch sich verbarg
der mit den Lauten
noch zu bedeuten verstand
(muss man das Hören
[5700] auch mit den Augen üben?)
Sprache muss eine
Handreichung sein die festhält
und loslässt zugleich
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Sengai auf die Frage nach dem wahren Familienglück:
"Vater stirbt, Sohn stirbt, Enkel stirbt." (s.Anm.)
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Grossvater
hält das Händchen
meines Vaters der
eines Abends meine Hand
fast nicht mehr loslässt
anderntags stirbt er da lebt
aber Grossvater
schon lange nicht mehr - man sieht
diese Reihe nimmt
einen Verlauf und der glückt
bis jetzt - so sollte
auch was wir reden wirklich
und wahr sein bis dass
es gehört wird dann mag es
wieder verschwinden
Epiphanien sind nichts
als Oberflächen
die ihre Aussenseiten
dehnen und damit
knapp erhellten Fragmenten
ein ungewisses
Leuchten bewahren ein Text
sind sie den wir nachts
mit Linien verbinden:
ein Hör- und Sternbild
welches uns kartographiert
ich verhalte mich
ungefaltet grossflächig
vorerst verzaubert
vom glattgestrichenen Samt
der sich kaum sichtbar
wölbt über spitzen Steinchen
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scrupulus
(lat.): spitzes Steinchen, ängstliche Genauigkeit;
velvet: lat., fr., engl.: Samt.
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scrupulus
velvet
bezeichnet die Grenzlinie
an der Kastanien
sich zu Glücksbringern wandeln
wo sehnlichst der Wunsch
in kranken Kindern erwacht
aus alten Brettchen
ein Vogelhaus zu bauen
nichts beelendet
mich mehr als die Vorstellung
dass ein Kind vielleicht
stirbt - - - - - - - - - - - - - - -
mein Leib verweigert
diese Art Trauer und doch
erträgt er erstaunt
[5750] was er niemals versteht nur
es zu verstehen
wäre nicht zu ertragen
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"Trockene Seele - die klügste und
vollkommenste." Heraklit
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unsere
Seelen
ziehen täglich ein wenig
weiter nach Westen
sich nur langsam gewöhnend
an die Trockenheit
und deren weisse Flügel
die unser Schatten
in die Wüste herabruft
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Lehren des Basilides und der Ophiten aus dem 2.Jh.
(Gnosis)
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jetzt
etwas tun doch
ohne Willen ohne Geist
ohne die Sinne
(wie der nicht-seiende Gott
des Basilides)
so dass sich kein Unterschied
ausmachen liesse
zwischen vorher und nachher
noch aber kann ich
die alten Elemente
nicht beruhigen:
Wasser Finsternis Abgrund
und Chaos obwohl
darüber der Geist schwebe
so heisst es als Frau
ein Himmel also und dies
widerspricht meiner
Erfahrung eigentlich nicht
alles Blaue hört
sich an wie ein langes Rohr
ohne Wände und
beschleunigt mich merklich da
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Filippo (Giordano) Bruno (1548-1600)
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draussen
wo Bruno
lacht und Luft holt und alles
wieder hineinbläst
auf einem Esel reite ich
rückwärts und übe
das Einrollen des Denkens
wie der Pharao
als er im Meer unterging
und davon träumte
die Schneeluft zu melken Eis
zu erzeugen und
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Lorenzo
Lotto: Sommersione del Faraone (1526-27)
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daraus
ein rettendes Boot
glasklar schimmernd bricht
er auf und flieht unbemerkt
von Pi-Hahirot
umschifft das Delta gleitet
nilaufwärts stumm an
[5800] erstarrten Ufern vorbei
nur Horus wärmt mit
ausgebreiteten Flügeln
den Herrscher und legt
ihm von hinten behutsam
Federn und Flaum an
sein verdüstertes Kleinhirn
so gelingt es ihm
aufrecht sitzend die Haltung
zu bewahren beim
Wegbruch der Hemisphären
die sich verlieren
wie Hände wenn sie zu weit
abseitlich etwas
ergreifen was es nicht gibt
sie kommen aber
nicht leer zurück sind bereit
zum Handwerk oder
umzubetten die Toten
bis über rauhen
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Pierre
Huyghe: L'expédition scintillante
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Vgl. Marcellus Palingenius Stellatus (ca.1500-1540),
Zodiacus Vitae.
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Handflächen
plötzlich sich die
Wörter auftürmen
von da ist es nicht mehr weit
bis zu mir wenn ich
im Dezember am Ufer
stehe des Sees und
die untergegangene
Sonne die Wolken
rot färbt und diese den See
während die Berge
im Osten grau verschmelzen
mit der Nacht da ist
es wieder das was mir nie
gelingt ich kann es
nicht schlucken und ausspucken
kann ich es auch nicht
vielleicht wirkt so die Schönheit
bei mir die ankommt
wenn ich nicht damit rechne
unnötig dünkt mich
dass jetzt etwas dazukommt
ein Wasserläufer
wie Orion oder Jesus
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Pierio Valeriano (1477-1560)
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die
Metaphorik
der Kabbalisten die vom
Esel behaupten
dass er Salat von Disteln
nicht unterscheide
zum Schreiben brauche ich nichts
als die Lethargie
[5850] des Staunens und zwar stets
diesseits des Fensters
hier befindet sich zwar
alles
im Sturz doch kehrt sich
etwas immer auch aufwärts
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Paulinus von Nola (353-431)
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Rom geht
unter doch
Paulinus von Nola
der Dichter erfindet
Kirchenglocken und Hymnen
daselbst wird später
Filippo Bruno das Licht
erblicken der Welt
die er als Ketzer brennend
wieder verlässt: Rom
ist nicht untergegangen
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"...Derselbe aber ist Hades und Dionysos, dem
sie toben und feiern." Heraklit, Fragm. B15.
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Dionysos
sei
dasselbe wie Hades sagt
Heraklit toben
dasselbe wie feiern in
ein Dunkles hinab
oder hinauf führt beides
die Sinne rollen
zum Rad sich spreizen die Sicht
und kugeln mich aus
im geborstenen Schwindel
ich gehe dem Rad
aus dem Weg mir wird übel
wenn ich Ewigkeit
denke verknotet sie mich
zur Schlinge aus Zeit
ich liebe Flaute und Sturm
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Vom Rad zum Segel (Verschiebung eines
ikonographischen Topos für Fortuna). Vgl. dazu: Ernst Cassirer, Individuum
und Kosmos in der Philosophie der Renaissance, Hamburg 2002, S.89.
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also das
Segel
den launischen Wind den Hall
der sich im Abgrund
des Wassers verirrt alles
was die Zuversicht
ablenkt von gefahrloser
baldiger Ankunft
leben müsste die Kunst sein
Zeit zu verlieren
und sich selbst beständig nur
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Lamella Bernensis. Ein spätantikes Goldamulett mit
christlichem Exorzismus, Stuttgart (Teubner) 1999.
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beim
Anruf jener
die über sieben Himmeln
sitzen über Blitz
und Donner Schlangen Wegen
Bergen Krystallen
die das Meer übersitzen
Marmaoth Chaphoi
Sabaoth Maio Schrada
Gabriel Zonchal
[5900] Siorocha Uaoth
Adonai Mieel
Riepha Omarioth
Ragael Rabo
über allem und jedem
hocken die Engel
um Dämonen zu bannen
statt zu fliegen und
meine verlorene Zeit
wieder zu sammeln
ich konstruiere Räume
des Wartens und bin
das Unbehagen darin
das sich belügt und
Ungeduld vorgibt weil sonst
das Warten misslingt
ich lehne mich vor den Riss
nicht zu verpassen
in der Wahrnehmung wenn ich
das Warten plötzlich
vergesse - nichts verschwindet
und nichts kommt hinzu
weggeschnitten der Landstrich
leuchtet auf wenn ihn
Dezembersonne kurz streift
ich schreibe langsam
und langsam gehe ich wie
eine Kuh vom Stall
auf die Weide und wieder
zurück das ist es
mein Versuch die Bewegung
einer Wirklichkeit
anzupassen die ich ja
selten verstehe
eine Gangart zu wählen
die so hoffe ich
Tieren nicht lächerlich scheint
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ich frage
mich: wie
weckt man sich selbst auf? doch nicht
indem man ständig
wie ein herrenloser Hund
zurückkehrt zu dem
was man sein könnte später
nach dem Erwachen
ich verenge mein Blickfeld
"Frohe Festtage
Pascal und Familie"
rote Buchstaben
mit dem Filzstift sorgfältig
einzeln hingesetzt
[5950] zwei Sterne mit Garn umstickt
in groben Stichen
unergründlich für immer
bleibt der Kontinent
der sich hinter diesem Gruss
als Botschaft verbirgt
sie gilt zwar nicht mir trotzdem
macht sie mich glücklich
ich will in Zukunft öfters
an dieses Kind und
seine Zuversicht denken
und auch an den Schnee
der den leicht ansteigenden
Hügel nur dürftig
bedeckte diesen aber
immerhin oben
nahtlos in dem ebenfalls
weissen nebligen
Himmel sich auflösen liess
doch was ich sehe
mich erinnernd ist weder
die Decke aus Schnee
noch der milchige Himmel
sondern sind Gräser
filigranes Gekritzel
einsame Halme
ein Strauch einige Pfosten
ein Stück Stacheldraht
ein Text liegt im Schnee
schwer zu entschlüsseln
und doch lese ich weiter
irgendwo am Rand
einer Zeile müsste der
Waldrand sich ins Blatt
hineinschieben der Leeres
ausschneidet aufbricht
und mich hineinschlüpfen lässt
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Marcel Proust, A la recherche
du temps perdu (Bd. I: In Swanns Welt).
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Proust
allerdings geht
von innen nach aussen
und sein Bewusstsein stösst
wie er sagt auf ein Behagen
besonderer Art:
das angenehme Gefühl
bequem zu sitzen
die gute Luft zu spüren
und durch Besucher
nicht behelligt zu werden
ist es Eifersucht
oder der Aufstand gegen das
Vergessen was Proust
und die Halme aufrecht hält?
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